Man hatte ihn gebeten, sich für die Opfer in seiner Nachbargemeinde einzusetzen. Es geht um ehemalige behinderte Mädchen und Jungen, die in den Volmarsteiner Anstalten in den 50er und 60er Jahren massivster physischer, psychischer und teilweise sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Der angeschriebene Gemeindepastor sollte seinen Kollegen aus der heutigen Evangelischen Stiftung Volmarstein auffordern, endlich seiner Verpflichtung zur Zahlung von Entschädigungen nachzukommen. Die Opfer, deren Biographie großteils zerstört wurde, die heute teilweise in Armut leben, verlangen gar nicht viel. 400 Euro Opferrente bis zum Lebensende. 400 Euro für seelische Wunden, unter denen sie heute noch zu leiden haben. 400 Euro für körperliche Verletzungen, zertrümmerte Trommelfelle mit nachfolgender Schwerhörigkeit, misshandelte Körpergelenke, Sprachstörungen in Folge der Erlebnisse. 400 Euro für Zwangsarbeit im Kinderheim und unzureichende Beschulung und damit schlechte oder fehlende Berufsausbildung.
Ein halbes Jahr später erhielt der Absender des Briefes an den Dorfpastor eine Antwort. Hier der Link:
http://helmutjacob.over-blog.de/article-nix-horen-nix-sehen-nix-mutig-schreiben-die-antwort-des-pastors-91066287.html
Eine Formulierung muss man langsam lesen, um sie in ihrer skandalösen Tragweite zu verstehen: „Eine Kampagne, wie Sie sie beschreiben, als Pfarrerschaft Protest zu formulieren, halte ich für schwierig. Dazu fehlt uns zuviel: Information, Zeit, persönliche Betroffenheit, Einigkeit.“ Kurz gefasst, die Kapitulation des Dorfpastors: Es fehlt ihm die persönliche Betroffenheit; es fehlt an der Einigkeit unter den Pfarrern.
Was würde Jesus dazu sagen? Er pfiff auf die Meinung seiner Umwelt und brachte soviel Mut auf, dass er - will man der Bibel glauben - im Alleingang Händler und Geldwechsler aus dem Jerusalemer Tempel verjagte.
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