Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
22. Februar 2012 3 22 /02 /Februar /2012 14:42

Am 14. Februar 2012 berichtete der Weser Kurier über die Anlaufstelle zur Abwicklung von Anträgen ehemaliger "Heimkinder" in Delmenhorst:

http://www.weser-kurier.de/Artikel/Region/Delmenhorst/535146/Hilfe-fuer-ehemalige-Heimkinder.html

Viele Opfer waren empört. Ich habe am 17. Februar an den Oberbürgermeister von Delmenhorst folgende E-Mail gesandt:

Oberbürgermeister
Patrick de La Lanne
Rathausplatz 1
27749 Delmenhorst
rathaus@delmenhorst.de

Ihre Mitarbeiterin Sozialpädagogin Ingrid Fink

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister!

Laut „Weser Kurier“ online vom 14.02.2012 ist Frau Fink für die Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches Heimerziehung und des Beschlusses des Deutschen Bundestages in gleicher Sache zuständig. 

Ich lese in der Onlinezeitung ein Interview mit dieser Dame, in dem sie sich in merkwürdigem Tonfall äußert. Hier meine entsprechende Email an Frau Fink:

„Auszug aus einem Bericht des Weser Kurier online vom 14.02.2012: 

Delmenhorst. Der Satz saß. "Ich war als Kind jahrelang in der Hölle - und die Nonnen waren die Teufel." Ingrid Fink hat ihn sich sogar aufgeschrieben, weil er so exemplarisch für das steht, was ihr berichtet wurde. Sie ist bei der Stadtverwaltung die Ansprechpartnerin für die ehemaligen Heimkinder, die jetzt Hilfe suchen. "Zehn Stück haben sich bei mir schon gemeldet", sagt sie. Was viel ist, weil die Ansprechpartner erst seit Anfang dieses Jahres bekannt sind. "Mit sieben von denen habe ich schon Gespräche geführt oder werde ich demnächst führen, die anderen überlegen noch, ob sie sich selbst mit ihrer Vergangenheit konfrontieren wollen." 

http://www.weser-kurier.de/Artikel/Region/Delmenhorst/535146/Hilfe-fuer-ehemalige-Heimkinder.html 

Sehr geehrte Frau Fink! 

Beim überfliegen des Artikels brannte sich mir ins Unterbewusstsein, dass hier die Ansprechpartnerin des Veterinäramtes Delmenhorst Auskunft über Probleme im Zusammenhang mit Viechern gibt. Sie werden mit Aussprüchen wie "Zehn Stück haben sich bei mir schon gemeldet" und "Mit sieben von denen habe ich schon Gespräche geführt oder werde ich demnächst führen, die anderen überlegen noch, ob sie sich selbst mit ihrer Vergangenheit konfrontieren wollen" vom Weser Kurier zitiert. Erst die in mir auflodernde Frage, ob sich Schweine ihrer Vergangenheit stellen können, zwang mich zum aufmerksameren Lesen des Artikels. Und mir wurde bewusst: hier wird über Menschen geschrieben; über solche, die in Kindheit und Jugend unvorstellbares Leid ertragen mussten und Opfer von phyischer, psychischer und teilweise sexueller Gewalt wurden. Da hat eine Behörde es mit Menschen zu tun, die sich hilfesuchend, zum Teil schüchtern, ängstlich, zaghaft, zum Teil traumatisiert und zum Teil selbstbewusst an eine Abteilung wenden, die für die Umsetzung des Opferfonds des Bundes, der Länder und der Kirchen zuständig sein soll. Und dann treffen diese Menschen auf Frau Fink. Sie werden - wenn das Zitat so stimmt - als "Stück" bezeichnet und man spricht über sie "von denen" und stellt damit eine Verbindung zu den Stücken her. Was müssen die Menschen empfinden, wenn sie lesen, wie über sie geschrieben wird. Beschleicht Sie, verehrte Frau Fink, nicht auch das Gefühl, ziemlich herablassend, wenn nicht sogar beleidigend über diese Menschen zu sprechen? Mit Erschrecken lese ich in dem selben Artikel, dass Sie "studierte Pädagogin" sein sollen. Diese Tatsache sprengt meine Vorstellungskraft und ich muss wirklich vermuten, dass sich der Weser Kurier sowohl ihre Aussprüche als auch ihren Titel nur ausgedacht hat. Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich die Pressemitteilung oder Sie falsch verstanden habe. Und wenn der Weser Kurier Sie falsch zitiert und/oder ihren akademischen Titel falsch wiedergegeben hat, sollten Sie zu Ihrer Ehrenrettung auf eine umgehende Gegendarstellung bestehen. 

Ihre Antwort wird veröffentlicht.“

In dieser Email habe ich nur wenige Aspekte angesprochen, die mich irritiert haben. Insgesamt ist jedoch festzustellen, dass es Frau Fink nicht nur an fachlicher Qualifikation mangelt, sondern auch an Sensibilität. Diese Sensibilität ist ein Muss im Umgang mit den Opfern, die Hilfe aus Ihrem Haus erwarten. Die Formulierungen der Frau Fink erinnern an den „Elefanten im Porzellanladen“. Sie rufen unter den Opfern Empörung und Fassungslosigkeit hervor. Meine Recherchen in den Foren von Opfergruppen ergaben, das einige ehemalige Heimkinder und –jugendlichen sich an die Zeit erinnert fühlen, in der sie diesen rüden und respektlosen Umgangston täglich ertragen mussten.

Als jemand, der mit dem Bereich Sozialpädagogik beruflich viel zu tun hatte, kann ich die Qualifikation der Frau Fink mit gutem Gewissen anzweifeln. Aber das ist Ihr Problem. Meine Bitte ist, sie von dieser Aufgabenstellung zu entbinden. Ich sehen Ihrer Stellungnahme mit Spannung entgegen.

Mit freundlichen Grüßen

 

Heute am 22. Februar erreichte mich eine Stellungnahme des Delmenhorster Oberbürgermeisters:

Stadt Delmenhorst
Der Oberbürgermeister
Patrick de La Lanne
Oberbürgermeister
Delmenhorst

20. Februar 2012

Ihr Schreiben vom 17, Februar 2012 (per E-Mail eingegangen) zum Artikel „Hilfe für ehemalige Heimkinder" im Delmenhorster Kurier

Sehr geehrter Herr Jacob,

mit großem Verständnis habe ich Ihr Schreiben vom 17. Februar 2012 zur Kenntnis genommen. Darin teilen Sie mir Ihre Empörung und die anderer Betroffener zu dem Artikel „Hilfe für ehemalige Heimkinder" im Delmenhorster Kurier vom 14. Februar 2012 mit.

Ich habe mich bei der Mitarbeiterin Ingrid Fink, die als städtische Ansprechpartnerin für ehemalige Heimkinder befragt wurde, informiert. Frau Fink erklärte, dass sie in dem Pressebericht des Delmenhorster Kuriers nicht korrekt zitiert worden sei. Sie sei selbst mit der dargestellten Wortwahl, die nicht ihrem Sprachgebrauch entspreche, äußerst unzufrieden und bestreitet, die auch von Ihnen zu Recht kritisierten Äußerungen zu diesem sensiblen Thema getätigt zu haben. Gerade im Umgang mit den ehemaligen Heimkindern sei es ihr wichtig, den Betroffenen mit Achtung und Respekt zu begegnen.

Aufgrund dieser Darstellung hat sich die städtische Pressestelle an die Redaktion des Delmenhorster Kuriers gewendet und auf die fehlerhafte Formulierung hingewiesen. Der Kurier hat sich darauf hin in der Ausgabe am 16. Februar 2012 für die gewählte Wortwahl, die nicht von Frau Fink Fink stammte, entschuldigt.

Die Stadt Delmenhorst und Ingrid Fink haben diese Entschuldigung akzeptiert. Eine Stellungnahme der Stadtverwaltung können Sie auch auf der Internetseite www.delmenhorst.de nachlesen.

Ich hoffe, ich konnte den Sachverhalt ausreichend darstellen und verdeutlichen, dass die Aussagen nicht von meiner Mitarbeiterin getätigt wurden. Zudem danke ich Ihnen, dass Sie sich an mich gewendet haben. Als Oberbürgermeister nehme ich die Anregungen, Fragen und Hinweise der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst.

Mit freundlichen Grüßen

Patrick de La Lann

Stadt Delmenhorst

(Grafik-Scan)

 

Daraufhin habe ich dem Oberbürgermeister am 22. Februar wie folgt geschrieben:

Stadt Delmenhorst

Herrn Oberbürgermeister

Patrick de La Lanne

Rathausplatz 1

27749 Delmenhorst

Telefax: 04221991291

Artikel “Hilfe für ehemalige Heimkinder im Delmenhorster Kurier“

Ihr Schreiben vom 20. Februar 2012

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister!

Haben Sie herzlichen Dank für Ihr aufklärendes Schreiben vom 20. Februar 2012. Als einer, der die Aufarbeitung der Verbrechen an Heimkindern und -jugendlichen seit Jahren beobachtet, habe ich zahlreiche unkorrekte und manchmal auch falsche Wiedergaben in der schreibenden und virtuellen Presse, aber auch in Rundfunk und Fernsehbeiträgen feststellen müssen. Es wird oft schluderig recherchiert oder einfach voneinander abkopiert. Dass der Delmenhorster Kurier selbst wörtliche Aussagen falsch zitiert, ist erschreckend.

Ich danke für Ihre Aufklärung des Sachverhaltes und bitte freundlich um eine Kopie der Entschuldigung des Kuriers in der Ausgabe vom 16. Februar 2012. Viele Heimopfer sind, wie Sie schon bemerkt haben, empört über diesen beanstandeten Artikel. Darum würde ich sowohl den Artikel, als auch Ihre Erwiderung und die Entschuldigung des Delmenhorster Kuriers in meinem Blog veröffentlichen.

Zum Schluss darf ich Sie bitten, Ihrer Mitarbeiterin Frau Fink, meine herzlichsten Grüße zu übermitteln. Sie soll auch wissen, dass es mir Leid tut, wenn ich sie persönlich zu hart angegangen habe. In Anbetracht Ihrer Darstellung ist dies sicherlich der Fall gewesen. Allerdings sprengte es meine Vorstellungskraft, dass eine Zeitung derart schlampig berichtet.

Mit freundlichem Gruß

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Helmut Jacob
Kommentiere diesen Post

Kommentare