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28. November 2011 1 28 /11 /November /2011 16:22

„Das Ländle“, wie das kleine Bundesland links neben dem Königreich Bayern – aber mit ihm unterhalb des Weißwurstäquators gelegen - liebevoll genannt wird, führt Übles im Schilde: Es will seine Heimopfer über den Tisch ziehen. "Nanu?", fragt sich der Leser, „denen soll doch durch den am „Runden Tisch Heimerziehung“ erzielten Konsens - unter Kraftanstrengung der kürzlich mit dem „Hans-Ehrenberg-Preis“ gekrönten Pastorin Antje Vollmer - das Manna vom Himmel fallen.“ Was der Leser nicht weiß: Aus dem Manna (54000 bar oder 300 Opferrente) ist für jedes Opfer ein kleines Oplätchen geworden; gut verschlossen in einer Spendenbüchse von Bund, Ländern und Kirchen.

 

Alte-Sammelbuchse-Wikipedia.jpg

Alte Sammelbüchse des Muttergenesungswerkes (Wikipedia)

 

Die Letzteren sollen 70 Prozent Dreck am Stecken haben, flutschen aber mit 33,3333 Prozent gerade noch aus der Schlinge.  Und damit das so bleibt, haben ein paar Trickbetrüger in BW – sicher unter Jubel der anderen barmherzigen Samariter - sich eine Falle ausgedacht.

„Die Heimkinder sind eh klamm“, werden sie erkannt haben, „schließlich haben die Kirchen und wir mangelhafte Schulausbildung und fehlende Berufsausbildung selbst verbrochen.“ Und damit sind sie im Recht, denn viele haben nichts oder kaum was verdient. „Werfen wir ihnen ein paar Brocken ums Maul, - und wer nicht frißt, wird halt zwangsgefüttert.“ Also, das mit den kleinen Wurfgeschossen mag noch angehen, aber mit der Zwangsfütterung ist finito. Ob sich der neue Erziehungsstil schon in Landesministerien herumgesprochen hat?

„Trotzdem, geldgeil, wie die Heimis nun mal sind, werden sie das Leckerlie in der Luft schnappen!“, denken sich die Sesselpfurzer, „Per Internet und viel Radau wollten sie ja sogar 24 Milliarden von unserem verarmten Vaterland ergaunern.“

„Wenn also Knete – auf keinen Fall bar auf die Kralle, sollen die Ex-Heimblagen sich doch gegen ihre Raffsucht therapieren lassen – ausgegeben werden soll, dann einmalig und danach nie wieder!“, erdachten sich Köpfe, die sicher ob ihrer Klugheit noch eingebildet aus dem Kragen grinsen.

So kreißte die Birne und gebar eine „Mitteilung der Landtagsregierung“. Während Säuglinge nach dem Kreißen ein Namensschild an die Füße bekommen, damit keine fremde Frau mit Plagiaten strunzt, verpaßt man den Ausgeburten einer Behörde ein AZ. Richtig, ein Aktenzeichen: Drucksache 15/775.

Das Kind hat einen Vor- und einen Nachnamen. Nur klingt der nicht wie die vielen, die im Umlauf sind, sondern eher bürokratisch hölzern: Bericht Entwurf. Der Vorname soll uns nicht interessieren, das sind heut meist verkappte Schmusewörter wie beispielsweise Chantal oder Kevin. Hier ist es eben „Bericht“.

Der Nachname „Entwurf“ offenbart allerdings eine schwere psychische Erkrankung dieses Beamtensäuglings: den pathologischen Drang, zu quälen. Hier insbesondere die Schwächeren und Hilflosen über den Tisch zu ziehen und ihr sichtbares Leid zu vergrößern, indem man noch einmal richtig in die am Boden Liegenden reintritt. Das passiert nicht derart, wie dies von manchen Bahnhofskameras gefilmt wird, sondern schlichtweg per Tastatur, versteckt in einem „Verwaltungsverfahren“.

In einer „Satzung“ – wofür auch immer – findet sich folgende Ferkelei:

§ 7 – Fondsverwaltung, Geschäftsstelle und Rechnungslegung

(2) Die Geschäftsstelle hat folgende Aufgaben:

a. die Gewährung und Auszahlung von Leistungen gegen einen Verzicht auf weitergehende Ansprüche gemäß § 9 Absatz 3,

die eine Seite weiter zu einer riesigen Schweinerei verkommt:

§ 9 – Leistungen an ehemalige Heimkinder

(3) Leistungen aus dem Fonds werden nur für Betroffene gewährt, die erklären, dass sie mit Erhalt einer Leistung aus dem Fonds auf Geltendmachung jeglicher Forderungen, einschließlich der Ansprüche wegen Rentenminderung aufgrund der Heimunterbringung, gegen die öffentliche Hand und die Kirchen sowie ihre Ordensgemeinschaften und Wohlfahrtsverbände, einschließlich deren Mitglieder und Einrichtungen, unwiderruflich verzichten. Dieser Verzicht umfasst auch den Ersatz von Kosten für die Rechtsverfolgung.“

„Friß Köter, oder verrecke!“

Wer diesen Ablaßhandel mitmacht, schließt alle Türen für weitere Forderungen hinter sich zu. Irgendein „Arbeitskreis Fondumsetzung Heimerziehung“ – kein Mensch weiß wie der demokratisch zustande kam – muckt ein wenig auf: „Wir haben uns gegen diese Verzichtserklärung ausgesprochen, da diese unabhängig von ihrer Rechtswirksamkeit, keinesfalls zu der Befriedigung wird beitragen können, welche sich die Verantwortungskette versprechen, sondern die Betroffenen nur verprellen wird“. Ich meine, der Zug ist längst abgefahren. Der AKF sollte, wenn auch viel zu spät, die Brocken hinschmeißen.

Und „das Ländle“ sollte die Krankheit seines Babys therapieren, bevor es in den Verdacht gerät, versehentlich den Mutterkuchen in Paragraphen gepreßt zu haben.

 

http://www.landtag-bw.de/WP15/Drucksachen/0000/15_0775_d.pdf

http://ak-fondumsetzungheimerziehung.over-blog.de/article-verzichtserklarung-90007816.html

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:M%C3%BCttergenesungswerk_Sammelb%C3%BCchse.jpg&filetimestamp=20071227164625

 

Heimkinder, Heimopfer, Runder Tisch Heimerziehung, Antje Vollmer, Baden-Württemberg, Opferfonds, Verzichtserklärung, Evangelische Kirche, Katholische Kirche,

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Published by Helmut Jacob
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