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4. April 2012 3 04 /04 /April /2012 17:14

Unter der Schlagzeile „Heimkinder in der Stiftung kreuznacher diakonie“ schreibt Stiftungsleiter Pfarrer Wolfgang Baumann über die Aufarbeitung der Verbrechen an Heimkindern in den Nachkriegsjahrzehnten. Da es sich um eine Einrichtung auch für geistig und körperlich behinderte Menschen handelt, ist anzunehmen, dass die geplante Veröffentlichung eines Buches über die gesammelten Erkenntnisse diesen Personenkreis behandelt.

Baumann: „Wir lesen sie mit großer Betroffenheit. Menschen haben Unrecht und Missbrauch in Einrichtungen der Stiftung kreuznacher diakonie erleiden müssen. Wir stellen uns unserer Verantwortung und wollen diesen Menschen heute so begegnen, dass ihre Würde nicht weiter beschädigt wird. Wir wollen erlittene Verletzungen wahrnehmen und nicht relativieren. Wir unterstützen betroffene Menschen – wenn sie dies wünschen - bei der Antragstellung an den Heimkinderfonds, den der Runde Tisch „Heimerziehung“ unter der Leitung von Antje Vollmer, der ehemaligen Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, im Jahr 2010 angestoßen hat.“

Baumann weiter: „Darüber hinaus ermutigen wir alle betroffenen Menschen, die sich noch nicht bei der Stiftung kreuznacher diakonie gemeldet haben, sich mit Diakon Georg Scheffler-Borngässer, Leiter des Referats Öffentlichkeitsarbeit, in Verbindung zu setzen.“

Kommentar:

Eine gute Nachricht gibt es: Den Forschungsauftrag erhielt Dr. Ulrike Winkler, renomierte Politikwissenschaftlerin, Berlin. Sie ist für intensive Recherche und darum gute Qualität ihrer Ausarbeitungen bekannt. Vor allem lässt sie sich nicht beeinflussen.

Der Umgang des Pfarrers mit seinen Opfern ist ein Skandal. Fast pastoral trägt er große Betroffenheit vor, bietet seine Hilfe an und verweist evtl. weitere Opfer an den Pförtner, hier die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit.

Was sagt uns dies? Er bietet Hilfe bei der Antragstellung an den Heimkinderfonds an (mehr aber auch nicht) und deckt damit den Mantel der Barmherzigkeit über die ureigene Verpflichtung der Einrichtung, nämlich Schmerzensgeld zu bezahlen. Dazu hat nicht zuletzt die Ex-Vorsitzende des Runden Tisches sexueller Missbrauch, Christine Bergmann, ausdrücklich aufgefordert:

„Genugtuung und Anerkennung liegt in der Zuständigkeit der jeweiligen Institution, in der der Missbrauch stattgefunden hat, jedoch unter Einhaltung verbindlicher Standards:

Verpflichtung, dass auf Wunsch von Betroffenen einmalig eine angemessene

Anerkennungssumme gezahlt wird, Orientierung an gerichtlich erzielbarem

Schmerzensgeld zum Zeitpunkt des Missbrauchs ...“

Aber die Sprachabstimmung unter den Behinderteneinrichtungen ist längst bekannt, andere sind ebenso hilfreich in der Antragstellung, um von den eigenen Verpflichtungen abzulenken.

Dierk Schäfer, evangelischer Theologe, Bad Boll:

"Genau das ist die Linie, lieber Herr Jacob, sich erst vor dem Runden Tisch verstecken, dessen Ergebnissen man nicht vorgreifen will, und sich dann unter dem Runden Tisch verstecken und auf das verweisen, was aufgetischt wurde. Kein kritischer Blick auf die Ergebnisse, die sind ja sehr kommod, kein Blick ins Ausland, mir san mir!"

Es kommt noch schlimmer. Pfarrer Baumann fordert zwar auf, dass andere Opfer sich bei der Einrichtung melden mögen, aber doch bitte nicht bei ihm, sondern bei der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. Dreister kann man nicht dokumentieren, wie man sich mit dem Thema und den Opfern tatsächlich auseinandersetzt. Man will es vom Tisch haben. Er sollte bei Pfarrer Jürgen Dittrich, Stiftungssprecher der Evangelischen Stiftung Volmarstein in Ausbildung gehen. Dittrich hat alle Opfer empfangen, war bei allen internen Sitzungen mit Opfern dabei und hat Konzepte der Wiedergutmachung entwickelt, die ihresgleichen suchen, z.B. die Namensnennung eines Neubaus nach einem Opfer. Der Schmerzensgeldzahlung entzieht er sich auch (ökumenische Gesamtregelung), aber er bemüht sich weit mehr als Wolfgang Baumann. Und damit macht Baumann gerade das, was er doch nicht möchte. Er beschädigt erneut die Würde der Opfer. Es kann einem schlecht werden, wenn man sich vorstellt, dass Baumann sonntags auf der Kanzel steht.

http://www.kreuznacherdiakonie.de/Stiftung/Geschichte/Heimkinder/

http://gewalt-im-jhh.de/hp2/Runder_Tisch_sexueller_Missbra/runder_tisch_sexueller_missbra.html

http://gewalt-im-jhh.de/hp2/index.html

Heimopfer, Heimkinder, sexueller Missbrauch, Gewalt, kreuznacher diakonie, Evangelische Kirche, Behinderteneinrichtung, Runder Tisch Heimerziehung, Opferfonds

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Published by Helmut Jacob
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