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30. September 2012 7 30 /09 /September /2012 22:25

Die-Bevolkerungentwicklung--Deutschlands-1950-bis-2000.jpg

„Bereits 120 bayerische Anträge auf Unterstützung wurden bewilligt
München - Gut dreieinhalb Monate nach der Anhörung ehemaliger Heimkinder im bayerischen Landtag haben bereits etliche der Betroffenen Leistungen aus dem eigens für sie gebildeten Bundesfonds erhalten ... Nach Auskunft von Stefan Rösler, dem Leiter der Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Bayern, wurden bislang 60 Anträge auf Rentenausgleich sowie weitere 60 Anträge auf Hilfe bei Folgeschäden bewilligt. ... Die anfängliche Kritik mancher Betroffener, der Fonds sei nichts weiter als 'Betrug', habe mittlerweile abgenommen.“ (1)

Würde ich unter einer "dissoziativen Identitätsstörung" (2), also unter einer Persönlichkeitsspaltung leiden, würde der Helmut zum Jacob sagen: "Jetzt mache ich ein Fass auf; - diese Nachricht ist ein Grund zum Feiern!" Und der Helmut würde dem Jacob vorwerfen: "Sechs Jahre hast Du alles schwarz gemalt und in den letzten Jahren sogar den "Runden Tisch Heimerziehung" (RTH) niedergeschrieben. Und jetzt lies mal: Die meisten Betroffenen mögen den Fonds! Also mögen sie auch den RTH und ihre damalige Vorsitzende Antje Vollmer. Vollmer? Das ist die mit der Hans-Ehrenberg-Medaille." (3)

Aber die Zahl 60/60 irritierte mich gewaltig. Wenn 120 Anträge ehemaliger Heimkinder von Bayern bewilligt wurden, ist das nicht doll. Hinter den 120 Bewilligungen stehen etwa 60 Opfer. Welchen Sinn sollte es haben, wenn sie zwar Hilfe bei Folgenschäden, aber nicht Leistungen zum Rentenausgleich beantragt haben? 60 Opfer sind wieviel Prozent der bayerischen Opfer? Ich habe recherchiert. 

Für das Jahr 1950 finde ich keine bundeslandbezogene Bevölkerungsdaten. In der Bundesrepublik Deutschland (ohne die ehemalige DDR) lebten 1950 50,3 Mio. Bürger. 1970 waren es etwa 61 Mio. westdeutsche Bürger, einschließlich West-Berlin. (4) Ab diesem Jahr finde ich eine Statistik, aus der hervorgeht, wieviel Bürger in welchem Bundesland wohnten. In Bayern waren es etwa 10,5 Mio. Menschen, also etwa 17% der Gesamtbevölkerung. (5)

Bevolkerung-Bundeslander.jpg

In der Öffentlichkeit ist die Zahl von etwa 800.000 Heimopfern präsent. Dabei wird schamlos verschwiegen, dass auch Säuglinge, behinderte Klein- und Schulkinder und Kinder und Jugendliche in den psychiatrischen Anstalten gequält wurden. Man könnte getrost die Zahl um 100.000 erhöhen; aber das erspare ich den Tätervertretern!

Behaupte ich zugunsten der Täterseite, dass von den 800.000 Opfern die Hälfte bereits verstorben ist, so wären immer noch 400.000 Misshandelte anspruchsberechtigt. Von diesen 400.000 Geschändeten und Zusammengeschlagenen hat das Bundesland Bayern 17%, also 68.000 Opfer zu verantwortern. 

Lege ich zugrunde, dass 60 Antragsteller Leistungen bewilligt bekamen, sieht die Rechnung wie folgt aus:

Opfer Bayern: 68.000

Antragsteller Bayern: 60

60 Opfer / 68.000 x 100% = 0,088235294117647058823529411764706

Hier handelt sich also nicht um Prozente, sondern um einen Wert von unter einem Promille.

Was lernen wir aus den Aussagen der "sueddeutschen.de" unter dem Blickwinkel der Statistik? Sie sind Augenwischerei und ein Stück Stimmungsmache.

1. 120 Anträge ist nicht 120 Opfer, sondern wahrscheinlich nur 60

2. Diese 60 Opfer entsprechen einem Anteil von 0,88 Promille der Gesamtopferzahl 68000 in Bayern

3. Die Schlagzeile "Heimkinderfonds ist sehr gefragt" ist eine journalistische Bruchlandung angesichts der Zahl der abgefertigten Opfer

4. Die Formulierung "Die anfängliche Kritik mancher Betroffener, ... habe mittlerweile abgenommen" ist durch nichts untermauert.

Fest steht aber auch: Der "Spatz in der Hand", den der ungewollte Opfervertreter und -sprecher am RTH in seiner Abschlusserklärung gepriesen hatte, entfaltet seine Wirkung. Aber auch nur durch einen Treibsatz seitens des "Runden Tisches Sexueller Missbrauch". Dieser verlangte nämlich nicht 5.000, wie vom RTH empfohlen, sondern 10.000 Euro Leistungen aus dem entsprechenden Fonds. Damit hat Christine Bergmann, die damalige Tischvorsitzende, der Pastorin mit der Ehrenberg-Medaille gezeigt, was Menschlichkeit bedeutet. Dass Bergmann zusätzlich verlangte, dass die verantwortlichen Heime zu Schmerzensgeldzahlungen und Entschädigungen herangezogen werden, ist ein zusätzlicher Aspekt, der das Versagen der RTH-Vorsitzenden unterstreicht. 

Dem Gesetzgeber blieb nichts anderes übrig, als die Summe, die am RTH ausgeklüngelt wurde, zu verdoppeln. Man sattelte sogar noch auf und bezahlt auf Antrag eine Aufwandspauschale für die Antragsteller von 250 Euro. Der Spatz mutierte zugegebenermaßen zu einer Drossel. Und weil viele ehemalige Heimkinder arm sind und sich mit der Drossel zufriedengeben, verzichten sie auf den Adler, der ihnen eine Opferrente oder eine Einmalzahlung über 54.000 Euro beschert hätte. Wen wundert es, dass angesichts dieser Summe von 10.000 Euro und Rentenausgleichszahlungen von mehreren tausend Euro plus 250 Euro Schmiergeld gegen eine vermeindliche Illusion über 54.000 Euro die Kritik am Gesamtergebnis des RTH gemildert scheint? Wohlgemerkt: Es fehlt jede auswertbare Zahl. Die Statistik sagt aber auch, dass etwa 99,9% der bayerischen Opfer ihre Anträge nicht gestellt, geschweigedenn bewilligt bekamen.

Der Onlineredaktion sei geschrieben: Der Artikel ist schlecht und faktisch schlampig recherchiert. 

(1) http://www.sueddeutsche.de/n5238I/865394/Heimkinderfonds-ist-sehr-gefragt.html

(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziative_Identit%C3%A4tsst%C3%B6rung

(3) http://www.christuskirche-bochum.de/projekte/hans-ehrenberg-preis/3/

(4) http://www.pdwb.de/deu50-00.htm

(5) http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Mk_Bev%C3%B6lkerung_Bundesl%C3%A4nder_Zahlen.png&filetimestamp=20050905141115

 

 

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Published by Helmut Jacob
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