helmutjacob sagte, am 30. August 2011 zu 18:57
Veröffentlicht in heimkinder, Kirche, Pädagogik, Politik, Theologie von dierkschaefer am 28. August 2011
In Volmarstein soll es einen geben, einen Ort der Erinnerung.
Wie sieht es anderswo aus?
Es kann nicht nur darum gehen, Gedenksteine oder ähnliches zu setzen. Die sind auch wichtig, weil es hin und wieder Zeitgenossen geben wird, die einen Gedenkstein, eine Gedenkplakette wahrnehmen und dem Appell: Denk mal! nachkommen.
Wichtiger scheint mir,
0 daß die Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder in die Lehrpläne und in die Fortbildung von Heimpersonal kommen, und zwar für alle Arten von Heimen und pädagogischen Einrichtungen.
0 daß die Einrichtungen, in denen die ehemaligen Heimkinder eine unglückliche Kindheit und Jugend verbrachten, auf ihren Homepages diesen Teil ihrer Geschichte deutlich nennen und, wenn sie schon nicht ausführlicher werden wollen, einen Link zu Veröffentlichungen über diese Vergangenheit setzen.
Wohl keine Einrichtung wird es über sich bringen, auch den zweiten Teil des Betruges am Leben ihrer ehemaligen Schutzbefohlenen zu nennen. Der erste Teil waren die mittlerweile historischen Verbrechen an den Kindern, der zweite ist die aktuelle Drückebergerei um eine halbwegs angemessene Entschädigung.
Ich habe eine Dokumentation beigefügt, die nur ansatzweise Vergleichsmöglichkeiten bietet:
Einen Ort der Erinnerung schaffen
Die KZ gehörten zu einem offen menschenrechtsleugnenden Unrechtssystem und waren im zur Vernichtung angelegt und die KZ-Arbeitslager dienten der grenzenlosen Ausbeutung.
Die Heime in der BRD existierten in einem Rechtsstaat mit erklärten Menschenrechten und die kirchlichen Heime waren der Idee der Nächstenliebe verpflichtet. Der Staat wie auch die Kirchen haben nicht nur versagt, sondern sind unermeßlich schuldig geworden an Kindern, die ihnen anvertraut waren, um sie fit und stark fürs Leben zu machen.
Für beide Erinnerungsabsichten gilt: Die Opfer und ihre Angehörigen wollen zeigen, was möglich war und wollen durch die Erinnerung daran verhindern, daß es wieder möglich wird.
Dazu wird es nötig sein, daß jeder und jede einmal die Homepage seiner/ihrer Einrichtung aufsucht und gegebenenfalls Kontakt aufnimmt. Sind die Einrichtungen „schwerhörig“, kann man diesen speziellen Gedenkstein ja auch im Internet setzen. So wie es Listen der KZ-Lager gibt, kann es ja auch eine Liste der staatlichen und kirchlichen Einrichtungen mit verbrecherischer Vergangeheit geben.
helmutjacob sagte, am 30. August 2011 zu 18:57
Ein interessantes Thema, lieber Herr Schäfer. Darum komme ich erst heute zu einer Zusammenfassung meiner Beobachtungen in Sachen Volmarstein. Auf der Homepage der Evangelischen Stiftung Volmarstein wird dieses dunkle Kapitel Verbrechen an hilflosen Klein- und Schulkindern nicht erwähnt. Die Buttons auf der linken Seite geben nichts her. Man muß schon ganz tief graben, wenn man zufällig etwas finden will, was nicht verzeichnet ist. Da gibt es die Möglichkeit, unter der Rubrik „Infomaterial“ den „Volmarsteiner Gruß“ runterzuladen. Wenn man die alle studiert, wird man fündig. Ich habe mir den letzten Gruß reingepfiffen und fand unter http://www.esv.de/index.php?option=com_phocadownload&view=category&id=1:volmarsteiner-gruss&download=82:volmarsteiner-gruss-ausgabe-1-2011&Itemid=79
folgenden Artikel:
„Die ESV fordert: Auch betroffene Behinderte sollen Anträge an den Fonds / die Stiftung des Runden Tisches Heimerziehung stellen können“. Der Beitrag endet:
‘Dies ist unsere Erwartung, alles andere wäre ungerecht und würde Behinderte erneut benachteiligen’, so Pfarrer Jürgen Dittrich.“
Dieser Beitrag in einem Spendenblatt beruhigt die Spender: Seht her, wir kümmern uns … Was der Spender nicht weiß: Das ESV-Engagement dieser Art wird von der „Freien Arbeitsgruppe JHH“ rundweg abgelehnt. Sie will nämlich ausschließlich Opferrente. Das ignoriert die ESV völlig. Auch führt sie in ihrem Bettelheft nicht an, daß sie Opferrente ihrerseits, also aus ihren Mitteln, abgelehnt hat. Kann der Umgang mit 24 Jahren Verbrechen und Terror so noch als anständig und für die Opfer hilfreich betrachtet werden?
Ich bin noch nicht fertig. Dierk Schäfer ist ein „Link zu Veröffentlichungen über diese Vergangenheit“ nachvollziehbar wichtig. Die Linksammlung der ESV ist hier zu finden:
http://www.esv.de/index.php?option=com_weblinks&view=category&id=53&Itemid=113
Wie man sieht, sieht man den Link http://www.gewalt-im-jhh.de nicht. Warum wohl nicht? Gehört dieses Verheimlichen zu einem anständigen Umgang mit der Vergangenheit? Ach ja, unter der Rubrik „Informationsmaterial“ müßte das Buch der Historiker Schmuhl/Winkler mit dem Titel „Gewalt in der Körperbehindertenhilfe …“ zu finden sein. Fehlanzeige. So wird die Geschichte verdrängt und den Opfern ein weiteres Mal mitten ins Gesicht geschlagen.
Man muß schon ganz tief graben ... Homepage der Evangelischen Stiftung Volmarstein