Helmut Jacob Am Leiloh 1 58300 Wetter
Diakonisches Werk der Evangelischen Kirchen
in Deutschland e.V.
Herrn Johannes Stockmeier (Vorsitzender)
Stafflenbergstraße 76
70184 Stuttgart
e-Mail: diakonie@diakonie.de
http://aktuell.evangelisch.de/artikel/3119/diakonie-kaempft-mit-millionenloch?destination=node/3119
Sehr geehrter Herr Stockmeier!
Im Blog des Pfarrers im Ruhestand Dierk Schäfer aus Bad Boll – übrigens ein Rebell wider die Kirchenleitung in Sachen „Aufarbeitung der Gewalt an Heimkindern in den drei Nachkriegsjahrzehnten“; – fand ich einen Eintrag über ein Millionenloch des Diakonischen Werkes.
http://dierkschaefer.wordpress.com/2012/06/03/die-heimkinder-sind-unser-ungluck/
Fast war ich gewillt, in Tränen auszubrechen, zumal diese nervenden Heimkinder diesen drohenden Konkurs mit verursacht haben. So las ich in einer Pressemeldung von „evenagelisch.de“: „Auch hohe Reisekosten wegen der zwei Standorte Berlin und Stuttgart sowie die Einzahlung in den Heimkinderfonds hätten den Haushalt zusätzlich belastet, sagte Burbach-Tasso dem Evangelischer Pressedienst (epd). Nun solle in der Diakonie bei Personal- und Sachkosten gespart werden, berichtete die "Stuttgarter Zeitung" (Samstagsausgabe).“
http://aktuell.evangelisch.de/artikel/3119/diakonie-kaempft-mit-millionenloch?destination=node/3119
Um Himmels willen, sehr geehrter Herr Stockmeier, bitte sparen Sie nicht bei den Personalkosten! Nicht, dass es Ihrem Haus genauso geht, wie den vielen hunderttausend geschundenen Kindern und Jugendlichen, die aufgrund fehlenden und unqualifizierten Personals Ihrer Einrichtungen in den drei Nachkriegsjahrzehnten mehrfach die Hölle erleben mussten. Nieten in der obersten Diakonieführung mangels Stellenbesetzung und qualifiziertem Personal wären nun wirklich der Untergang der Diakonie.
Ihre Pressesprecherin führt ein Thema an, das mir normalem Stammstischbürger schon lange die Wut in die Feder treibt. Was wollen die Heimkinder überhaupt? Sind das alles Schnorrer, die unsere arme Evangelische Kirche, die mit ihrer Diakonie doch Segenreiches über die deutschen Bürger gebracht hat, ausnehmen wollen, wie eine Weihnachtsgans? Wo wären die Kinder und Jugendlichen denn hingekommen?
Jetzt mokieren sich viele Heimkinder über das bisschen Hausarbeit und schwadronieren von Zwangsarbeit. Und dafür wollen die auch noch Geld! Ihr Vorgänger hat dazu in der Sendung „Frontal“ vom 22. April 2008 gesagt: „Zwangsarbeit wäre ja so etwas wie eine systematische Situation. Den Vergleich mit der Zwangsarbeit, den sehen wir nicht gegeben. Es war damals zu diesem Zeitpunkt völlig üblich, dass auch die Kinder auf Bauernhöfen mitgearbeitet haben, mit zum Erwerb der Familie beigetragen haben. Und so haben die Kinder, die in den Heimen gelebt haben, mitgeholfen, zum Unterhalt der Heime beizutragen. Also Zwangsarbeit ist etwas, was wir da überhaupt nicht als eine Parallele ansehen.“
http://helmutjacob.over-blog.de/article-31105190.html
Hin und wieder gab’s mal ein paar hinter die Ohren. Aber dies als Gewalt zu bezeichnen, ist das nicht wirklich übertrieben? Manchmal hetzte der „Hausvater“ eines Erziehungsheimes seinen Schäferhund auf die Zöglinge. Aber wie will man diese Bande anders in den Griff kriegen? Da waren die Besinnungszellen genau der Ort, wo man ihnen wieder Anstand und Moral beigebracht hat.
Naja, es fanden auch anale und orale Vergewaltigungen statt, wie beispielsweise eine im Buch „’Als wären wir zur Strafe hier’: Gewalt gegen Menschen mit geistiger Behinderung - der Wittekindshof in den 1950er und 1960er Jahren“ geschildert.
http://www.amazon.de/Als-w%C3%A4ren-Strafe-hier-Wittekindshof/dp/3895348996
Aber im Geleitwort zum Buch hat der Leiter der „Diakonischen Stiftung Wittekindshof“ doch auch mahnende Worte gefunden: „Dabei ist allerdings zu beachten, dass Menschen mit Behinderungen nun immerhin in ihren elementarsten Lebensbedürfnissen versorgt wurden, während sie noch wenige Jahre zuvor in der NS-Zeit in staatliche Einrichtungen verlegt und dort in großem Umfang getötet oder dem Sterben überlassen wurden. ... Insofern handelt es sich bei der Behindertenhilfe der 1950er und 60er Jahre trotz aller problematischen Seiten auch um eine elementare Leistung der Hilfe zum Leben, die zunächst einmal grundsätzlich gewürdigt werden sollte.“
Stimmt, sehr geehrter Herr Stockmeier. Die Würdigung der Tatsache, dass wir einige Jahre vorher noch weggespritzt oder vergast worden wären und nun nur noch zusammengeschlagen, psychisch und sexuell missbraucht wurden, kommt mir doch sehr zu kurz.
Schließlich haben Sie sich, zusammen mit Nikolaus Schneider, nun wirklich bis zur Erniedrigung für die paar Sündchen, die im Eifer des Gefechtes an der Front passiert sind, entschuldigt. Ich füge Ihre, zusammen mit anderen Entschuldigungen, als Link an:
Und außerdem: Heute ist alles anders, heute ist alles besser, wir müssen den Blick nach vorn richten. Schließlich steht jetzt der Mensch im Mittelpunkt der Diakonie und ihrer angeschlossenen Einrichtungen. Hier einige ihrer Leitbilder:
http://www.esv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=18&Itemid=30
http://www.alsterdorf.de/ueber-uns-leitbild.html
http://www.neuerkerode.de/unser-konzept/die-stiftung.html
Die Heimkinder sollen sich mal nicht so haben; vor 60 Jahren drohte ihnen noch wirkliche Gefahr von der Kirche. Der sehr verehrte Pastor Friedrich von Bodelschwingh, damaliger Leiter der bethelschen Einrichtung bei Bielefeld wörtlich: „Ich würde den Mut haben, in Gehorsam gegen Gott, die Eliminierung an anderen Leibern zu vollziehen.“
Ich jedenfalls werde nicht tränenden Auges zusehen, wie die Diakonie den Bach hinuntergeht und habe darum hiermit 10 Euro zur Rettung ihrer segensreichen Arbeit überwiesen:
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Helmut Jacob
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