http://www.christuskirche-bochum.de/2011/11/antje-vollmer-margot-kasmann/#more-4261
Wessel: "So sehe ich auch den Konsens, den der RTH erbracht hat: dass, pauschal formuliert, die Gesellschaft begriffen hat, das es ihr eigenes Interesse ist, ihr eigenes Unrecht zu erkennen und anzuerkennen. Und ein Interesse zu haben, ist keine moralische Kategorie, sondern die politische."
Heidi Dettinger (VeH):
»»» @ Herr Wessel, offensichtlich meinen Sie auf die Beantwortung jeder Frage verzichten zu können, die Ihnen nicht passt und andere grad so hinbiegen zu dürfen, wie es Ihnen passt. Das ist bedauerlich und entspricht nicht einem Diskussionsstil den ich bevorzugen würde.
Dennoch — sozusagen als 2. Chance: Antje Vollmer wird nicht in erster Linie für das kritisiert, was beim RTH [ RUNDEN TISCH HEIMERZIEHUNG ] herausgekommen ist (obwohl das durchaus möglich wäre/ist), sondern für die Art und Weise, wie sie an die Verhandlungen herangegangen ist.
Kritisiert — und von Ihnen mit einem Preis bedacht — wird, um das mal ganz deutlich zu sagen:
● Ihre Arroganz und Abgrenzung den Überlebenden gegenüber.
● Ihr unsolidarisches Verhalten denen gegenüber, FÜR die sie angetreten ist.
● Die Unwahrheiten, mit denen sie die HeimkindervertreterInnen am RTH manipuliert hat.
Kritisiert wird ebenso, dass sie von Anfang an einen Scheinkonsens herbeizuführen bemüht war, bei dem die Überlebenden wieder einmal die Verlierer sein mussten!
Die [ Ihrerseitige ] FINDUNGSKOMMISSION scheint diese kleinen Unschönheiten übersehen zu haben. Sie hat — theoretisch — die Möglichkeit, dies zu korrigieren. Sie wird es nicht tun, dass ist auch mir klar.
Aber weder die KOMMISSION, noch Sie als Person noch Ihre KIRCHE ALS INSTITUTION sollten sich wundern, dass Ihre Glaubwürdigkeit weiter schrumpft und Ihre Kirchen immer leerer werden.
Wieviele von „denen da unten“, ehemaligen Heimkindern nämlich, die erst von VertreterInnen Ihrer INSTITUTION geschunden und gequält wurden und sich heute wieder einmal von einer Ihrer Vertreterinnen über den Tisch gezogen fühlen, werden weiterhin Mitglied bleiben? Ich kenne, ehrlich gesagt keinen…
Aber feiern Sie nur schön! Jeder einzelne Überlebende evangelischer, diakonischer Heimhöllen wird sich daran erinnern, dass Antje Vollmer 5.000 Euro für etwas bekommen hat, das uns alle auf herbeste enttäuscht hat, wenn er oder sie selber ihre mickrigen Cents [ an 'Entschädigung' ] einstreichen… wenn überhaupt. «««
Guten Abend, Frau Dettinger,
hatte ich gestern bereits gesagt: Beschimpfungen und derart pauschale Behauptungen wie Ihre kommen nicht auf unsere Seite. Erst recht nicht, wenn Sie sich nicht für das Thema interessieren, um das es hier geht.
Mit besten Grüßen
Thomas Wessel
Helmut Jacob | Geschrieben am 4. November 2011 um 20:24
Ihr Kommentar muss noch moderiert werden.
Sehr geehrter Herr Wessel!
Es ist Ihr gutes Recht, Frau Vollmer zu verteidigen. Nur — bevor Sie dies so vehement tun, sollten Sie sich informieren. Zusammengefasst kann ich aus 5 Jahren Beobachtung des Umgangs mit den Verbrechen an Säuglingen, Schulkindern, behinderten Kindern, Jugendlichen und in die Psychiatrie Zwangseingewiesenen sagen: Das wahre Schicksal dieser Opfer aus 3 Nachkriegsjahrzehnten wurde auch am Runden Tisch Vollmer nicht aufgearbeitet. Im Gegenteil: Ohne Grund hat die Theologin (und das muss immer wieder betont werden, weil sie auch dem Anspruch einer Theologin gerecht werden müsste und quasi ihrem Dienstherrn am Kreuz verpflichtet ist) allen diesen Gruppen ein Sprachrohr am RTH verweigert. Aber nicht nur das. Frau Vollmer hat den RTH nicht nur moderiert, sondern ihn — man muss schon sagen — permanent manipuliert. Sie hat Fakten — beispielsweise in Sachen Abfindung der jüdischen Zwangsarbeiter — nicht berücksichtigt. Sie hat Begriffe umgebogen, bis sie ihr und den Täterseiten ins Konzept passten, sie hat ein Ungleichgewicht der Kräfte am Runden Tisch mit der Verweigerung eines Opferanwaltes unterstützt. Sie hat einen groben Keil in die Opfergruppe geschlagen. Sie war zumindest dabei, als die Opfervertreter zur Abstimmung des Schlussberichtes erpresst wurden. Antje Vollmer hat eine Spur der Verwüstung in vielen Heimkinderseelen gezogen. Ich biete Ihnen an, einfach die Links unter meinem Protestbrief anzuklicken. Hier finden Sie nicht nur mein subjektives Empfinden wieder, sondern die ungeschönte Wahrheit. Frau Vollmer mag den Preis, wofür auch immer, verdient haben. Für ihre Arbeit am Runden Tisch und für einen angeblich erzielten Konsens mit Sicherheit nicht. Mit diesem Preis hauen die Preisverleiher den Opfern zusätzlich um die Ohren. Der Umgang mit dieser Vergangenheit ist eine weitere Misshandlung der Opfer. Dabei spielt auch Ihre Kirche eine unrühmliche Rolle.
Herzlichst
Ihr
Helmut Jacob
http://helmutjacob.over-blog.de/article-verleihung-des-hans-ehrenberg-preises-an-antje-vollmer-ich-protestiere-87855189.html„
04.11.2011 22:37
Sehr geehrter Herr Jacob,
ich kann Ihren Kommentar nicht freischalten, er besteht aus Pauschal-Behauptungen, die ich beim besten Willen nicht als Diskussionbeitrag ventilieren kann. Niemand hätte irgendeine Chance - zumal es hier nicht einmal Thema ist - Ihre Behauptungen Punkt für Punkt durchzugehen. Sie beziehen sich ja eben nicht auf das, was wir geschrieben haben, sondern auf einen Aufhänger, den Sie in der WAZ gelesen haben.
Ich würde - auch im Stil - sehr gerne weiter kommen in einer Diskussion, von der, soweit ich sehe, niemand behauptet, dass sie abgeschlossen sei. Auch deshalb dieser Preis, weil Sie mit diesem Satz nun wirklich Recht haben: dass das wahre Schicksal der Opfer nicht aufgearbeitet worden ist. Nehmen Sie doch bitte zur Kenntnis, warum es den Hans-Ehrenberg-Preis überhaupt gibt: nicht für Eierkuchen, sondern für das, was zu tun ist.
Mit zunehmend herzlichen Grüßen
Thomas Wessel
Veröffentlicht in Hans-Ehrenberg-Gesellschaft, heimkinder, Kirche, Politik, Theologie von dierkschaefer am 5. November 2011
Er ist in einer schwierigen Situation. Einerseits hat er etwas gegen Monarchien, sitzt aber wie ein Monarch als Moderator am Hebel der Freischaltung von Kommentaren. Proprietäre Web-Seiten und Foren sind nun einmal nicht demokratisch strukturiert, das ginge wohl auch gar nicht. Man kommt als Moderator dann sehr leicht in die Bredouille. Im life-stream auf einer Tagung zum Beispiel ist das noch viel schwieriger. Ich kenne das.
Herr Wessel hat aber noch ein anderes Problem. Er muß eine Entscheidung vertreten, die wohl nicht er, sondern die Findungskommission getroffen hat. Die aber hat übersehen, daß sie mit der diesjährigen Preisverleihung auf das falsche Pferd gesetzt hat – Frau Vollmer verzeihe mir diesen Vergleich.
Warum verleiht man einen Preis? Vor sehr vielen Jahren schlug ein Mitglied der Fakultät der Evangelischen Theologie/Universität Tübingen seiner Fakultät vor, Thomas Mann einen Ehrendoktor zu verleihen. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Der Josephsroman von Thomas Mann sei zwar ganz schön, aber doch nicht auf dem neuesten Stand der theologischen Forschung. Die Herren Professoren hatten nicht kapiert, daß sie sich mit Thomas Mann hätten schmücken können – und nicht umgekehrt.
Nun ist Frau Vollmer gerade kein Schmuckstück für die Hans-Ehrenberg-Gesellschaft. Der Protest der Ohnmächtigen, die die große Konsens-Schmiedin hinterlassen hat, und der nun auch auf der Web-Seite der Christuskirche dokumentiert ist, erzeugt Peinlichkeit. Man könnte der Situation offen begegnen – was Herr Wessel immerhin versucht hat.
Doch Offenheit reicht nicht. Die Konsequenz wäre ein Zurück bei der Preisverleihung. Doch das geht nicht. Also: Augen zu und durch! Das entspricht auch der Moderationsleistung von Frau Vollmer.
Bei Frau Vollmer trugen den Schaden die ehemaligen Heimkinder, doch „die da unten“ kennen das ja auch nicht anders.
Hier trägt den Schaden das Andenken an einen vorbildlichen Theologen: Hans Ehrenberg.
Übrigens: Ein Kommentar von mir wartet auch noch auf Freischaltung durch Herrn Wessel. Vielleicht kommt die ja noch. Ansonsten geht es hier im Blog weiter.
Oerni Geschrieben am 4. November 2011 um 22:27 (Auszug)
Nun, ich sehe es nicht als eine Selbstverständlichkeit, diesen Auftrag ausschließlich in einem politischen Kontext gesetzt zu haben, und Frau Vollmer hatte mit ihrer Aussage, „eine kleine Wahrheitskommission sein zu wollen“, auch die moralische Seite mit ins Spiel gebracht. Natürlich zu recht, denn schließlich sind die Kirchen doch auch die Verfechter der Morallehre und es ist ihnen ein vertrautes Terrain. Den Spagat der moralischen und politischen Ebene zu machen, hat Frau Vollmer nicht gewagt, denn sie hat zu einem frühen Zeitpunkt eine Aussage gemacht, die ahnen ließ, dass eine Aufarbeitung unter diesen Gesichtspunkt nicht wirklich stattfinden kann. Diese Aussage bezog sich auf die Entschädigungsfrage, und so meinte sie dann auch, dass andere Opfergruppen wie die der NS-Zwangsarbeiter nicht brüskiert werden dürfen. Damit war klar, wohin die Reise geht und dass die Aufarbeitung kein offener Prozess mehr sein darf, denn der hätte zutage bringen können, dass doch die Heimerziehung ein systematisches Unrecht war und auch die Menschenrechte eklatant verletzt worden sind. Es hätte dieser Kommission, die sich entschieden hat, Frau Vollmer den Ehrenpreis zu geben, gut getan, sich einmal ausführlich mit den Aussagen, die Frau Vollmer in ihrer 2jährigen Arbeitszeit des Runden Tisches gemacht hat, näher zu beschäftigen und diese zu überprüfen. Frau Vollmer hat sich verdient gemacht für diesen Staat und für die beiden Kirchen, aber nicht für die Demokratie und für die Moral, denn sie hat sich für die politische Lösung entschieden, und die Wahrheit blieb auf der Strecke. Ja, sie hat als Politikerin agiert, aber ihre Rolle sollte doch die einer Moderatorin sein oder?
Oerni, ehemaliges Heimkind
(Fettdruck durch Blogmaster)
„Wut und Traurigkeit“
Mit Genehmigung zitiere ich aus einer E-Mail von Erika Bach:
„...daß ich noch nicht geantwortet habe auf deine letzte Mail, ist sicher nicht ein Desinteresse, sondern eine große Wut und Traurigkeit. Ich finde es ungeheuerlich, was die Herren sich da haben einfallen lassen. Abgesehen von der massiven Ohrfeige, die alle Betroffenen bekommen haben, ist es eine unbeschreibliche Geschmacklosigkeit, den ehemaligen Juden und Christ zu benutzen. Der Hans-Ehrenberg-Preis hat sicher eine andere Klientel im Auge als eine solche Frau für diese Arbeit zu ehren. Das ganze ist ungeheuerlich und ohrfeigt nicht nur Euch, sondern auch den Stifter des Preises.“
Erika Bach und ihr späterer behinderter Ehemann Dr. Ulrich Bach, ausgewiesener Experte in Sachen Diakonie, lebten viele Jahre in Bochum. Beide hatten in ihrer Verwandtschaft Pfarrer, die Hans Ehrenberg und sein Schicksal kannten.