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16. April 2012 1 16 /04 /April /2012 15:46

„Reliquien brachten im Mittelalter Macht, Ansehen, Pilger und Spenden. Das schuf eine gewisse Nachfrage nach ihnen. Und diese Nachfrage schuf wiederum ein Angebot. Teils wurde der Bedarf mit Knochen von relativ frisch Heiliggesprochenen gedeckt, die wahrscheinlich echt waren - zu einem sehr großen weiteren Teil aber mit allen nur erdenklichen Requisiten aus dem Neuen und dem Alten Testament: ... Brustmilch von der Muttergottes war eine so beliebte und verbreitete Reliquie, dass der Reformator Calvin zu Beginn der Neuzeit mutmaßte, sie müsse den zurückgelassenen Mengen nach wohl eine Kuh gewesen sein. ...“

http://www.heise.de/tp/artikel/30/30079/1.html

In diesen Tagen wir im Dom zu Trier der Heilige Rock ausgestellt. 500.000 Pilger werden erwartet. Und die TAZ berichtet darüber:

„... Zu Besuch in Trier. ... Offenbar hat keine Stadt der Welt mehr Glocken auf weniger Quadratmeter. Viertel vor sieben! Bischof Ackermann ruft seine Herde. Die Pädophilen sollen an ihr Tagwerk gehen. Ackermann hat einige davon. ... Eine Stadt verschläft! Bis zur Osternacht! ... aber dann, morgens um neun Uhr, ein erstes zartes Pingen, um 9.15 Uhr ein kurzer Schlag, ab jetzt viertelstündlich und dann, ab 9.47 Uhr, bimmelt das Inferno los. Mauern wanken. Bürger stürzen aus den Betten. Trommelfelle schwingen extrem gespannt. Hörstürze auf Balkonen. Zugereiste verlassen fluchtartig die Stadt. Kein Hund gehorcht mehr dem Herrchen, weil ihn dessen Stimme nicht mehr erreicht. Ein Krach, gegen den Manowar und Motörhead Fahrstuhlmusik sind. Ganz Trier vibriert ab jetzt wieder täglich unter diesem unfassbaren Gebimmele. Hier fände eine Diskussion um das Nachtflugverbot nicht statt. Man würde kein Flugzeug starten hören. ... Bischof Ackermann lädt ein, denn die Kirche und der Glaube sind zwar Heilsbringer, aber der Pilger an sich ist ein echter Geldbringer. Ackermann war kürzlich noch schwer in der Kritik wegen der von ihm hier beschäftigten verurteilten Pädophilen, aber momentan wird in Trier auch wirklich jede Hand gebraucht. Wiederverheiratete sind zwar zu den kirchlichen Sakramenten nicht zugelassen, aber Pädophile dürfen weiter für das Bistum arbeiten. Als Pilger sind aber sogar Wiederverheiratete willkommen, denn der Pilger als solcher ist ein echter Hauptgewinn. Wer Pilger hat, muss nicht mehr Lotto spielen. ... und der „Rock“ ist eine höchstamtliche Reliquie. Im Interview mit der Lokalzeitung, dem Trierischen Volksfreund, sagt Bischof Ackermann: „Der Heilige Rock ist echt, ob er tatsächlich das Untergewand ist, dass Jesus getragen hat, können wir natürlich nicht beweisen. Auch das Gegenteil ist nicht zu beweisen.“ Das heißt, es gibt den Stofffetzen, und damit „ist“ er. Ackermann argumentiert also ganz im (Trierisch-) Marx’schen Sinn: Das Sein bestimmt tatsächlich das Bewusstsein!

http://www.taz.de/Die-Wahrheit/!91342/

„Das Bistum Trier gibt selbst zu, daß der 1196 erstmals urkundlich erwähnte und 1512 beim Aufenthalt Kaiser Maximilians in Trier erstmals ausgestellte „Hl.Rock“ aller Wahrscheinlichkeit nicht echt ist. Luther warnte deshalb in seiner Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“ 1520 vor der unvernünftigen und zur Werkgerechtigkeit verführenden Wallfahrt und sprach vom „Beschiss mit unsers Herrn Rock zu Trier“ und vom „großen Jahrmarkt“ des Teufels.“

http://www.ekir.de/trier/1965.0.html

„Neben dem angeblichen Gewand von Jesus Christus gibt es ein weiteres Kleidungsstück zu sehen: eine Unterhose. Angeblich stammt diese von Karl Marx. ...

"Es ist eine sogenannte lange Unterhose, auch Unaussprechliche früher genannt. Und die war seit 96 verschollen und war dann in einem Altar in einer alten verfallenen Kapelle eingemauert. Und als wir sie dann gefunden haben, hat sich herausgestellt, dass in dieser Zeit durch diese unsachgemäße Lagerung wohl Motten Zutritt gefunden haben und haben jetzt auf der Rückseite des Beinkleides ein wirklich sehr großes Loch gefressen. Das muss jetzt gestopft werden." ...

Immerhin wird die Unterhose mit einem Altar gezeigt und man kann sie ab Mitte April in einem Schaufenster wenige Häuser vom Karl-Marx-Haus in Trier entfernt Tag und Nacht betrachten. Oder gar zu ihr hin pilgern. ... "Es ist einfach geschmacklos, also billig. Ne Unterhose dem Heiligen Rock gegenüberzustellen, das ist natürlich schon nen Stück weit Sakrileg. Ich find es schlicht und einfach pietätlos." Für diese Art der Kritik hat Künstler Helmuth Schickerath wenig Verständnis. "Für mich ärgerlich dadran ist, dass die Trierer Kirche nicht in der Lage ist, klipp und klar zu sagen: ist Quatsch das Ding. ... Die Leute kommen dahin. Dürfen den Schrein berühren. Das ist doch finster das ist doch Mittelalter."

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/corso/1704328/

„Die heilige Vorhaut Jesu (lateinisch: „sanctum praeputium“) war eine angebliche Reliquie der Vorhaut von Jesus von Nazaret. Da ein zentraler Inhalt des christlichen Glaubens die Himmelfahrt Jesu Christi ist, sollen von seinem Körper nur die Bestandteile übrig geblieben sein, die er zu dem Zeitpunkt nicht mehr hatte (siehe Christusreliquien). Ausgehend von dem Gedanken, dass die Beschneidung Jesu im Tempel (Brit Mila) durchgeführt wurde, beanspruchten eine Anzahl von europäischen Kirchen im Mittelalter, im Besitz dieser Reliquie zu sein, der angeblich wunderbare Heilkräfte zugeschrieben wurden.“

 http://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Vorhaut

„Bei den Wundern, welche die heiligen Vorhäute wirkten, spielte bemerkenswert oft latent oder offen Sexuelles eine Rolle. ... eine adlige Dame aus Calcata, die das frisch entdeckte Säckchen mit der Vorhaut öffnen wollte, bekam sofort ganz steife Finger, ob derer sie ihr Vorhaben aufgeben musste. Erst der "zarten Jungfrau" Clara gelang dann die Enthüllung. Besonders interessant sind in dieser Hinsicht die von ihrem Beichtvater aufgezeichneten Visionen der Agnes Blannbekin aus dem 14. Jahrhundert, der das Häutchen bei der heiligen Kommunion auf der Zunge erschien und ihr beim Herunterschlucken vorher ungekannte Wonnen und Freuden "in allen Gliedern und in allen Muskeln der Glieder" bescherte.“

http://www.heise.de/tp/artikel/30/30079/1.html

„Die heilige Vorhaut wurde bis 1983 regelmäßig bei Prozessionen öffentlich gezeigt. Dann verschwand sie unter bislang ungeklärten Umständen. Nun ist sie plötzlich wieder aufgetaucht! Tobias K. (Name von der Redaktion geändert) ersteigerte sie kurz vor Ostern bei ebay. „Der Verkäufer war ein Idiot und hatte nicht die geringste Ahnung, welchen Schatz er da in seinen Händen hielt“, lacht Tobias K., der die Vorhaut seiner Mutter zu Ostern schenken wollte. „Mutti ist sehr religiös. Und ich dachte, die Vorhaut ist außerdem gut für ihre Arthritis“, so Tobias K. Doch dann kam alles anders. Um seine Mutter zu begrüßen, legte Tobias K. die Vorhaut, die er zuvor ansehnlich in Klarsichtfolie als Geschenk verpackt hatte, erst einmal auf den Küchentisch. Als die beiden nur wenige Minuten später aus dem Wohnzimmer zurück kehrten, war die Reliquie verschwunden. „Die Heilige Vorhaut war wie vom Erdboden verschluckt. Mutter bekreuzigte sich. Bis wir dann irgendwann gesehen haben, dass die Katze kotzt“. Die Katze ... hat die Heilige Vorhaut gefressen. „Die Katze hat den ganzen Abend gekotzt“, berichtet Tobias K., „und sie ist noch in der selben Nacht von uns gegangen. Da sich das Ganze zu Ostern ereignete, hielten wir es für ein Zeichen und hatten die Hoffnung, die Katze würde am dritten Tage wieder auferstehen. Doch da hat sich bislang nichts getan. Mutter überlegt jetzt, die Katze beizusetzen.“

http://www.satire-clips.de/?p=1037

Die Beitragsauszüge wurden mit den jeweiligen Links versehen. Sollten dennoch Verfasser Urheberrechtsverletzungen sehen, mögen sie dies mitteilen, damit ihre Beiträge entfernt werden. In diesem Fall würde ich den Inhalt beschreiben.

Zuschrift von Herrn Dierk Schäfer, versehentlich unter den falschen Blogeintrag geraten:

Mirabilia –Venerabilia – Devotionalien – Souvenirs


Souvenirs Souvenirs,

kauft ihr Leute kauft sie ein,

denn sie sollen wie das Salz

in der Lebenssuppe sein.

Sie lassen alle mal was liegen,

die Großen dieser Welt,

und das sind die Souvenirs,

die man überall erhält 

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Published by Helmut Jacob
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