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23. August 2014 6 23 /08 /August /2014 16:48

"Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist ‚entsetzt, verärgert’ und wohl auch ein kleines bisschen resigniert. ... Da hat der Geistliche vieles, wenn nicht sogar alles getan, um verloren gegangenes Vertrauen in die Religionsgemeinschaft zurückzugewinnen. Er hat sich akribisch um die Aufklärung der Missbrauchsfälle gekümmert und die Prävention vorbildlich gestärkt. ... Doch trotz all dieser Anstrengungen kehren aktuell mehr Menschen der katholischen Kirche den Rücken als in den beiden Jahren zuvor."

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.schwund-wegen-steuer-noch-mehr-kirchenaustritte.2246947b-1eaa-46e4-a8ab-b69bb2b36a64.html

Wie bitte?

"Er hat sich akribisch um die Aufklärung der Missbrauchsfälle gekümmert ..."? War es nicht so, daß die  einzelnen Diözesen dem Vatikan Meldung über Mißbräuche erstatten sollten und zunächst keine Anzeige bei juristischen Behörden einreichen durften? Ich erinnere mich auch sehr daran, daß verbrecherische Priester einfach in andere Pfarreien versetzt wurden und dort teils ihr schmutziges Treiben weitergeführt haben. Außerdem war die Katholische Kirche schnell mit dem Kadi zur Hand und bedroht alle Opfer, die an ihnen verübten Schweinereien zunächst zeugenlos an die Öffentlichkeit brachten. Erst, nachdem nichts mehr zu leugnen war, gab sie zögernd und scheibchenweise die Verbrechen unter ihren Dächern zu.

Und außerdem: Bischof Gebhard Fürst ist in seiner Position unbezweifelbar auch Vertreter der gesamten Katholischen Kirche. Ohne lange nachzudenken, fallen sofort etliche "Leichen im Keller" vor die Füße:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kriminologische_Studie_zum_Missbrauch_in_der_katholischen_Kirche_Deutschlands

Die Bischofskonferenz hat bekanntlich Professor Christian Pfeiffer vor die Tür gesetzt. Pfeiffer sollte zunächst eine Studie zum Mißbrauch in der Katholischen Kirche erstellen. Der Verdacht ist nicht ausgeräumt, daß er zu kritisch schien und darum abserviert wurde. Nach Pfeiffers Aussagen wollte die Auftraggeberin Einfluß auf die Studie nehmen und er fürchtete um seine Unabhängigkeit als Gutachter (Die Praxis des Versuches der Einflußnahme ist in Sachen Aufarbeitung der Verbrechen an Heimkindern sattsam bekannt.).

Aufarbeitung ist das eine; wobei der von der Bischofskonferenz angeforderte Bericht  anscheinend immer noch nicht erstellt wurde, Entschädigung der Opfer das andere. Diesbezüglich haben beide noch großen Kirchen auf ganzer Linie versagt. Sie verstecken sich hinter dem "Runden Tisch Heimerziehung", den sie mit ihren juristischen Vertretern reichlich manipuliert haben. Hier einige Videos:

https://www.google.de/search?client=opera&q=runder+tisch+heimerziehung+abschlussbericht+pressekonferenz&sourceid=opera&ie=UTF-8&oe=UTF-8#q=runder+tisch+heimerziehung+abschlussbericht+pressekonferenz&tbm=vid

Einzig in der alternativen Pressekonferenz am gleichen Ort, zur gleichen Zeit, wurden die tatsächlichen Forderungen der Opfer und die Erpressungsversuche der Opfervertreter am "Runden Tisch Heimerziehung" benannt. Hier die Rede des Sprechers der "Freien Arbeitsgruppe JHH 2006", Klaus Dickneite:

https://www.youtube.com/watch?v=9A90A1JYJ-w

So bleibt die Entschädigung auf der Strecke. Es galt, Schadensbegrenzung und die billigste Lösung durchzupeitschen. Auch die Katholische Kirche, sonst so fromm Ehrlichkeit einfordernd, ließ es zu, daß ihre Opfer mit einem billigen Judaslohn von durchschnittlich 5.000,- € abgefertigt werden. Ihr Protest dagegen, daß die Länder den Fonds um 12.000,- € beklauten, um Verwaltungskosten für die Aufarbeitung ihres eigenen Versagens in der Aufsichtspflicht zu refinanzieren, ist nirgends zu finden.

Was war das ein Theater um Bischof Mixa? Bis seine Kirche ihn endlich aufs Altenteil schickte, sind etliche Negativberichte über seine Gewalt und seine Lügen im Netz veröffentlicht worden:

https://www.google.de/search?client=opera&q=bischof+mixer&sourceid=opera&ie=UTF-8&oe=UTF-8#q=bischof+walter+mixa+heimkinder

Hier eines der berühmten geistigen Ergüsse des Ex-Bischofs, der jetzt unter Nonnen lebt:

http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_69072414/ex-bischof-walter-mixa-vergleicht-tebartz-van-elst-mit-jesus-cristus.html

Aber damit sind die „Leichen im Keller“ noch längst nicht bestattet. Vergessen werden darf nicht die Verschwendungssucht und die Protzerei der Katholischen Kirche. Allein Umbau und Renovierung der Limburger und der Rottenburger Diözese verschlangen 70 Mio. €. Und dies in einer Zeit, in der etliche Kinder ohne Frühstück in die Schule gehen und ihnen auch kein Pausenbrot eingesteckt wird. Hier eine anklickbare Fotoserie unter diesem Link:

http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/rottenburg_artikel,-Das-Bischoefliche-Ordinariat-hat-nicht-nur-einen-repraesentativen-Zugang-_arid,216816.html

Der Reichtum des Kölner Bistums wird auf 2 Mrd. € geschätzt. In so knapper Zeit kann man gar nicht so viele Artikel lesen, wie sie zu dem Thema im Internet stehen:

https://www.google.de/search?client=opera&q=reichtum+bistum+köln&sourceid=opera&ie=UTF-8&oe=UTF-8

Und dies alles geht zu Lasten der Armen, die der Hilfe der Kirchen bedürfen. Sie müßten eigentlich wissen, daß ihr Auftrag vom obersten Dienstherrn, nämlich Christus, ganz klar lautet: Gebt den Armen, hortet keinen Reichtum und – „ihr sollte keine anderen Götter haben neben mir“.

Kommen wir zum Schluß zum Ambiente der Katholischen Kirche, welches aber auch in einigen Punkten bei der Evangelischen zu kritisieren ist. Glauben die Talar- oder Robenträger wirklich, mit Weihrauch, veralteten Zeremonien, unverständlichen Liedtexten, den Drohungen mit der Hölle und der ewigen Verdammnis, die Jugendlichen an die Kirche binden zu können? Wissen sie nicht, daß die modernen Kommunikations- und Informationsmittel der Jugend und auch vielen älteren Kirchgängern mit einem Schlag aufzeigen, wie es hinter den ehrbaren Kirchenkulissen und unter den Dächern ihrer Einrichtungen aussieht; daß beispielsweise in vielen Altenheimen Euthanasie durch die Hintertür praktiziert wird? Und das meine ich so: Wer alte Menschen links liegen läßt, sich ihnen als Bezugsperson verweigert, ihnen soziale Bezugspunkte vorenthält, treibt sie in die Einsamkeit und das hat zunächst den seelischen Tod zur Folge. Die kaputte Seele übt bekanntermaßen Einfluß auf die körperliche Verfassung aus.

Ein Eigentor der Kirchen darf nicht unerwähnt bleiben: Ab 2015 werden die Kirchensteuern direkt beim Geldinstitut eingetrieben. Auch hierzu reichlich Infos im Netz: https://www.google.de/search?client=opera&q=kirchensteuer+ab+2015&sourceid=opera&ie=UTF-8&oe=UTF-8

Es grenzt schon an Dummheit, zu unterschätzen, daß zumindest die deutsche Mentalität einen Zugriff auf das eigene Konto durch andere verbietet. Bundesfinanzminister Schäuble schlägt sich wahrscheinlich lachend auf die Schenkel, denn er und seine Regierung haben mit der Schose nichts mehr am Hut und sie sparen obendrein Personal in den Finanzbehörden. Jede Kritik an die Zwangs-Kirchensteuern prallt an ihnen ab. Letztendlich subventioniert der Bund zwar weiter die Kirchen, auch wird die Zwangszahlung über die Gehaltsabrechnung nicht aufgehoben, aber der Schuß geht nach hinten los: Steigende Austrittszahlen.

Übrigens: Den Glauben leben und auch danach zu handeln (am Handeln mangelt es ja oft) kann man auch ohne die Institution Kirche. Wer ein Kreuz braucht, um davor zu beten, nimmt einen weißen Zettel und einen schwarzen Stift und malt es sich.

Evangelische Kirche, Katholische Kirche, Kirchenaustritt

 

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Published by Helmut Jacob
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Kommentare

Heidi Dettinger 08/26/2014 14:53

Herevorragender Artikel, Herr Jacob.
Nur ein "kleiner" Fehler ist Ihnen unterlaufen: Die Bundesländer haben keine 12.000 Euro aus dem Fonds für ehemalige Heimkinder geklaut, sondern 12 MILLIONEN!