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13. September 2011 2 13 /09 /September /2011 14:40

Kopf beugen und 's Maul halten! - Kritik an der Evangelische Kirche unerwünscht

 

Die Freie Arbeitsgruppe JHH 2006 bat um Redezeit während der Veranstaltung der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) und des Diakonischen Werkes (DW) am 11. September 2011. Im Rahmen einer Festveranstaltung wollten EKD-Vorsitzender Nikolaus Schneider und DW-Präsident Johannes Stockmeier die Heimkinder um Entschuldigung für das Versagen der Kirche und die Verbrechen unter ihren Dächern bitten.

Siehe hierzu:

http://helmutjacob.over-blog.de/article-evangelische-kirche-will-gegenuber-den-ehemaligen-heimkindern-um-verzeihung-bitten-81419342.html

http://helmutjacob.over-blog.de/article-dierk-schaefers-blog-statisten-gesucht-fragt-helmut-jacob-in-seinem-blog-82167781.html

http://helmutjacob.over-blog.de/article-es-macht-wutend-behinderte-heimopfer-lehnen-entschuldigung-der-evangelischen-kirche-ab-82557346.html

 

Hier das Schreiben der Freien Arbeitsgruppe JHH 2006 vom 2. August 2011 mit der Bitte um Redezeit:

Sehr geehrte Herren,

in Ihrem Schreiben vom 02. August 2011, laden Sie zu „einem gemeinsamen öffentlichen Akt am 11. September 2011, 15.00 Uhr in der Französischen Friedrichstadtkirche“ ein. Über die Evangelische Stiftung Volmarstein wurde diese Einladung auch an zwei Mitglieder der „Freien Arbeitsgruppe JHH 2006“ (FAG JHH 2006) weitergegeben. Wir teilen schon heute mit, dass die Eingeladenen an der Veranstaltung teilnehmen wollen. Aus dem Veranstaltungsplan ist ersichtlich, dass auch Opfer das Wort erhalten sollen. Darum bitten wir Sie, für Herrn Klaus Dickneite, Ostergrube 2, 33559 Hannover, Sprecher der Volmarsteiner behinderten Heimopfer - der allerdings auch in der breiten Öffentlichkeit als Sprecher der behinderten Opfer anerkannt ist - Redezeit einzuplanen und ihm das Wort im Rahmen dieser Veranstaltung zu geben. Sollte dies nicht möglich sein, informieren Sie uns bitte unter Darlegung Ihrer Entscheidungsgründe.

Des Weiteren betont die FAG JHH 2006:

Wir lehnen schon jetzt Ihre Entschuldigung ab, weil Sie an unzureichende Wiedergutmachungs-absichten geknüpft ist. Der Arbeitsgruppe reicht es nicht, eventuelle Entschädigung aus dem Opferfonds zu erhalten. Der Entschädigungsbetrag ist in der Höhe begrenzt und wird auch nur unter Bedingungen, beispielsweise des noch heute bestehenden Leidensdruckes und bei Bedürftigkeit bewilligt. Wir fordern eine Opferrente von monatlich 400 Euro bis zum Lebensende und die Absicherung eines würdigen Lebensabends, falls es zu einer erneuten Heimunterbringung kommen sollte. Sie haben nicht zu erkennen gegeben, dass Sie diese Forderungen unterstützen. Auch darum lehnen wir Ihre Entschuldigung ab. Die an vielen behinderten Volmarsteiner Klein- und Schulkindern verübten Verbrechen sind inzwischen nicht mehr strittig. Entsprechende Dokumentationen liegen Ihnen vor. Angesichts der erlebten Scheußlichkeiten sind die Forderungen unserer Arbeitsgruppe mehr als gerechtfertigt und werden von jedem Menschen mit moralischen Regungen anerkannt und unterstützt. Wir fordern Sie auf, diese Forderungen ebenfalls zu unterstützen und aktiv an der Umsetzung mitzuwirken. Erst dann können wir Ihre Entschuldigung akzeptieren.

 

Antwort der EKD und des DW durch den Archivar Michael Häusler am 5.9.2011:

... das Schreiben von Herrn Jacob vom 26.8.2011, in dem er darum bittet, dass Ihnen bei der Veranstaltung Redezeit eingeräumt wird, ging bei uns Mitte vergangener Woche ein.
Auch uns ist wichtig, dass bei der Veranstaltung alle Kinder und Jugendlichen, die in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik in Heimen lebten, also auch jene mit Behinderung, in den Blick genommen werden. Aus diesem Grund wird in der geplanten Erklärung von Kirche und Diakonie allgemein von „Kindern und Jugendlichen in Heimen“ gesprochen und diese nicht auf Heime der Jugendhilfe beschränkt. Deshalb begrüßen wir es, dass mit Ihnen und Herrn Jacob auch Betroffene aus einer evangelischen Einrichtung der Behindertenhilfe an der Veranstaltung teilnehmen werden. Umso mehr bedauern wir, dass Sie die Absicht und den Inhalt der geplanten Erklärung bereits im Voraus ablehnen – wobei uns selbstverständlich bewusst ist, dass es die persönliche Entscheidung aller Adressaten ist, ob eine Bitte um Verzeihung angenommen wird oder nicht.
Im Hinblick auf die Möglichkeit, bei der Veranstaltung das Wort zu erhalten, geht Herr Jacob in seinem Schreiben offenbar davon aus, dass mehrere Redebeiträge von Betroffenen geplant seien. Für den ersten Teil der Veranstaltung trifft dies jedoch nicht zu. Hier sind vor der Erklärung von Kirche und Diakonie lediglich zwei Wort-beiträge vorgesehen: ein Vortrag von Prof. Dr. Jähnichen und eine Stellungnahme einer Betroffenen; dabei handelt es sich um Frau Djurovic, die als Mitglied am Runden Tisch Heimerziehung selbst in einer evangelischen Einrichtung lebte.
Wir bitten deshalb um Verständnis, dass wir Ihnen nicht die Möglichkeit einräumen könne, in diesem Teil der Veranstaltung zu sprechen. Uns ist bewusst, dass niemand das Mandat besitzt, für die Gesamtheit aller ehemaligen Heimkinder zu sprechen, und die Auswahl der Rednerin deshalb nicht unumstritten sein wird. Es sind bereits von anderer Seite mehrere Wünsche an uns herangetragen worden, wer dort als Betroffener sprechen solle, die wir abschlägig beantworten mussten
Weil es notwendig ist, bei einer solchen Veranstaltung nicht nur wenigen Rednern zuzuhören, sondern Betroffene und Institutionenvertreter miteinander ins Gespräch zu bringen, schließt sich an den ersten, eher formalen Teil der Veranstaltung ein zweiter Teil für Aussprache und persönliche Begegnung an. Dabei wird es auch Ihnen möglich sein, Ihre Anliegen zur Sprache zu bringen.

Dierk Schaefers Blog

JUBILATE

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche von dierkschaefer am 9. September 2011

Martin Mitchell/Australien schreibt in seinem Kommentar:

»MICHAEL HÄUSLER war auch schon „federführender Archivar“, „DAS GEDÄCHNIS DES DIAKONISCHEN WERKES DER EVANGELISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND“, im Jahre 1998, als, als GRUNDPFEILER, in einer 6 Monate langen Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin das SACHBUCH / der AUSSTELLUNGSKATALOG »DIE MACHT DER NÄCHSTENLIEBE – Einhunderfünfzig Jahre Innere Mission 1848-1998« herausgegeben wurde, worin die nachkriegdeutsche „Fürsorgeerziehung“ und „Freiwillige Erziehungshilfe“, und die leitende unrühmliche Rolle die die INNERE MISSION / DIAKONIE darin spielte, total verschwiegen wurde.«

Selbiger Michael Häusler führt die Korrespondenz für das Versöhnungsfestival am kommenden Sonntag in Berlin. Da frage ich mich: Warum steht ausgerechnet ein Archivar in der vordersten Reihe?

Normalerweise arbeiten Archivare im Verborgenen. Sie kennen ihr Archiv und helfen beim Recherchieren. Nach außen hin treten sie nur in Erscheinung, wenn es um das Abfassen und die Gestaltung firmenspezifischer Verlautbarungen geht. Dabei treten sie normalerweise nicht in eigener Verantwortung auf, sondern die Firmenleitung hat Vorgaben gemacht und sich für die Veröffentlichung das letzte Wort vorbehalten. Das ist ein normaler Vorgang. Der Archivar ist dann sozusagen der vergangenheitsorientierte Öffentlichkeitsreferent. Wir kennen Beispiele aus der Geschichte deutscher Firmen, die es nach Jahren des Schweigens gewagt haben, ihre Archive für unabhängige Wissenschaftler zu öffnen und sie nicht in ihrer Arbeit behindert haben. Die Archivare waren bei der Recherche dieser Wissenschaftler oft eine Hilfe, weil sie wußten, wo „die Leichen“ versteckt liegen.

Ein solcher Archivar ist Herr Häusler anscheinend nicht. Was aber treibt ihn an die Front? Sind es seine Dienstherren, die lieber im Hintergrund bleiben oder ist es eigener Eifer, weil er sich dermaßen mit seiner Institution identifiziert, daß er nicht nur das Image der Firma, sondern auch ihre Kasse schützen will?

Ich weiß es nicht.

Aber was könnte zum „Vorschwein“ kommen (um eine berühmte Freud’sche Fehlleistung zu zitieren)? Man muß bedenken, daß das Diakonische Werk der EKD nur der Dachverband der Diakonischen Werke der einzelnen evangelischen Landeskirchen ist. Diese wiederum sind nur der Dachverband der Diakonischen Einrichtungen innerhalb einer Landeskirche, soweit diese Einrichtungen Mitglied im Diakonischen Werk ihrer Landeskirche sind. Mancher Schachtelkonzern könnte ob dieses Wirrwarrs, der nicht der einzige ist, vor Neid erblassen. Doch was könnte das für die Archive bedeuten?

Wohl kein Heim hat die Verbrechen und groben Mißhandlungen aktenkundig gemacht. Erst wenn das Dienstrecht, und damit also ein Mitarbeiter tangiert war, dürfte es zu protokollierten Vorgängen gekommen sein. Es ist unwahrscheinlich, daß solche Notizen den Weg ins Archiv des Diakonischen Werkes der zuständigen Landeskirche gefunden haben, geschweige denn, in das vom DW/EKD, schließlich verfolgen all diese Einrichtungen (in Grenzen) ihre eigene Politik. Es ist insofern nicht erstaunlich, daß die Festschrift »Die Macht der Nächstenliebe – Einhunderfünfzig Jahre Innere Mission 1848-1998« nicht auf die Vorgänge in den Heimen eingeht, denn im Archiv lagern in diesem Zusammenhang mutmaßlich und hauptsächlich die Festschriften all dieser Einrichtungen, die in der Struktur zwar nachgeordnet, dennoch aber unabhängig sind. Wie ich hörte war man jedoch erstaunt, daß zum Jubeljahr die Diakonie nicht stärker am Vorbild vom Gründervater Wichern gekratzt wurde.

Was aber sicherlich im Archiv vorhanden und nicht veröffentlicht ist, dürfte der Ge- und Mißbrauch der Nächstenliebe sein. Die Geschäftspolitik wird in den Top-Etagen immer wieder Thema gewesen sein.

  • Welchen Einfluß nimmt wer auf welche politischen Mandatsträger?
  • Wie können wir expandieren, auch wenn wir offiziell keine Gewinne machen dürfen?
  • Wo müssen wir uns mit der Konkurrenz im gemeinsamen Interesse abstimmen?
  • Wie können wir uns trotzdem profilieren?
  • Wie schalten wir die Gewerkschaften aus?
  • Wie halten wir uns die Landeskirche auf Distanz?
  • Wie kommen wir zu öffentlichen Zuschüssen?
  • Wie verhandeln wir mit den Krankenkassen?
  • Wie soll unsere Öffentlichkeitsarbeit sein und wie verkaufen wir das Elend auf der Welt, damit möglichst viele Spenden reinkommen?

Ich will nicht unterstellen, daß die Spenden zweckentfremdet werden. Fälle wie der ehemalige Augsburger Bischof Mixa dürften die Ausnahme sein. Aber mit der Größe und Bedeutung der Organisation wächst auch die Zahl der Posten, wachsen auch die Gehälter – in den obersten Etagen.

Ich will auch nicht unterstellen, daß die Gründerväter und –mütter dieser Einrichtungen solche Entwicklungen bedacht haben. Doch auf dem Sozial- wie auf dem Spendenmarkt sehen wir zuweilen diesen Mechanismus, und zwar nicht nur bei religiösen Organisationen: Man gründe einen Idealverein mit humanitären Zielen. Man lasse ihn so groß werden, daß er zumindest im lokalen Rahmen an öffentliche Aufträge und Unterstützung kommt und man aktiviere mitfühlende Menschen zu Spenden oder ehrenamtlichen Aufgaben. Man professionalisiere schließlich die Öffentlichkeitsarbeit und halte die Ausgaben möglichst niedrig.

Manchmal fällt es aber auf, wie im Fall der Berliner Altenpflegerin.

Aber wer wird seine egoistischen Absichten enttarnen und öffentlich Fehler, Verstöße oder gar Verbrechen auf seiner Web-Seite bekennen?

Ein Archivar hat dienende Funktion. Er kann oft nicht so, wie er sich berufsethisch sauber verhalten müßte. Es muß Jubelunterlagen liefern, wenn sie vorhanden und gefragt sind. Aber er muß sich nicht zum Lügenbaron machen (lassen). Hat Herr Häusler ja auch nicht. Er sagt nur nicht alles, was er sagen könnte – darf er ja wohl auch nicht.

Vielleicht befolgt Herr Häusler auch nur die alte juristische Regel: Quod non est in actu, non est in mundo. Was nicht in den Akten steht, das gibt es auch nicht.

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Published by Helmut Jacob
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