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5. Mai 2012 6 05 /05 /Mai /2012 23:47

Dierk Schaefers Blog

Zwangsarbeit – nicht nur für IKEA – Zusatz Jacob: Zwangsarbeit auch in Volmarstein

Posted in heimkinder, Politik by dierkschaefer on 5. Mai 2012

Zwangsarbeit – Warum war sie kein Thema im Abschlußbericht von Frau Vollmer?

Nicht nur IKEA, sondern auch andere renommierte Firmen profitierten von Zwangsarbeit. Es waren nicht nur DDR-Häftlinge, die den Reichtum solcher Firmen begründeten, sondern auch, eigentlich sattsam bekannt, Heimkinder, die für solche Firmen zur Arbeit gezwungen wurden – ohne Lohn und ohne Sozialversicherung.

Herr Mitchell/Australien hat die aktuellen Links für den IKEA-Komplex zusammengestellt:

http://www.tagesspiegel.de/politik/zwangsarbeit-ddr-haeftlinge-mussten-fuer-ikea-schuften/6586614.html

http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1334258335047&openMenu=1013016724320&calledPageId=1013016724320&listid=1018881578370http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1746775/

http://de.nachrichten.yahoo.com/schwedisches-tv-berichtet-%C3%BCber-ddr-zwangsarbeit-f%C3%BCr-ikea-115152909.html

http://www.welt.de/politik/deutschland/article106257969/Aus-dem-Ost-Frauenknast-auf-den-West-Grabbeltisch.html

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/ddr-auftragsarbeit-haben-zwangsarbeiter-bei-ikea-moebel-zusammengeschraubt/6574118.html

http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1335728781815.shtml

Interessant ist im Fall IKEA das öffentliche und politische Desinteresse zur damaligen Zeit. Es paßte einfach nicht in die politische Landschaft, den Skandal als solchen aufzugreifen.

Zu fragen ist, warum es nicht in die politische Landschaft gepaßt hat, die Zwangsarbeit in den Kinderheimen als solche nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu benennen. Immerhin gibt es seit 1995 eine – durchaus erfolgreiche – Kampagne gegen Kinderarbeit, die angesichts der Notlage der Familien auch auf Zwangsarbeit in den asiatischen Teppichwebereien hinausläuft: http://de.wikipedia.org/wiki/Rugmark

Doch Frau Vollmer hat es erfolgreich geschafft, den Begriff Zwangsarbeit zu vermeiden. Sie hat damit die profitierenden Firmen (es waren eben nicht nur kleine bäuerliche Betriebe) vor Forderungen geschützt. Ich frage mich, warum nur? Hat Frau Vollmer für ihre Beschützerrolle irgendwelche Vergünstigungen erhalten?

Bei der Kinderzwangsarbeit handelte es sich um eine besonders schwerwiegende Rechtsverletzung. Wohlgemerkt: Es geht nicht um das Kartoffelschälen für den Heimbedarf und nicht ums Geschirrabtrocknen, sondern um erzwungene Arbeitsleistungen von Schutzbefohlenen zur Aufbesserung der Heimfinanzen. Die Heimkosten wurden also auf die Kinder abgewälzt, die damit nicht nur unter den allgemein schlechten Bedingungen und der Willkür des Personals zu leiden hatten. Es kommt noch die weiterreichende Schädigung der Lebensläufe hinzu: Wer hart und/oder zeitaufwendig arbeiten muß, hat weniger Chancen auf schulischen und damit später beruflichen Erfolg.

IKEA steht nun am Pranger – und wird zahlen müssen, schon aus Image-Gründen. Warum hat Frau Vollmer nicht die zum Teil sehr honorigen und erfolgreichen Firmen in die Zahlpflicht genommen? Auch die legen Wert auf ein fleckenfreies Image.

Doch das Thema reicht über die Heimkinder hinaus.

Strafgefangene in deutschen Gefängnissen sind zur Arbeit verpflichtet. Sie bekommen dafür weder den angemessenen Lohn, noch sind sie sozialversichert. Damit können sie weder ihre straftatbedingten Opferschulden abzahlen, noch eine Rente erwerben, die ihrer Arbeitsleistung entspricht. Dafür werden sie später Sozialhilfeempfänger und zur finanziellen Belastung der Allgemeinheit.

Das heißt: Hier findet auch heute noch eine Gewinnsteigerung unter Sozialisierung von Kosten statt. Die auftraggebenden Firmen profitieren von der Häftlingsarbeit, der Staat mit seinem Strafanspruch streicht einen Teil des Arbeitserlöses ein und die Sozialkosten tragen später wir als Steuerzahler -  nicht zu vergessen die geschädigten Verbrechensopfer, die völlig leer ausgehen.

Kommentar (u.a.):

Helmut Jacob said, on 5. Mai 2012 at 23:22

Zwangsarbeit gibt es auch in der Form, dass man sich Abhängige gefügig macht, sie für ihre Zwecke missbraucht und sie mit Vergünstigungen belohnt. So war es in vielen Erziehungseinrichtungen. Dort haben Insassen (als solche wurden sie gesehen, weil sie fast auf der gleichen Ebene wie Häftlinge gestellt wurden) Kontrollaufgaben und Bestrafungsaktionen übertragen bekommen, damit sich die sauberen Hausleiter und Diakone zum Einen nicht die Finger besudeln mussten und damit zum Anderen der Personalnot entgegengewirkt werden konnte. Nur mit solchen Schweinereien war es den unter kirchlichen Dächern geführten Einrichtungen überhaupt möglich, den Laden in Betrieb zu halten. Oberstes Ziel war nicht das Wohl der Erziehungszöglinge, sondern eher der Ausbau der Machtposition der Kirchen. Je unentbehrlicher sie sich machten, desto größer konnten sie ihr Schandmaul aufreißen und Forderungen an die Politik stellen.

Diese Zwangsarbeit setzte sich auch in Heimen für Behinderte fort. Viele noch nicht stark behinderte Jungen und Mädchen haben andere Kinder zu Bett gebracht, sie an- und ausgekleidet und gewaschen und sonst bei der täglichen Versorgung geholfen. Sonst wäre das System völlig baden gegangen. Ich selbst musste, als die Gelbsucht sich im Heim so ausbreitete, dass sogar Personal ausfiel, als einer ohne Gelbsucht viele Kinder füttern (die hiernach zum Teil auch die Gelbsucht bekamen und im Krankenhaus verschwanden) und man kümmerte sich einen Dreck darum, ob ich vielleicht gefährdet sein könnte; denn immerhin war diese Art der Erkrankung ansteckend. Man kann sagen: Die Orthopädischen Anstalten Volmarstein gingen fast über Leichen. Wichtig war, dass der Laden flutschte.

Ein damals neun-jähriges Mädchen hat noch heute albtraumhaft in Erinnerung, dass sie eine menstruierende Frau von 13 oder 14 Jahren “trockenlegen”, also ihr das Menstruationsblut abwaschen musste. Auch musste sie diese dicke junge Frau abtopfen, das heißt, ihr den Hintern wischen. Zum Dank spuckte diese Frau ihr immer wieder Rotze ins Gesicht. Dies sind Geschichten, die auch immer wieder erzählt werden müssen, weil schamlose Rechtsnachfolger diesen gequälten Kreaturen eine Opferrente verweigern.

www.gewalt-im-jhh.de

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Published by Helmut Jacob
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