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22. Dezember 2012 6 22 /12 /Dezember /2012 14:19

 

im Advent des Jahres 2012

Vorbemerkung

»Darf ich Sie wieder für unseren Weihnachtsgruß auf der Homepage gewinnen?« fragte mich Helmut Jacob. »Muß mal darüber nachdenken, lieber Herr Jacob. Habe ehrlich gesagt inzwischen Hemmungen, den Opfern der Kirche etwas vom Evangelium zu erzählen«.

Doch das Evangelium ist wichtiger als die Kirche.

Weihnachten wurde schon immer auch als Asylgeschichte erzählt

Angefangen von der Flucht nach Ägypten, wie sie Matthäus beschreibt: Maria und Joseph, die Eltern des von Herodes politisch Verfolgten, entfliehen mit dem Kind nach Ägypten, denn Herodes hat Angst um seine Macht.

Doch das Thema reicht tiefer: es geht um die friedliche Landnahme Gottes bei den Menschen. Wir sehen ihn als Bruder mit menschlichem Antlitz in Armut und Not und wir sehen ihn am Kreuz enden, an den Rand und in den Tod gedrängt von der applaudierenden Mehrheit.

Der Evangelist Johannes beschreibt das so:

UND DAS LICHT SCHEINT IN DER FINSTERNIS

UND DIE FINSTERNIS HAT’S NICHT ERGRIFFEN

ER WAR IN DER WELT, ABER DIE WELT ERKANNTE IHN NICHT

ER KAM IN SEIN EIGENTUM UND DIE SEINEN NAHMEN IHN NICHT AUF.

Weihnachten war schon immer eine Asylgeschichte: der Versuch eines den Menschen freundlich zugewandten Gottes bei uns Fuß zu fassen, – oft vergeblich.

Wir haben aus der Weihnachts­geschichte die herzige Geschichte vom göttlichen Kind in lockigem Haar gemacht und feiern eine verkitschte „Heilige Familie“, soweit wir uns nicht überhaupt nur auf Tannenbaum, Geschenke und Weihnachts-Menü beschränken.

In der üblichen Krippen­vor­stellung kommt die Not nur von außen, der geizige Herbergs­vater (der nirgendwo belegt ist), der Stall (auch nirgendwo belegt), der böse Herodes (zwar belegt, aber in dieser Rolle nicht historisch). Doch ansonsten ist das Kind gut aufgenommen: Maria und Joseph knien betend davor, hoch droben singt jubelnd der Engelein Chor. 

 

Weihnachtsgruss Schaefer Bild

Auf dem Flügelaltar in Blaubeuren ist in reizender Weise dargestellt,
wie ein Kind aufgenommen werden sollte.

 

Für manche Kinder sieht die Realität anders aus. Sie kommen in eine Welt, die nicht die ihre ist und sich nicht auf ihre Bedürfnisse einstellt. Eltern sind Schicksal, hatte ich eine Tagung betitelt und hinzugefügt: manchmal auch Schicksalsschläge. Ich will mich jetzt nicht weiter über familiäre Kindesmißhandlungen auslassen.

Wenn’s mit den Eltern gar nicht klappt und das amtlich wird, dann kommen manche Kinder in ein Heim, oft in ein Heim, das christlicher Tradition verpflichtet ist. Was Kinder dort zum Teil erleben mußten, braucht hier auch nicht weiter ausgeführt zu werden.

Sie kamen jedenfalls in ihre Familie und wurden nicht wirklich aufgenommen, sondern dort und/oder im Heim in vielfältiger Weise mißhandelt und im Nachhinein um ihre Entschädigung betrogen. Wir wissen, wer alles daran beteiligt war.

ER KAM IN SEIN EIGENTUM UND DIE SEINEN NAHMEN IHN NICHT AUF.

Genau das ist der Vergleichspunkt für viele ehemalige Heimkinder: nicht aufgenommen worden zu sein.

Es ist zugleich der Vergleichspunkt für die Täter. Sie haben bis heute nicht verstanden, daß sie mit der Geringschätzung, der Demütigung, der Ausbeutung, den Mißhandlungen der ihnen anvertrauten Kinder, ihrem Sichdrücken um Entschädigungen und mit ihrer Heuchelei sich zu denen gesellt haben, die Gottes Botschaft nicht angenommen haben. Sie reden von Verjährung und verweisen auf freiwillige, also großherzige Leistungen, mit denen sie nur ihre Blöße decken wollen.

Darum gilt ihnen auch nicht die Verheißung:

WIE VIELE IHN ABER AUFNAHMEN, DENEN GAB ER MACHT, KINDER GOTTES ZU WERDEN.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und für das neue Jahr die nötige Kraft, allen Widrigkeiten standzuhalten.

Ihr

 

d. schäfer

http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2012/12/weihnachtsgruc39f-2012.pdf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Published by Helmut Jacob
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