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26. August 2011 5 26 /08 /August /2011 17:18

JHH-Schrift 

 

Ort des Grauens - Das Johanna-Helenen-Heim zwischen 1945 und 1967

 

„Es macht wütend, wenn es wieder nur bei den üblichen Entschuldigungen bleibt und nichts im Hinblick auf Wiedergutmachung geschieht.“ So Ehepaar Flügge, Mitglieder der „Freien Arbeitsgruppe JHH 2006“ zum Einladungsschreiben des Diakonischen Werkes und der Evangelischen Kirche Deutschland. Christel Flügge war in den 60er Jahren Diakonische Helferin im Johanna-Helenen-Heim, in dem nach dem Krieg bis 1969 behinderte Klein- und Schulkinder psychische, physische und sexuelle Gewalt erdulden mußten. Eberhard Flügge war Diakonenschüler und absolvierte sein Praktikum auf der Station für Jungen. Zusammen mit Diakon Jochen Twer haben sie versucht, das Leid der Kinder erträglicher zu machen. Auch haben sie sich immer wieder über die Gewaltexzesse bei der der Anstaltsleitung beschwert. Auf der Homepage der Arbeitsgruppe sind die Leiden der Kinder in der „Hölle von Volmarstein“ und die „Engel von Volmarstein“ dokumentiert.

Der Zorn richtet sich an die Evangelische Kirche unter dem Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider und an Diakoniepräsident Johannes Stockmeier. Beide wollen am 11. September in der Friedrichstadtkirche in Berlin eine „Bitte um Verzeihung nun öffentlich für die gesamte Evangelische Kirche und ihre Diakonie aussprechen.“ Es sei ihnen „ein Anliegen, gegenüber den ehemaligen Heimkindern um Verzeihung zu bitten.“

Die Arbeitsgruppe, die behinderte Heimopfer der Volmarsteiner Anstalten vertritt, lehnt in ihrem Antwortschreiben diese Entschuldigung schon jetzt ab,„weil sie an unzureichende Wiedergutmachungsabsichten geknüpft ist.“ Außerdem sei der Entschädigungsbetrag in der Höhe begrenzt und an Bedingungen, beispielsweise eines noch heute bestehenden Leidensdruckes und finanzieller Bedürftigkeit geknüpft. Die Gruppe fordert „eine Opferrente von monatlich 400 Euro bis zum Lebensende und die Absicherung eines würdigen Lebensabends, falls es zu einer erneuten Heimunterbringung kommen sollte.“ Die Evangelische Kirche und ihre Diakonie hätten nicht zu erkennen gegeben, daß sie die Forderungen der behinderten Heimopfer unterstützen. Die neunköpfige Gruppe weiter im Brief an die Veranstalter: „Die an vielen behinderten Volmarsteiner Klein- und Schulkindern verübten Verbrechen sind inzwischen nicht mehr strittig. Entsprechende Dokumentationen liegen Ihnen vor.“ Angesichts der erlebten Scheußlichkeiten seien ihre Forderungen mehr als gerechtfertigt „und werden von jedem Menschen mit moralischen Regungen anerkannt und unterstützt.“ Zum Schluß appellieren sie an Schneider und Stockmeier: „Wir fordern Sie auf, diese Forderungen ebenfalls zu unterstützen und aktiv an der Umsetzung mitzuwirken. Erst dann können wir Ihre Entschuldigung akzeptieren.“

 

Heimkinder, Volmarstein, Gewalt, Evangelische Kirche, Diakonisches Werk, Diakonie

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Published by Helmut Jacob
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