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6. Juni 2011 1 06 /06 /Juni /2011 22:50

Das Internet ist die säkularisierte Version eines Gottes, der alles sieht und die Namen im Buche des Lebens aufschreibt. ...

Wie die Bergische Diakonie Aprath mit ihrer teils schwarzen Vergangenheit umgeht

 

„Das Internet ist die säkularisierte Version eines Gottes, der alles sieht und die Namen im Buche des Lebens aufschreibt. Im Unterschied zu Gott ist das Internet fehlbar, es vergißt auch keine Lügen, die als wahre Geschichten deklariert sind. Damit bin ich bei der Selbstdarstellung der BDA und ihrer Geschichte auf ihrer Homepage. Ich hatte Sie nach einem update gefragt. Bis heute: no change.“

http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/06/01/sehr-geehrter-herr-kollege-iwand/

 

Der Diplom-Theologe/Diplom-Psychologe Dierk Schäfer, Pfarrer i.R. aus Bad Boll, beleuchtet in mehreren Artikeln seines Blogs (http://dierkschaefer.wordpress.com) den Umgang der Leitung der Bergischen Diakonie Aprath (http://www.bergische-diakonie.de/) mit seiner Vergangenheit. Bis in die jüngste Zeit hinein, aber vorwiegend in den Nachkriegsjahrzehnten, wurden in dieser evangelischen Einrichtung für Behinderte immer wieder Menschen misshandelt. Den letzten Fall hat Schäfer noch einmal thematisiert, auch darum, weil die Diakonie Aprath sich nach Meinung ihrer Opfer nicht ausreichend der Vergangenheit stellen will.

 

Zuletzt verschwand eine behinderte Frau im Kochkessel. Was als „Küchentaufe“ deklariert war, empfand der Täufling eher als Schrecken und wehrte sich verbal und mit Leibeskräften. In der Westdeutschen Zeitung (http://www.handicap-wuppertal.de/documents/WZ-TinaKessel.pdf) wird auch Anstaltsleiter Pfarrer Peter Iwand zitiert: „Die ganze Sache ist schockierend, menschenunwürdig und ist für uns als Diakonie schädlich“. Personelle Konsequenzen indes wurden nicht gezogen. Iwand dazu in der WZ: „Das ist nicht justiziabel.“ Es sei keine Anzeige erstattet worden, heißt es. „Aber wie frei ist eine bei Ihnen angestellte behinderte junge Frau, gegen ihren Arbeitgeber vorzugehen?“, fragte Dierk Schäfer in seinem Brief an Iwand (http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/05/29/vorstandbergische-diakonie-de-sonntag-29-mai-2011/) und fügt an: „Da die junge Frau behindert ist – ist sie als Schutzbefohlene anzusehen?“ In einem weiteren Beitrag (http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/05/30/%c2%bbein-spas-fur-alle-beteiligten%c2%ab/) schreibt Schäfer dazu: „Wer sich einschlägige Videos solch primitiver entwürdigender Scherze ansieht, fragt sich, was solche Rituale in einer christlichen Einrichtung zu suchen haben. Allerdings wissen wir, daß es in manchen christlichen Einrichtungen, auch in Aprath, noch schlimmere Vorkommnisse gab.“

http://www.youtube.com/watch?v=VNAVgqgUf3A

Schäfer weiter: „In Aprath versteht man sich nicht nur aufs Abwiegeln, sondern auch aufs Drohen. So ist das, was man in der Bergischen Diakonie unter Taufe versteht, bei der Westdeutschen Zeitung online zu finden: http://www.wz-newsline.de/home/panorama/bergische-diakonie-behinderte-in-kessel-gesteckt-1.230562 Montag, 30. Mai 2011. Mein Kollege Iwand stößt sich jedoch daran, daß auch andere dieses Ritual auf ihrer Web-Seite verewigt haben.“

 

Konsequenzen haben auch die Schreckenszeiten davor nicht. Auf „Gut an der Linde“ soll die Gewalt besonders schlimm gewesen sein. Im Oktober 2010 bat die Opferinitiative (http://amd.co.at/anti/moitzfeld/) die Öffentlichkeit um Mithilfe. Die Diakonie solle gezwungen werden, diese Schreckenszeit aufzuarbeiten (http://helmutjacob.over-blog.de/article-fursorgeholle-der-bergischen-diakonie-aprath-gut-an-der-linde-opfer-bitten-um-hilfe-59503240.html). Die Gruppe warf der Einrichtung schwere Vergehen vor:

„Die Prügel durch Erzieher und größere Jungen!
Der sexuelle Missbrauch durch Erzieher und größere Jungen!
Die Unzucht mit Abhängigen!
Die Zwangsarbeit bei Bauern etc.!
Die Bestrafungen wegen jeder Kleinigkeit!
Der Essenszwang - man wurde gezwungen auch den ekeligsten Fraß zu essen!
Die zeitweise verdreckten und baufällige Unterkünfte und Gebäude!
Das Fernhalten von Bildung – man wurde nur auf Volkschule und einfache Berufe getrimmt!
Das Fernhalten von Mädchen – Kontakte zur Orts- Jugend wurden nicht gefördert!
Der systembedingte Einfluss von kriminell vorbelasteten Jungen!
Die fehlende menschliche Zuwendung durch die Erzieher!
Die unzureichenden fachlichen Qualifikationen der Erzieher!“
(http://amd.co.at/anti/moitzfeld/BDA_Rundschreiben.pdf)

 

Weil nach Empfinden der Opfergruppe die Einrichtungsleitung keine Aufarbeitung leisten will, baten sie zwecks eigener Nachforschungen um Adressenmaterial über ehemalige Mitbewohner. In seinem Beitrag, „Perverser geht´s nicht“ (http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/05/28/perverser-geht%e2%80%99s-nicht/) zitiert Schäfer, Anstaltsleiter Iwand: „… fachlich sei es problematisch, ehemalige Heimkinder unaufgefordert mit ihrer Vergangenheit und damit mit möglichen Traumatisierungen zu konfrontieren. Sehr viele verschwiegen ihren Ehepartnern und Kindern ihre Zeit im Heim. Sie sollten selbst entscheiden, ob sie Kontakt zu anderen Heimkindern oder direkt zur Bergischen Diakonie aufnehmen wollten.“ Schäfer dazu: „Dem Heim sind also leider die Hände gebunden. Diese Rücksichtnahme rührt so richtig zu Tränen. Hier versteckt sich ein Heim hinter seinen Opfern.“

 

Prof. Dr. Klaus Wolf (http://www.uni-siegen.de/fb2/mitarbeiter/wolf/), Universität Siegen, sollte nach dem Willen der Opfergruppe Licht ins Dunkel bringen. Und das kostet Geld. Wolf wollte mit einer Gruppe Studenten psychologisch begleitete Befragungen und Nachforschungen anstellen. 200.000 € lautete sein Kostenvoranschlag. Iwand vor laufender Kamera: „Wir können nicht einfach irgendwelche Gelder hier verausgaben, die wir ... erst einmal vereinnahmen müssen.“ Klaus Wolf im gleichen WDR-Beitrag: „Mein Eindruck ist, dass der Aufsichtsrat das moralische Dilemma ... nicht richtig verstanden hat.“ (http://www.youtube.com/watch?v=VNAVgqgUf3A)

 

Das scheint Dierk Schäfer ebenso zu sehen. In seinem Schreiben an Peter Iwand heißt es: „... eine Reihe von Informationen veranlaßte mich, die Web-Seite der bergischen Diakonie aufzusuchen. Als ich über deren Geschichte las, konnte ich die Selbstdarstellung Ihrer Einrichtung weder mit den Informationen in Einklang bringen, die von Seiten der ehemaligen Heimkinder kamen, noch mit den Pressemeldungen, in denen Sie persönlich Stellung nehmen zu Mißhandlungen im Verantwortungsbereich Ihrer Vorgänger. Wäre es möglich, daß Sie ein update Ihrer Web-Seite veranlassen?“ (http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/05/29/vorstandbergische-diakonie-de-sonntag-29-mai-2011/)

 

Bei den Opfern flossen derweil Tränen (http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1296684509351.shtml) . Die Aufarbeitung Ihre Schicksals sehen sie in weite Ferne gerückt. 50.000€ will Peter Iwand zahlen. Zwei Historiker haben sich für diesen Preis zur Aufarbeitung bereiterklärt. Aber bei der Opfergruppe fehlt das Vertrauen; und ohne Vertrauen zu denen, die ihr Leid objektiv dokumentieren sollen, geht es nicht. So war es auch mit der Aufarbeitung der Verbrechen in den Volmarsteiner Anstalten. Nur, weil die „Freie Arbeitsgruppe JHH 2006“ großes Vertrauen zu den Historikern Schmuhl und Winkler gewinnen konnte, steht sie hinter ihrem Resultat. (http://gewalt-im-jhh.de/Bericht_der_Historiker_Prof__S/bericht_der_historiker_prof__s.html). Es ist als Buch erschienen. (http://gewalt-im-jhh.de/Gewalt_in_der_Korperbehinderte/gewalt_in_der_korperbehinderte.html)

 

Heimopfer, Heimkinder, Gewalt, sexueller Missbrauch, Evangelische Kirche, Bergische Diakonie Aprath

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Published by Helmut Jacob
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