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3. November 2011 4 03 /11 /November /2011 00:07

Verleihung des Hans-Ehrenberg-Preises an Antje Vollmer - Ich protestiere

 

Für ihren "Einsatz beim „Runden Tisch Heimerziehung“, wo frühere Heimkinder als Opfer von Misshandlungen Rechte gegenüber Vertretern vom Heimträgern geltend machen konnten." soll sie geehrt werden und besonders darum: "Antje Vollmer habe als Vorsitzende entscheidend zum Konsens beigetragen"

http://www.derwesten.de/staedte/bochum/antje-vollmer-erhaelt-den-hans-ehrenberg-preis-2011-id6036220.html

 

Ich protestiere!

 

Ev. Kirchenkreis Bochum
Superintendent Peter Scheffler
Westring 26 a, - 44787 Bochum
Peter.Scheffler@kk-ekvw.de
Evangelische Kirche von Westfalen, Landeskirchenamt –
Altstädter Kirchplatz 5 – 33602 Bielefeld
Albert Henz, theologischer Vizepräsident
Präses Alfred Buß.
Landeskirchenamt@lka.ekvw.de
Sekretariat_TheolVpr@lka.ekvw.de

 

Den Mitgliedern der Kirchenleitung mit der Bitte um Zustellung:

Doris Damke Oberkirchenrätin, Bielefeld

Sekretariat_DG1@lka.ekvw.de

Petra Wallmann Oberkirchenrätin, Bielefeld

sigrid.behrend@lka.ekvw.de

Dr. Ulrich Möller Oberkirchenrat, Bielefeld

Sekretariat_DG1@lka.ekvw.de

Dr. Arne Kupke Oberkirchenrat, Bielefeld

Sekretariat_DG6@lka.ekvw.de

Klaus Winterhoff Juristischer Vizepräsident, Bielefeld

Sekretariat_TheolVpr@lka.ekvw.de

Sigrid Beer NRW-Landtagsabgeordnete, Paderborn

sigrid.beer@landtag.nrw.de

Birgit Worms-Nigmann Pfarrerin, Dortmund

birgit.worms-nigmann@lydia-do.de

Peter Burkowski Superintendent, Recklinghausen

RE-KK-Kreiskirchenamt@kk-ekvw.de

Alfred Drost Prokurist/Personalleiter a. D., Dortmund

Gerd Kerl Pfarrer, Leiter des Instituts für Aus-, Fort- und Weiterbildung der EKvW, Dortmund,

institut-afw@institut-afw.de

Friedhelm Knipp Diplom-Ingenieur a. D., Kreuztal,

Christa Kronshage Familienfrau, Bielefeld

Anne Rabenschlag Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes in Dortmund

Uwe Wacker Enger, Richter am Sozialgericht Detmold

Dr. Manfred Scholle Dortmund, Vorstandsvorsitzender der Gelsenwasser AG

Renate Philipp Schulleiterin der ev. Uhland-Grundschule in Gladbeck

Prof. Dr. Traugott Jähnichen Ruhr-Universität Bochum
traugott.jaehnichen(@)rub.de

Prof. Dr. Margot Käßmann
buero@margotkaessmann.de
 

Dr.Antje Vollmer

info@antje-vollmer.de 

Verleihung des Hans-Ehrenberg-Preises am 22. November 2011 an Frau Antje Vollmer

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

gegen die Auszeichnung mit dem Hans-Ehrenberg-Preis an Frau Antje Vollmer lege ich begründeten Protest ein. Frau Vollmer soll nach mir vorliegenden Pressemitteilungen ausgezeichnet werden für „den Einsatz beim ‚Runden Tisch Heimerziehung’, wo frühere Heimkinder als Opfer von Misshandlungen Rechte gegenüber Vertretern vom Heimträgern geltend machen konnten. Antje Vollmer habe als Vorsitzende entscheidend zum Konsens beigetragen: Es wurde ein Fonds mit 120 Millionen Euro gegründet, der Abschlussbericht erfolgte Anfang 2011.“

 

Dieser Auszeichnungsgrund macht mich fassungslos. Keine andere Person, als Frau Antje Vollmer, hat es bewirkt, die Gruppe der Heimopfer zu spalten. Sie hat nach unserem Empfinden die Heimopfer betrogen, ihnen belegbar Wahrheiten vorenthalten und dazu beigetragen, dass der Abschlussbericht ihres Runden Tisches manipuliert und durch Androhung von Verweigerung irgendwelcher Leistungen durchgeboxt wurde. Dabei behauptete sie noch, dass eine einstimmige Verabschiedung stattgefunden habe, obwohl ein Opfervertreter diesen Abschlussbericht mit seinen Empfehlungen nachweislich abgelehnt hat und fast alle anderen Opfervertreter sich wenige Tage später davon distanziert haben. Selbst der von ihr besonders geschätzte Dr. Hans-Siegfried Wiegand unterstützt nun die Forderungen nach einer Opferrente.

 

In einer Mitteilung des Humanistischen Pressedienstes (hpd) ist 4 Wochen nach der Pressekonferenz zum RTH-Abschlußberichte zu lesen: „Vier der sechs ehemaligen Heimkinder, die am Runden Tisch Heimerziehung (R.T.H.) die Anzahl von ca. 750.000 bis 800.000 Kinder und Jugendlichen zu vertreten hatten, schlossen sich erneut zusammen. Ihre Forderung ist erneut und wie in der letzten Sitzung R.T.H. gestellt: Pauschaler Folgenausgleich in Höhe einer monatlichen Rente von 300,- Euro, die anrechungsfrei auf alle anderen sozialen Leistungen sein muss, oder wahlweise eine Einmalzahlung von 54 000,- Euro. Am 19. Januar 2011 wandten sich die ehemaligen Heimkinder direkt an den Bundestagspräsidenten, die Abgeordneten und allen Anwesenden mit der Bitte, einen finanziellen Ausgleich ernst zu nehmen und umzusetzen.“  Wo, sehr geehrte Damen und Herren, sehen Sie diesen Konsens, für den Frau Vollmer geehrt werden soll?

 

Frau Vollmer hat bewusst Fakten unter den Tisch fallen lassen, um die Empfehlungen ihres Runden Tisches nach ihrem Wunsch und wahrscheinlich nach dem Wunsch der Täterseiten gestalten zu können. So hat sie beispielsweise Rentenleistungen an Zwangsarbeiter nach dem zweiten Weltkrieg - die in den zweistelligen Tausenderbereich gingen - und Entschädigungsleistungen, die der damalige Rechtsanwalt Michael Witti für seine Mandanten erstritten hat, verschwiegen. Sie argumentierte, dass Entschädigungsleistungen der Heimopfer nicht höher als die von Zwangsarbeitern sein dürfen, um diese Gruppe nicht zu brüskieren.

Frau Vollmer hat nach unserem Empfinden Begriffsverbiegungen vorgenommen. So verwies sie den Begriff Zwangsarbeit in den Bereich der Kriegszwangsarbeit, obwohl das Grundgesetz selbst diese Einengung des Begriffes nicht vorsieht. Damit hat sie die Zwangsarbeiten in den Heimen, ohne die wohl die meisten Heime in den zwei Nachkriegsjahrzehnten nicht hätten funktionieren können, schöngeredet.

 

Frau Vollmer hat belegbar gute Berater gehabt, die auf der Seite der Opfer stehen. Prof. Manfred Kappeler, ein renomierter Erziehungswissenschaftler, und der evangelische Theologe im Ruhestand Dierk Schäfer aus Bad Boll haben ihre Konzepte zum Umgang mit der Vergangenheit dieser hunderttausenden Heimopfer erarbeitet. Diese Konzepte hat sie schlichtweg nicht nur ignoriert; diese Ausarbeitungen sind in dem Abschlussbericht nicht zu finden. Und damit hat Frau Vollmer auch gegen ihre Aufgabe der Information der Heimkinder verstoßen.

 

Frau Vollmer wurde bereits anlässlich der Vorstellung des Zwischenberichtes von Opfern, von ihren Opferanwälten und von der Presse heftig kritisiert. Daraus ist nicht etwa ein Lernprozess in Gang gesetzt worden, sondern sie ist unbeirrt ihren Weg als Vertreterin der Täterseite (anders kann man die Empfehlungen im Abschlussbericht nicht deuten) durchmarschiert. Die Täterseite feiert sie, weil Frau Vollmer zur Schadensbegrenzung einen erheblichen Beitrag geleistet hat.

 

Sie genießt unter vielen Heimopfern einen schlechten Ruf, ist teilweise gar verhasst. Sie hat mit ihren Äußerungen und den offensichtlichen Manipulationen am RTH einen Keil in die große Gruppe der Heimopfer geschlagen und trennt damit jene armen oder überforderten Opfer - die mit dem Aufarbeitungsprozess am RTH nichts anfangen, ihn teils nicht verstehen  konnten, aber auf jeden Cent angewiesen sind – von vielen anderen Opfern, die sich über den Tisch gezogen fühlen. Die Erstgenannten wollen verständlicherweise versuchen, wenigstens die Küchenabfälle des Runden Tisches zu ergattern und verstehen bis jetzt noch nicht, dass selbst die empfohlenen Leistungen an Voraussetzungen gebunden sind. Es ist abzusehen, dass die Opfer sich erneut seelisch entblößen müssen, um wenigstens Therapien zu erhalten. Die damit verbundene Gefahr von Retraumatisierungen wird wahrscheinlich billigend in Kauf genommen.

Diesen Opfern stehen solche gegenüber, die nach einer Zeit des Wartens auf eine überzeugende Entschuldigung mit überzeugenden Wiedergutmachungsbemühungen nunmehr auf Entschuldigungsfloskeln verzichten und eine Opferrente von 300 Euro einfordern. Diese Gruppe wird weiter für die Umsetzung dieser Forderung kämpfen und die Almosen, die sich aus den Empfehlungen des RTH an den Bundestag ergeben, nicht annehmen. Allerdings muss betont werden, dass zwischen den beiden Gruppierungen erhebliche Spannungen bestehen, Frau Vollmer also keinesfalls zu einem Konsens unter den Heimopfern beigetragen hat.

Nicht zuletzt hat Frau Vollmer den Willen der Opfer missachtet. In zwei Internetabstimmungen haben sie sich mit über 90 % gegen die Empfehlungen des RTH und für eine Opferrente ausgesprochen. Dieses Abstimmungsergebnis wird von Frau Vollmer ignoriert. Es ist festzustellen, dass Frau Vollmer gegen die Interessen der Heimopfer gearbeitet haben muss, sonst wäre ein anderes RTH-Ergebnis zustande gekommen.

Ein schlimmer Skandal ist auch die ungleiche Besetzung des RTH. Drei Opfervertretern mit drei Stellvertretern saßen etwa 17 teils Volljuristen gegenüber. Ihnen wurde anwaltlicher Beistand verweigert. Behinderte Opfervertreter und Vertreter von Opfern, die zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen wurden, fanden keinen Zugang zum RTH. Die misshandelten Heimsäuglinge finden bis heute keine Öffentlichkeit. Die Theologin Vollmer hätte diesem Missstand unbürokratisch und mit etwas Courage ein Ende setzen können. Übrigens hat sie es auch zugelassen, dass die Kosten für die Ausgestaltung des RTH um fast die Hälfte gekürzt wurden. Damit war es den Opfervertretern verwehrt, eigene Expertisen einzuholen.

 

Mit ihrem Wirken (dies ist mein Empfinden nach fünf Jahren Beschäftigung mit dem Thema „Heimkinder in der Nachkriegszeit“) hat Frau Vollmer dem Namensgeber dieser Auszeichnung mitten ins Gesicht geschlagen. Über Ehrenberg ist zu lesen: „... war einer der wenigen deutschen evangelischen Theologen auch innerhalb der Bekennenden Kirche, die sich deutlich und öffentlich gegen den Antisemitismus der Nationalsozialisten wandten und für Juden eintraten. Er forderte dieses auch vehement von seiner Kirche. Er kritisierte auch den christlichen Antijudaismus und betonte die Gemeinsamkeiten von Judentum und Christentum. http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Ehrenberg_%28Theologe%29 Dienstag, 1. November 2011“

Damit hat er Zivilcourage gezeigt, sich auf die Seite der Opfer gestellt. Diese Zivilcourage und die Verteidigung der berechtigten Interessen der Opfer ist bei der evangelischen Theologin Vollmer in Sachen Heimkinder nicht zu erkennen. Die meisten Opfer, die sich im Internet zu Wort melden, fühlen sich von ihr belogen und betrogen.

 

Ich werde nicht dazu beitragen können, dass diese schon jetzt skandalöse Auszeichnungsabsicht fallengelassen wird. Aber ich trage dazu bei, dass kein Empfänger dieses Briefes später einmal sagen kann: Das alles habe ich nicht gewusst. Sehr aufmerksam werde ich auch die Laudatio von Frau Margot Käßmann anhören und danach analysieren.

 

Hier noch einige Links, aus denen Sie die Leistungen der Frau Vollmer in Sachen Konsensbildung erkennen können:

http://dierkschaefer.wordpress.com/

http://gewalt-im-jhh.de/Runder_Tisch_-_Informationen_u/runder_tisch_-_informationen_u.html

http://gewalt-im-jhh.de/hp2/Runder_Tisch_Heimkinder__Vollm/runder_tisch_heimkinder__vollm.html

http://gewalt-im-jhh.de/Schafer_-_Kappeler_und_sonstig/schafer_-_kappeler_und_sonstig.html

http://gewalt-im-jhh.de/hp2/Statements_Prof__Manfred_Kappe/statements_prof__manfred_kappe.html

http://helmutjacob.over-blog.de/article-zwei-abstimmungen-heimopfer-lehnen-ergebnis-des-runden-tisches-heimerziehung-ab-70027920.html

Runder Tisch Vollmer – von allen Heimkindern verlassen: http://www.readers-edition.de/2011/06/28/runder-tisch-vollmer-von-allen-heimkindern-verlassen/

Ehemalige Heimkinder sorgten für Überraschung: http://hpd.de/node/11017

Mit freundlichen Grüßen

 

Zur Erinnerung:

"Wie kam das Abstimmungsergebnis [zu den Empfehlung des Runden Tisches Heimerziehung] zustande? Die drei „ordentlichen“ Vertreter der Heimkinderseite hatten drei persönlich zugeordnete Stellvertreter bekommen. Diese waren zwar redeberechtigt, was ihnen aber anscheinend nicht gleich gesagt wurde. Stimmberechtigt waren sie jedoch nur bei Nichtanwesenheit dessen, den sie zu vertreten hatten. Folgerichtig gab es also immer nur drei Heimkinderstimmen. Zur Absegnung des Schlußberichts sollten auch die Stellvertreter plötzlich stimmberechtigt sein; die Heimkinder hätten also sechs Stimmen gehabt. Doch die Verdoppelung der Ohnmacht klappte nicht, denn ein Stellvertreter scherte aus. Eine Gegenstimme hätte nicht gut ausgesehen. Den Stellvertretern wurde das gerade eben zugesprochene Stimmrecht schnurstracks wieder entzogen. Die anderen wurden vor die Alternative gestellt: entweder es gibt das, was nun aufgetischt ist, oder es gibt gar nichts. Bei Tarifverhandlungen zwischen in etwa gleich starken Partnern ist das ein legitimes Mittel, einen Kompromiß herbeizuführen oder die Situation zu klären. Doch diese Konstellation war von Anfang bis Ende nicht gegeben. Die Moderatorin setzte die schwächeren Partner unter Druck (und Zeitdruck) und bekam das, was sie später in der Presse eine immer gute Lösung nannte, den einstimmigen Beschluß. So darf ein neutraler Moderator nicht verfahren."

http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/

 

rolf breitfeld [Ex-Mitglied am RTH] sagte, am 2. November 2011 zu 09:00

für ihre „leistung“ am runden tisch gehört die vollmer geteert,
gefedert und aus der stadt gejagt.

http://

dierkschaefer.wordpress.com/2011/11/01/obzon/#comments

 

 

Heidi Dettinger sagte, am 3. November 2011 zu 15:54

Offener Brief
Verleihung des Hans-Ehrenberg-Preises an Antje Vollmer

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 22.10.2011 soll Frau Antje Vollmer den mit 5.000 Euro dotierten „Hans-Ehrenberg-Preis“ verliehen bekommen. Bei dieser Verleihung wird sich auf Frau Vollmers Einsatz am „Runden Tisch Heimerziehung der 50er und 60er Jahre“ (RTH) bezogen, an dem sie als Vorsitzende entscheidend zum Konsens beigetragen habe.

Sicher ist Ihnen bekannt, dass es am RTH um einen nur sehr scheinbaren Konsens ging – keinen jedenfalls, bei dem die früheren Heimkinder ernstgenommene Verhandlungspartner waren. Im Gegenteil:

- Den VertreterInnen der ehemaligen Heimkinder wurde am RTH ein Rechtsbeistand nach eigener Wahl verweigert mit der ausdrücklichen Argumentation Frau Vollmers, dass der RTH kein „Tribunal“ sei.

- Den HeimkindervertreterInnen wurde es unmöglich gemacht, eigene Gutachten erstellen zu lassen, eigene Gutachter zu benennen, während die von anderer Seite vorgebrachten Gutachten teilweise erst Tage NACH dem Vortrag in schriftlicher Form vorlagen.

- Bereits die Bekanntgabe des Zwischenberichts wurde von scharfen Protesten begleitet – besonders von dem ausgewiesenen Kenner der bundesdeutschen Heimgeschichte, dem Berliner Professor Dr. Manfred Kappeler.

- Die Stellvertreter der Ehemaligen am RTH hatten in der ganzen Zeit nicht nur kein Stimmrecht, sie hatten, entgegen demokratischen Gepflogenheiten, nicht einmal Rederecht.

- Bei der Abstimmung über den Abschlussbericht legte Frau Vollmer größten Wert auf Einstimmigkeit. Zu diesem Zwecke und um eine scheinbar größere Zustimmung zu erreichen, wurden an dieser Stelle auch die Stellvertreter der ehemaligen Heimkinder aufgefordert, ihr Votum abzugeben. Da keiner der HeimkindervertreterInnen dem Abschlussbericht in dieser Form zustimmen konnte und wollte, beschlossen sie, sich der Stimme zu enthalten und verließen den Verhandlungsraum. Frau Vollmer und Frau Rupprecht (SPD) eilten ihnen nach und übten wort- und gestenreichen Druck auf die OpfervertreterInnen aus, indem Frau Vollmer u.a. drohte, der RTH werde im letzten Moment platzen und es werde keinerlei Gelder geben. Die VertreterInnen knickten bis auf eine Ausnahme ein. Diesem beschied Frau Vollmer, dass

- seine Stimme völlig unmaßgeblich sei, da er „nur“ ein Stellvertreter sei. Und deklarierte die Abstimmung als einstimmig.

- Ein weiterer Stellvertreter verkündete auf einer Pressekonferenz im direkten Anschluss an die von Frau Vollmer zum Erscheinen des Abschlussberichts einberufene Pressekonferenz von diesem Dissens und dem unmenschlichen Druck, der auf ihn und die anderen VertreterInnen ausgeübt worden sei. Von Frau Vollmer kam dazu – nichts!

- Fünf der insgesamt sechs HeimkindervertreterInnen haben sich in der Zwischenzeit von dem Abschlussbericht und ihrer eigenen Zustimmung öffentlich distanziert – sogar in einem Schreiben an den Bundestagspräsidenten.
In zwei getrennten Abstimmungen über den Abschlussbericht äußerten sich ca. 90% der befragten Ehemaligen gegen den Abschlussbericht und seine nur als skandalös zu bezeichnenden Ergebnisse.

- In Folge kritisierte selbst Prof. Dr. Schruth, den Heimkindern als Rechtsberatung zugewiesener Berliner Professor, in dem Fachvortrag „Grenzen der Aufarbeitung zugefügten erzieherischen Unrechts – am Beispiel des Runden Tisches Heimerziehung“: „Eine Grenze der Aufarbeitung hat sich auch in unterschiedlichen Bewertungen des Unrechts der damaligen Heimerziehung gezeigt. Ich hebe das hervor, weil ich meine, der möglichen umfassenderen Unrechtsbeschreibung wurde mit geheimem Blick auf die Rechtsfolgen, auf die erheblichen Kosten nicht gefolgt. Das kann dann aber nur zu aus meiner Sicht ungenügenden und vermeidbar ungerechten Lösungen führen“ (S. 9) und „Warum wird offensichtlich im angloamerikanischen Raum ohne gesellschaftliche Bedenken materielle Entschädigungen in beachtlicher Höhe für alle Opfer ähnlichen staatlichen Unrechts pauschal gezahlt, aber nicht in der BRD? Eine Erklärung bietet der Abschlussbericht des RTH an, der in den Lösungsvorschlägen die direkte Geldzahlung ausdrücklich lediglich bei den entgangenen Sozialversicherungsbeiträgen erzwungener Arbeit in der Zeit der Heimunterbringung vorsieht (…)“ (S. 12). Gesamttext des Vortrages von Prof. Dr. Schruth: http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2011/09/vortrag_prof-20schruth.pdf

Der evangelische Pfarrer im Ruhestand, Dierk Schäfer, nennt die Preisverleihung obszön. Und führt dazu aus, dass sich heutige Kirchenbehörden mit dem Widerstand gegen die Nazis brüsten und einen Ehrenberg-Preis verleihen und gleichzeitig das Angedenken des Namensgebers, Hans Ehrenberg, schänden, indem sie den Preis einer willfährigen Theologin verleihen.

Wir vom Verein ehemaliger Heimkinder e.V. finden diese Preisverleihung ebenso obszön wie skandalös. Frau Vollmer hat nichts dazu getan, ehemalige Heimkinder zu versöhnen oder auch nur in Konsens zu bringen.

Frau Vollmer hat es – entgegen ihrem eigenen Anspruch und dem der Preisverleiher – verstanden, die Überlebenden der bundesdeutschen Kinderheimhöllen und deren VertreterInnen am RTH

- zu verhöhnen,
- zu retraumatisieren,
- von jedweder Gerechtigkeit fern zu halten,
- der Lächerlichkeit und Kritik preiszugeben,
- äußerstem Druck auszusetzen.

Und wird nun – dafür? – mit dem mit 5.000 Euro dotierten Hans-Ehrenberg-Preis bedacht. Man bedenke: 5.000 Euro sind weit mehr als – nach dem Willen von Frau Vollmer – ein ehemaliges Heimkind jemals erhalten wird für jahrelange Pein, für physische und psychische Folter, für sexuelle Gewalt, Jahre der Zwangsarbeit, für eine gestohlene Kindheit und Jugend und eine vorenthaltene Schul- und Berufsausbildung.

Wir bitten Sie, unsere Argumente zu berücksichtigen und Ihre Entscheidung zu überdenken. Diese Entscheidung, die wir nur als Hohn bezeichnen können!

Mit freundlichem Gruß

für den Vorstand
Heidi Dettinger
Schriftführerin

http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/11/03/mein-eintrag-ins-gastebuch-der-hans-ehrenberg-gesellschaft/

http://pressemitteilung.ws/node/329333

 

Wer war Hans Ehrenberg? Dierk Schäfer fasst zusammen:

Dierk Schaefers Blog

Hans Ehrenberg ist der Preis gewidmet, …

Veröffentlicht in heimkinder, Kirche, Theologie von dierkschaefer am 2. November 2011

…  den Frau Dr. Antje Vollmer erhalten soll.

» Hans Ehrenberg war einer der wenigen deutschen evangelischen Theologen auch innerhalb der Bekennenden Kirche, die sich deutlich und öffentlich gegen den Antisemitismus der Nationalsozialisten wandten und für Juden eintraten. Er forderte dieses auch vehement von seiner Kirche. Er kritisierte auch den christlichen Antijudaismus und betonte die Gemeinsamkeiten von Judentum und Christentum.« http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Ehrenberg_%28Theologe%29 Dienstag, 1. November 2011

Auf der Web-Seite der Hans-Ehrenberg-Gesellschaft (http://www.hans-ehrenberg.de )lesen wir:

»Ehrenberg, der bereits seit 1927 mit den örtlichen Stellen der NSDAP in scharfem Konflikt steht, gehört von Beginn an zu den führenden Persönlichkeiten der Bekennenden Kirche. So entsteht im wesentlichen unter seiner Federführung das ‘Bochumer Pfingstbekenntnis’ des Jahres 1933. Im selben Jahr verliert Ehrenberg sein Lehramt in Heidelberg und 1937 schließlich auch sein Pfarramt. Im Anschluss an die Reichspogromnacht vom 9.November 1938, in der SA-Einheiten sein Haus verwüsten, wird Ehrenberg [ins] KZ Oranienburg (Sachsenhausen) eingeliefert. Aufgrund einer Intervention des Bischofs von Chichester kann er 1939 mit seiner Familie nach England emigrieren.«

Der Satz »Im selben Jahr verliert Ehrenberg sein Lehramt in Heidelberg und 1937 schließlich auch sein Pfarramt« macht stutzig. Ein Pfarramt verliert man nicht wie einen Hausschlüssel. Ein Pfarramt wird aberkannt oder entzogen, und zwar in einem aufwendigen Verfahren. Ein weiterer Hinweis bestätigt den Verdacht: »An der Dokumentation der Amtsenthebung des Hans Ehrenberg kann jeder Leser nachvollziehen, wie unter den Bedingungen der NS-Herrschaft die Kirchenbehörden sich verhalten haben.«

»Als 1937 der stellvertretende Gauleiter Westfalen-Süd Heinrich Vetter die Entlassung des „Juden Ehrenberg“ verlangt („Es ist ein unmöglicher Zustand, daß ein Jude immer noch als Lehrer sein Wesen treiben darf, wenn ihm die christliche Tarnung geglückt ist“, heißt es im ,Schwarzen Korps‘), sieht die Kirchenleitung in Berlin keine Möglichkeit mehr Ehrenberg zu halten, und legt ihm nahe, die Versetzung in den Ruhestand zu beantragen. Am 1. Juli 1937 verläßt er „auf eigenen Wunsch“ den Dienst. Weder Kirchenleitung noch Bekennende Kirche hatten ein klares Wort zur Frage der Judenchristen gefunden. So konnte – in der konkreten Auseinandersetzung um Ehrenberg dargestellt – dem Druck des nationalsozialistischen Regimes nichts entgegengesetzt werden. War schon in bezug auf Christen jüdischer Herkunft eine eindeutige Stellungnahme nicht möglich, um wieviel schwerer wiegt dieses Schweigen gegenüber den Juden, ihrer Verfolgung und Vernichtung.« http://www.kirche-im-ruhrgebiet.de/KIR/0307%20Hans%20Ehrenberg.pdf Dienstag, 1. November 2011

Ja, so waren sie, die Kirchenbehörden. Sie schmissen die getauften Juden, die Pfarrer waren, ganz einfach raus; besser gesagt: Sie lieferten sie den Nazis zur Drangsalierung bis hin zur Vernichtung aus. Heute verleihen die Nachfolger einen Ehrenberg-Preis, brüsten sich mit dem Widerstand dessen, den sie – nein, ihre Vorgänger – geopfert haben und schänden dessen Angedenken mit der Preisverleihung an eine willfährige Theologin.

 

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Published by Helmut Jacob
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