Glückstadt: Gedenken der Verbrechen an jungen Menschen in den Nachkriegsjahrzehnten
„Wenn Du nicht brav bist, kommst Du in‘s Heim“
(sh:z, 30.5.2007)
„Brutale Fürsorge. Ein Justizskandal der siebziger Jahre: Wie in Schleswig-Holstein Jugendliche
in staatlichen Heimen zur Zwangsarbeit herangezogen wurden“
(Die Zeit, 31.10.2007)
„Ehemaliges Jugendheim Glückstadt: Schläge, Zwangsarbeit und Nazi-Uniformen“
(Süddeutsche Zeitung, 14.11.2007)
„Erziehung mit dem Totschläger. Das Landesfürsorgeheim Glückstadt war ein
berüchtigtes Jugendheim, dessen Geschichte jetzt aufgerollt wird“
(Westfalenpost, 14.12.2007)
„Jugenderziehung in Schleswig-Holstein: Ein dunkles Kapitel kommt ans Licht“
(Norddeutsche Rundschau, 17.11.2008)
http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Bucher_und_Meinungen_-_Gewalt_/Glueckstadt.pdf
Erstes von weiteren Bildern aus der Dokumentation http://gewalt-im-jhh.de/Doku_Runder_Tisch_Kiel_.pdf
Eine Gedenktafel an die Verbrechen in der ehemaligen „Fürsorgeanstalt“ in Glückstadt
Das ehemalige Marinegebäude wurde 1874 als Anstalt eingerichtet, in welcher hauptsächlich „Landstreicher“ und „Dirnen“ eine auf unbestimme Zeit verhängte „korrektionelle Arbeitshaft“ absitzen sollten. 1925 wurde das Haus umbenannt in „Landesarbeitsanstalt“ und von 1933 bis 1934 wurde es von den Nationalsozialisten als „Wildes KZ“ genutzt. Ab 1943 begann man hier jugendliche Fürsorgezöglinge zur „Arbeitserziehung“ einzuweisen.
Von 1943 bis zur Schließung 1974 war Glückstadt ein Synonym für den härtesten Umgang mit Jugendlichen, die Unglaubliches dort erlitten: Isolationfolter, Zwangsarbeit, Essensentzug, Schläge und sexuellen Missbrauch. Immer und immer wieder wurde von den Landesparlamentariern nach Besichtigung der Anstalt beschlossen, diese umgehend zu schließen, da die Zustände im Hause unhaltbar seien – immer wieder wurde es hinausgezögert und der „Betrieb“ lief ein weiteres Jahr „störungsfrei“ ab. Und die Jugendlichen wurden ein weiteres Jahr gequält, ausgebeutet, unternährt und brutalisiert – und in den Suizid getrieben.
Nun soll – auf Anregung des ehemaligen Zöglings Rolf Breitfeld – am 22.05.2011 um 13:00 Uhre eine Messingtafel am Jungfernstieg 1 in Glückstadt, der Stelle, an der sich die ehemalige Fürsorgeheim befand, angebracht werden:
IM GEDENKEN AN DIE FÜRSORGEZÖGLINGE
DIE IN DEN JAHREN 1943 – 1974
IN DIESER ANSTALT UNTERGEBRACHT WAREN:
DIE KORREKTIONSANSTALT WURDE SCHON 1925 IN
LANDESARBEITSANSTALT UMBENANNT UND WAR EIN ARBEITSHAUS.
1933 – 1934 WAR HIER EIN SOGENANNTES „WILDES KZ“: NACH DESSEN
SCHLIEßUNG WURDEN DIE KZ-WÄRTER; ALLES SA-MÄNNER;
VON DER LANDESARBEITSANSTALT ALS WACHTMEISTER ÜBERNOMMEN:
AB 1943 WURDEN HIER FÜRSORGEZÖGLINGE IN DAS
ARBEITSERZIEHUNGSLAGER GLÜCKSTADT/ELBE EINGEWIESEN.
1949 ERFOLGTE DIE UMBENENNUNG IN LANDESFÜRSORGEHEIM.
DIE KZ-WÄRTER UND WACHTMEISTER WURDEN ALS „ERZIEHER“
ÜBERNOMMEN. DIESES HAUS WURDE BIS ZUM 31.12.1974
WIE EIN KZ UND ARBEITSHAUS WEITERBETRIEBEN.
IM KZ GLÜCKSTADT GAB ES NACHWEISLICH KEINE TOTEN.
IM LANDESFÜRSORGEHEIM WURDEN 6 MENSCHEN
IN DEN SUIZID GETRIEBEN UND EINER AUF DER FLUCHT ERSCHOSSEN.
http://veh-ev.info/
Weitere Infos:
Landesfürsorgeheim Glückstadt Bewohner, Geschichte, Konzeption (40 Seiten)
http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Bucher_und_Meinungen_-_Gewalt_/Glueckstadt.pdf
Dokumentation - Runder Tisch (30 Seiten)
mit ehemaligen Fürsorgezöglingen
aus dem Landesfürsorgeheim Glückstadt
am 19. Januar 2008 im Landeshaus Kiel
Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren
des Landes Schleswig-Holstein
Universität Koblenz-Landau
http://gewalt-im-jhh.de/Doku_Runder_Tisch_Kiel_.pdf
Aufstand der Heimkinder
Im schleswig-holsteinischen Glückstadt kam es vor 40 Jahren zu einer Rebellion gegen ein Heimerziehungssystem, das noch in der Tradition der Nazizeit stand
Erst seit wenigen Jahren interessiert sich die Öffentlichkeit überhaupt für das Schicksal von Heimkindern in der Bundesrepublik der fünfziger und sechziger Jahre. Seit Februar 2009 beschäftigt sich auf Initiative des Bundestags sogar ein „Runder Tisch Heimkinder“ mit dem Thema. Frühere Heiminsassen verlangen vehement Aufklärung über das geschehene Unrecht. Eine Einrichtung im schleswig-holsteinischen Glückstadt tat sich in dieser Hinsicht besonders hervor. Vor genau 40 Jahren, in der Nacht vom 7. zum 8. Mai 1969, gab es dort einen Aufstand von Heimzöglingen, der möglicherweise sogar mit Hilfe von Marinesoldaten niedergeschlagen wurde. Unter den rebellierenden Jugendlichen, die als Strafe teilweise KZ-Kleidung tragen mussten, war auch der spätere RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock.
http://www.freitag.de/politik/0919-heimkinder-aufstand-glueckstadt/
Die Rebellion von Glückstadt
1969: Geschundene Heimkinder begehrten auf
Vor 41 Jahren, in der Nacht vom 7. zum 8. Mai 1969, rebellierten die Insassen des Landesfürsorgeheims im schleswig-holsteinischen Glückstadt. Diese Rebellion von Kindern und Jugendlichen, so Zeitzeugen, wurde mit Hilfe von Marinesoldaten der Bundeswehr niedergeschlagen, was die damalige Heimleitung bestritt.
Durch eine Knüppelgasse seien die Minderjährigen getrieben und in den Bunker gesperrt worden, in dem schon die Nazis Menschen gequält hatten, so hieß es in den Berichten. Wenig später wurde ein Jugendlicher, der als »Rädelsführer« galt, erhängt in seiner Zelle gefunden. Selbstmord behauptete die Heimleitung. Der Aufstand richtete sich gegen ein Heimregime, das durch brutale Prügel, Zwangsarbeit und miserabelste gesundheitliche und hygienische Bedingungen charakterisiert war.
http://www.neues-deutschland.de/artikel/170647.die-rebellion-von-glueckstadt.html
Bilder zu Landesfürsorgeheim Glückstadt
NS-Formular umgeschrieben:
Martin Mitchell (Australien) ergänzt:
Ich mache Dich hier jetzt auch noch auf folgende Berichte / Links aufmerksam, falls Du auch diese noch zu Deiner Liste hinzufügen möchtest.
ERSTENS:
»Die Hölle von Glückstadt« - "Fürsorgeerziehung" oder "Freiwillige Erziehungshilfe", geprägt von staatlich angeordneter Demütigung, Entwürdigung, Misshandlung und Zwangsarbeit. --- "Fürsorgezögling" Ferdinand Ellerwald, einer von vielen "Fürsorgezöglingen", die die Flucht aus dieser "Fürsorgehölle", oder aus anderen ähnlichen deutschen "Fürsorgehöllen im "Wirtschaftswunderland Westdeutschland" mit ihrem Leben bezahlt haben. --- Zum Gedenken an Ferdinand Ellerwald und all die anderen unzähligen Opfer.
http://www.heimkinder-ueberlebende.info/GERMANY-Die-Hoelle-von-Glueckstadt_-_Fuersorgeerziehung-oder-Freiwillige-Erziehungshilfe-gepraegt-von-Zwangsarbeit_-_1966-Fuersorgezoegling-Ferdinand-Ellerwald-auf-der-Flucht-erschossen.php
ZWEITENS:
„Fürsorgeerziehungszöglingsjagd“ - Menschenjagd auf „Zöglinge“ - Kam so etwas vor wenn „Zöglinge“ ausrissen aus den ‚Heimen' und ‚Anstalten' im „Wirtschaftswunderland Westdeutschland“, in den späten 1940er, in den 1950er, 1960er, 1970er Jahren, oder nicht? --- In einer offiziellen Verwaltungsakte eines ‚Heims' aus dieser Zeit, werden „156 Todesfälle“ dokumentiert. Die jeweiligen „Todesursachen“ in diesen „156 Todesfällen“ und vielen weiteren „Todesfällen“ sind bisher noch nicht bekannt gegeben worden - d.h., diese jeweiligen „Todesursachen“ sind noch genau festzustellen.
http://www.heimkinder-ueberlebende.info/Offizielle-Verwaltungsakte-eines-Heims-zeigt-156-Todesfaelle-in-den-1950er-1960er-Jahren.php
DRITTENS:
Detailierter Zeitzeugenbericht von ehemaliges Heimkind Rolf Breitfeld (Jahrgang 1948) über die staatliche Ausführung der "Freiwilligen Erziehungshilfe" und der "Fürsorgeerziehung" in "Glückstadt" an der Elbe in Schleswig-Holstein. Schilderung des tatsächlichen Umgangs Erwachsener mit jugendlichen "Schutzbefohlenen" in ihrer "Obhut". Die "Insassen" waren ihren erwachsenen Peinigern hilflos ausgeliefert und diese überall in Westdeutschland staatlich verordnete und staatlich gesegnete Kinderquälerei nahm jahrzehntelang, auch in Schleswig-Holstein, uneingeschränkt ihren Lauf.
http://www.heimkinder-ueberlebende.info/Bericht-von-ehemaliges-Heimkind-Rolf-Breitfeld-Jg.1948-ueber-die-Freiwillige-Erziehungshilfe-und-Fuersorgeerziehung-bzw.-die-damalige-Kinderquaelerei-in-Glueckstadt-Schleswig-Holstein.html ( mit Fotos, original Zeitungsartikeln, und vielen weiteren von dort aus weiterführenden Links ).
Und siehe auch die Sammlung der „Heimkinder-Zwangsarbeit“-Fotos