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2. Oktober 2012 2 02 /10 /Oktober /2012 22:42

„Die Hilfe kommt an“, heißt es als Schlagzeile auf einer Seite des Bayerischen Landtages, auf der das Thema „Sozialausschuss: Tätigkeit der Regionalen Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Bayern stößt auf positive Resonanz“ angeführt ist. (1) Offensichtlich ist, dass der Leiter der „Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Bayern“ beim Bayerischen Landesjugendamt, Marsstraße 46, 80335 München, Stefan Rösler (2) und der Sozialausschuss des Bayerischen Landtags die Erfassung von 450 Fällen schon jetzt als einen kleinen Erfolg feiern. Anders sind die Formulierungen „Die Hilfe kommt an“ und „Positive Resonanz“ nicht zu deuten.

Aber diese Meldung trügt. Ziehe ich die Statistik zurate, bietet sich ein ziemlich katastrophales Bild. Bereits im Artikel "’Heimkinderfonds ist sehr gefragt’ Wie bitte? – Journalistische Stimmungsmache gegen statistische Fakten" (3) habe ich dargelegt, dass das Land Bayern etwa 68.000 (von ca. 800.000 = 17%) Heimopfer zu verantworten hat. Lege ich diese Zahl auch für die prozentuale Berechnung der 450 erfassten Fälle (Opfer sind also „Fälle“, nicht einmal Schicksale) zugrunde, ergibt sich folgende Rechnung:

450 erfasste Opfer : 68.000 tatsächliche Opfer = 0,66 % (weniger als 1% von 68.000 Opfern).

Im Lichte dieser Zahl sind die Aussagen „Die Hilfe kommt an“ und „positive Resonanz“ nicht nur faktisch abwegig; sie stellen geradezu eine Beleidigung der Mehrzahl der Heimopfer - die den Kinder- und Jugendhöllen entronnen sind - dar. Für sie muss es unerträglich sein, dass ihre Abneigung gegen den Opferfonds, der sich in der blamablen Zahl der Meldungen widerspiegelt, so frechdreist nicht nur ignoriert, sondern ins Gegenteil verdreht wird.

Damit geschieht mit der Darstellung der Abwicklung des Opferfonds der dritte Betrug an den Gequälten, Ausgebeuteten und Missbrauchten unter meist kirchlichen, aber auch staatlichen Dächern.

Den ersten Betrug verbrockte Ursula von der Leyen. Sie strich den Etat für den Runden Tisch Heimerziehung (RTH) um die Hälfte zusammen und machte damit eine sinnvolle Arbeit des RTH zunichte. Das Ergebnis des RTH und der Weg zu diesem Ergebnis ist der zweite Betrug als Serie von vielen kleinen Betrügereien mit unterschlagenen Fakten und manipulierten Meinungen.

So drängt sich der Verdacht auf, dass die Botschaft dieser Meldungen, sowohl des bayerischen Sozialausschusses als auch der Süddeutschen Onlineausgabe, gar nicht an die Opfer gerichtet ist. Die meisten Opfer selbst wissen, dass sie über den Tisch gezogen werden. Immer mehr von ihnen (aber immer noch im Promillebereich!) nehmen den „Spatz in der Hand“, der (siehe Vorbeitrag) zu einer Drossel mutierte, an, um wenigstens diese Almosen und 250€ Schmierpaste mitnehmen zu können. Die meisten Geschundenen und Gequälten melden sich gar nicht und komplette Opfergruppen (Säuglinge, behinderte Kinder und psychisch kranke Kinder und Jugendliche) wurden in der Opferstatistik verschwiegen.

Die Botschaft geht an die Öffentlichkeit: Der Bund und die Länder kümmern sich. Die Opfer stürmen die Beratungsstellen. Alles im grünen Bereich. Problem bald gelöst.

Traurig, dass selbst Journalisten auf diese plumpe Verblödungsmasche hereinfallen.

(1) http://www.bayern.landtag.de/cps/rde/xchg/landtag/x/-/www1/7538_9600.htm

(2) http://www.jugendhilfeportal.de/db1/institution/eintrag/bayerisches-landesjugendamt-beim-zentrum-bayern-familie-und-soziales/

(3) http://helmutjacob.over-blog.de/article-heimkinderfonds-ist-sehr-gefragt-wie-bitte-journalistische-stimmungsmache-gegen-statistische-fa-110732101.html

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Published by Helmut Jacob
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