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6. Mai 2009 3 06 /05 /Mai /2009 20:21
18.05.2008
Sehr geehrter Herr Präsident!

Schlagen Sie Ihre Frau? „Nein!“, werden Sie entrüstet sagen. Und das ist auch gut so, denn man schlägt keinen anderen Menschen. Allerdings muß ich Ihnen entgegenhalten: Eigentlich müssten Sie Ihre Frau jeden Tag schlagen, wenn Sie sich an Ihren eigenen Worten messen, wenn Sie glaubwürdig sein wollten.

Kommen wir zu Ihrer Glaubwürdigkeit konkret. In der Sendung „Frontal“ vom 22. April 2008 sagten Sie:
„Zwangsarbeit wäre ja so etwas wie eine systematische
Situation. Den Vergleich mit der Zwangsarbeit, den sehen
wir nicht gegeben. Es war damals zu diesem Zeitpunkt völlig
üblich, dass auch die Kinder auf Bauernhöfen mitgearbeitet
haben, mit zum Erwerb der Familie beigetragen haben. Und
so haben die Kinder, die in den Heimen gelebt haben,
mitgeholfen, zum Unterhalt der Heime beizutragen. Also
Zwangsarbeit ist etwas, was wir da überhaupt nicht als eine
Parallele ansehen.“


Arbeitet Ihre Frau nicht auch in Ihrem Haushalt? Hilft sie Ihnen nicht, zum Erwerb der Familie beizutragen, indem sie Ihnen den Rücken freihält und die Hausarbeiten erledigt, in der Küche arbeitet, dafür sorgt, dass Ihre Gäste Essen und Trinken haben und gut bewirtet sind?

Sie haben recht, die Kinder in den Heimen haben gearbeitet und zum Heimerwerb beigetragen. Der Unterschied ist allerdings ein großer: Ihre Frau arbeitet freiwillig. Die Kinder und Jugendlichen wurden gezwungen, bei Wind und Wetter z.B. Torf abzustechen. Es bedurfte nicht einmal einer Verweigerungshaltung, um sich sporadisch Schläge, psychische Brutalitäten und sexuelle Gewaltattacken einzufangen. Ich wage es gar nicht, diese Situation auf Ihren familiären Bereich zu übertragen.

Aber erkennen Sie Ihre Inkonsequenz? Wenn Sie Ihre Frau dankenswerterweise nie schlagen dafür, daß sie Ihnen hilft, dann müssten Sie Ihre Abscheu und Empörung für jeden Schlag zum Ausdruck bringen, den Kinder und Jugendliche unter Ihrem Dach und unter dem Kreuz Jesu erhalten haben. Herr Präsident, in diesem Frontal-Beitrag haben Sie Ihre Abscheu nicht artikuliert. Können Sie ermessen, was Sie mit dieser Unterlassung ihrem obersten Chef am Kreuz angetan haben?

Tun Sie Buße Herr Präsident. Verzichten Sie auf Runde Tische, an denen schwadroniert und dummes Zeug geredet wird. Stellen Sie sich an die Spitze derer, die einen Opferentschädigungsfond fordern!

Ich komme zurück auf Ihre Formulierung: „Zwangsarbeit wäre ja so etwas wie eine systematische Situation.“
Herr Präsident, wenn Ihre Frau jeden Tag in der Küche steht, Ihnen jeden Tag den Rücken freihält, Ihnen jeden Tag die Zimmer sauber hält, Ihnen jeden Tag die Hemden gebügelt hinlegt, was ist das anderes, als eine systematische Situation? Müssen Sie unter diesen Umständen nicht sogar zugeben, dass Ihre Frau eine Art Zwangsarbeit leistet? Dies nur mit einem verschmitzten Lächeln an Sie, damit Sie zukünftig überlegen, mit welchen verqueren Formulierungen Sie versuchen, Opferansprüche abzuwimmeln.

Hochachtungsvoll
Helmut Jacob

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Published by Helmut Jacob
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