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22. Februar 2009 7 22 /02 /Februar /2009 00:02

„Ein runder Tisch ist ja kein Tribunal“, diktiert Antje Vollmer der schreibenden Zunft in die Stenografenblöcke, spricht in die Mikrophone, "es geht nicht um Anklage, Verteidigung und dann Gerichtsurteil. Wir hoffen, dass alle sehr genau hinhören, sich sehr genau einen Begriff über die damalige Zeit machen und sich dann selber verpflichten.“

 

Warum eigentlich nicht? Warum darf der Runde Tisch kein Tribunal sein? Einige Erkenntnisse sind bereits heute schon wasserdicht. Wenigstens 70% aller Heime waren in kirchlicher Trägerschaft. Das Internet quillt über von Schilderungen über Verbrechen an Kleinkindern, Schulkindern, behinderten Kindern und Jugendlichen in eben diesen Heimen. Diese sind angetreten, alles besser machen zu wollen, als unfähige Eltern und staatlich geführte Heime. Außerdem kreist wie ein Heiligenschein jene Mahnung Jesu Christi schon seit Jahrhunderten um die Köpfe von Christen und ihren Würdenträgern, die da heißt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matth. 25,40). Da bedarf es unter Gläubigen nicht erst des Grundgesetzes mit seinem Artikel 1 von der Würde des Menschen, um mit solchen Verbrechen in erheblichen Konflikt mit dem obersten himmlischen Chef zu geraten.

 

Eine ganz andere Fragestellung: Ist es den Opfern überhaupt zuzumuten, den Rechtsnachfolgern der Täter gegenüberzusitzen und mit ihnen über mögliche Entschädigungszahlungen zu verhandeln? Ich stelle mir vor, die Vergewaltigte soll unter den Augen des Richters mit dem Vergewaltiger selbst aushandeln: Wie viel Strafe bitteschön darf es denn sein? Schon jetzt ist doch bereits erkennbar, dass die Kirchen kaum dazu gelernt haben. "Die Bereitschaft der Katholischen Kirche dazu scheint begrenzt. Zwar bekundete Johannes Stücker-Brüning, Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, sein „Bedauern“ darüber, dass „Kindern und Jugendlichen in katholischen Heimen Unrecht und schweres Leid widerfahren“ sei. Nach bisherigen Erkenntnissen sei jedoch „Gewalt nicht grundsätzlich eingesetzt“ worden." http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,608220,00.html
Dies ist eine kaum nachprüfbare, windelweiche Aussage, hinter der sich Boshaftigkeit versteckt. Zwischen den Zeilen heißt es: "Wir geben immer noch nichts zu". Dabei steht doch längst fest, dass die permanente Angst, rund um die Uhr, vor eventueller Bestrafung aus unbekannten oder nichtigen Gründen bereits psychische Gewalt darstellt. Und die war sicher in all den Heimen allgegenwärtig, in denen physische Gewalt ausgeübt wurde.

 

 

Aber, die Kirchen wissen noch gar nicht, dass sie längst am Pranger stehen. Ihr Pranger ist das Internet. Sie können lamentieren und schwadronieren; immer mehr Verbrechensopfer finden den Mut, ihre Leiden der Öffentlichkeit zu erzählen. Die Zahlen der Kirchen, ob mit  historischer Forschung untermauert oder nicht, werden immer unglaubhaft bleiben. Einfach darum, weil die Kirchen mit dem Kapitel „Heimgeschichte“ von Anfang an unanständig umgegangen ist.

 

Damit auch diese Leidensgeschichte nicht untergeht (auch im Internet ist manches vergänglich), zitiere ich aus einem Leserbrief:

"Ich habe in meiner Jugend 8 Jahre katholisches Waisenhaus hinter mich gebracht. Es war die Hölle. Hat hier jemand schon mal auf ungeschälten Erbsen gekniet und dabei die Hände bzw. die Arme nach oben. Das ganze ging dann über Stunden. Da dem Waisenhaus ein Altenheim angeschlossen war hatte es auch eine Leichenhalle. Hatte man etwas ausgefressen konnte man am gleichen Abend in der Leichenhalle übernachten ohne Abendessen natürlich. Es waren Kinder dabei die waren gerade mal 6 oder 7 Jahre alt. Bettnässern wurde das nasse Bettzeug über den Kopf gestülpt und am Hals mit einer Kordel zugebunden. Als Krönung wurde man dann in eine Badewanne mit eiskaltem Wasser gesetzt. Schläge gab es mehr als zuessen. Alle diese Sachen wurden durchgeführt durch eine katholische Nonne oder auf ihre Anweisung hin. Aber nicht nur das oben geschilderte ist mir und anderen Kindern wiederfahren es gab noch mehr Quälereien und Strafen."

(erfasst am: Mittwoch, 18. Februar 2009, 17:22 Titel: heimkind im Forum "Der Westen")

http://forum.derwesten.de/viewtopic.php?p=681350#681350

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Published by Helmut Jacob
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