Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
6. Dezember 2011 2 06 /12 /Dezember /2011 15:18

"Eher zufällig erfuhr ich heute, daß Jutta Graßhoff im September gestorben ist. Ich hatte es schon befürchtet, denn nach meinem Urlaub im September hatte ich sie telefonisch nicht mehr erreichen können, und ich wußte, daß es um ihre Gesundheit nicht gut bestellt war.

Jutta Graßhoff war eine wichtige Gesprächspartnerin vieler ehemaliger Heimkinder. Sie konnte zuhören, war mitfühlend und bedächtig zugleich. Viele haben ihr ihre Lebens- und Leidensgeschichte anvertraut und sie wahrte das Vertrauen. Ich habe sie und ihre Art sehr geschätzt. Ihr Tod ist ein Verlust und ich denke dankbar an viele Gespräche mit ihr zurück.", so schreibt der evangelische Pfarrer im Ruhestand Dierk Schäfer in seinem Blog unter der Überschrift: "Jutta Graßhoff, ein Nachruf".

http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/12/05/jutta-grashoff-ein-nachruf/

Diese Zeilen haben mich inspiriert, einmal nachzuforschen, wer diese Jutta Graßhoff war, die es wert ist, einen Nachruf von Dierk Schäfer zu erhalten.

 

Wer ihren Namen in die Suchmaschinen eingibt, bekommt wenig Links. Einer von ihnen ist die Homepage „Freie Initiative ehemaliger Heimkinder“.

http://www.fi-ehk.de/forum/board/index.php?page=Thread&postID=2895

Beim ersten Überfliegen fällt mir ein großes Kastanienblatt ins Auge und darunter ein Plagiat eines Gedichtes. Es scheint sehr beliebt zu sein, denn es ist auf etlichen Seiten veröffentlicht.

 

Abschied

von Annegret Kronenberg

 

Lautlos schwebt ein Blatt vom Baum,
ganz allein,
viel zu früh.
Ein Windhauch entführt es meinem Blick.
Es wird irgendwann ein neues Blatt geben,
doch kann es nie wieder so sein wie du.

 

 

 

Rosi A. teilt auf der selben Seite mit: “Jutta Grasshoff ist letzten Montag 12.9.2011 im Krankenhaus verstorben.“ Der Administrator „Michel“ schreibt auf dieser Seite: „Ich habe es hier nicht gepostet, weil unser Jonathan (ein langjähriger Freund von Jutta) und ich nicht wollten, dass sich sich die "Leichenplünderer" über ihren Nachlass hermachen (nachweisliche Ansätze wurden wahrgenommen). All diesen Leuten sei an dieser Stelle gesagt: Juttas Haus und Auto sind versiegelt und werden aus der Nachbarschaft überwacht. Die "Bundesinitiative Kinder im Heim" mit mir und Jonathan persönlich, kümmern sich darum, dass Jutta ein anständiges Begräbnis bekommt. Die Heimatgemeinde wollte sie anonym, ohne jede Beerdigungs-Zeremonie und ohne Benachrichtigung von irgend jemand, in einer Friedhofsecke verscharren. Da glücklicherweise in ihrem Todesfall die Stadt Göttingen zuständig (weil dort im Krankenhaus verstorben) ist, wird es wird ordentliches Begräbnis, auch mit einem Stein auf dem Grab, geben.“

Diesen Eintrag wiederholt er als Kommentar zum Blogeintrag von Pfarrer Schäfer. Offensichtlich geht es um einen wichtigen Nachlaß. Dierk Schäfer schreibt dazu: „Nun bleibt die Frage, was mit ihrem Archiv wird/geworden ist. Sie wollte, daß es ans Bundesarchiv geht, wollte nicht, daß jemand mit „ihren“ Fällen Geld verdient. Das war ihr immer ein widerwärtiger Gedanke. Hoffentlich sind ihre Aufzeichnungen in die richtigen Hände gelangt.“

Wer war nun Jutta Graßhoff? Immer noch habe ich keine Vorstellung von ihr, obwohl sie eine wichtige Person im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Verbrechen an Heimkindern zu sein scheint. Der User „Berti“ gibt erste Hinweise: „Wenn ich an Jutta denke, dann sehe ich eine kleine zierliche Person vor mir. Von der viel Kraft ausging und von der ich oft, wenn ich ein Tief hatte, Aufmunterung bekam. Aber nicht nur das Schicksal ehemaliger Heimkinder hat uns verbunden. Wir standen uns auch in unseren Lebensvorstellungen und der Liebe zu Tieren nahe.“

Den Namen gegooglet und als Bild gesucht, könnte meine erste Vorstellung über eine zierliche Frau, die Tiere liebt, abrunden.

http://www.google.de/search?q=jutta+gra%C3%9Fhoff&hl=de&client=firefox-a&hs=vTc&rls=org.mozilla:de:official&prmd=imvnsfdo&source=lnms&tbm=isch&ei=5yfeTr3rMfHP4QSm8ciaBw&sa=X&oi=mode_link&ct=mode&cd=2&ved=0CA4Q_AUoAQ&biw=1024&bih=545

 

Jutta GrasshoffFoto: Siegfried Michelt

 

Dieses Foto finde ich nun auch auf der Homepage der Freien Initiative wieder. Der Administrator „Michel“ fügt zum Bild hinzu: „Jutta im Jahre 2005 mit ihren Hunden bei der gefällten Lönsbuche am Rande des Solling, an der einst Hermann Löns des öfteren verweilt haben soll. Jutta hatte sich immer für Benacheiligte unter den Menschen und (Haus-)Tieren eingesetzt und achtete ganzheitlich die Natur. Wenn Menschen, Tiere und Pflanzen unwiederbringlich beschädigt und vernichtet wurden, machte es sie unendlich traurig, aber auch wütend und kämpferisch zugleich.“

Auch der Kranz, von „Elvira, Willi, Siegfried u. Jonathan“ gespendet wurde, findet sich mit Google und auf der HP.

http://www.mimac.de/EHK/JuttaG-letzter-Gruss/Als-letzter-Gruss-an-JuttaG.JPG

Ein „theo“ schreibt: „Ich durfte sie bei einem Treffen in Hannover kennen lernen. Ich kann nur sagen,warum ist das nicht schon viel früher passiert.“

Es meldet sich „Jonathan“, wohl ein enger Freund von Frau Graßhoff: „Ich bin nicht nur traurig,sondern auch wütend, dass sich vom Vorstand des VeH niemand bei Juttas Beerdigung hat sehen lassen. Nicht einmal einen kleinen Blumengruß hatte der VeH für Jutta übrig.“

Was ist los?, frage ich mich. War sie im „Verein ehemaliger Heimkinder“? Welche Rolle spielte sie dort? Warum hat wer auch immer nicht auf die Todesnachricht reagiert? Kam sie beim VeH an?

Immer noch finde ich nichts über ihr Engagement in Sachen Heimkinder. Endlich stoße ich auf einen weiteren Nachruf:

http://www.fi-ehk.de/forum/board/index.php?page=Thread&postID=3664

Sie gehörte zur „Bundesinitiative ehemaliger Heimkinder“ und war „Regionalleiterin für Niedersachsen und Nord-Deutschland“. Jutta Graßhoff soll einen Wunsch gehabt haben: „Ihr Wunsch war eigentlich einmal eine Stiftung für Heimkinder zu gründen,die Waisen sind und schwerstbehindert, dies hatte Sie mir mehrmals anvertraut in Telefonaten.“

 

Hier endet die Spurensuche, weil es keine weiteren Ergebnisse zu geben scheint. Sie scheint auch ehemaliges Heimkind gewesen zu sein. Viele weitere Angaben über Frau Graßhoff sind allerdings zu privat, als daß ich sie hier zitiere. Dennoch ist sie es wert, auf einer Seite mit ihrem Kontext gewürdigt zu werden. Dazu möchte ich mit diesem Blogeintrag einen Beitrag leisten. Wer weitere Hinweise zum Leben und Wirken der Jutta Graßhoff beisteuern möchte, kann mir unter der E-mail

helmutj50(ät)web(punkt)de

seinen Beitrag zusenden.

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Helmut Jacob
Kommentiere diesen Post

Kommentare