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17. November 2010 3 17 /11 /November /2010 23:42

... Kirchen verweigern Buße

dierk_schaefer.jpg

 

Bad Boll.  Vor einem Jahr hat Pfarrer i.R. Dierk Schäfer aus Bad Boll die Kirchen zur Buße an misshandelten ehemaligen Heimkinder aufgerufen. Am heutigen Buß- und Bettag verstreicht die Frist, die er gesetzt hat - ohne Erfolg.
Unzählige Heimkinder sind in der Nachkriegszeit bis in die 70er-Jahre von Heimbediensteten gedemütigt, misshandelt, zur Zwangsarbeit gezwungen oder gar missbraucht worden. Die Bundesregierung hat einen Runden Tisch eingerichtet, der die Mis sstände aufarbeiten soll. Aber das ist für Dierk Schäfer, der im Laufe seiner Tätigkeit an der Evangelischen Akademie Bad Boll tief in dieses dunkle Kapitel vorgedrungen ist, nur Geplänkel. Das Gremium eiere um die Kernfrage der Entschädigungen herum, sagt er.

 

Um die Dinge auf den Punkt zu bringen, hat er vor einem Jahr einen Bußaufruf an die Kirchen gestartet, weil er von ihnen Sühne erwartet und zu einem Anwalt der Opfer geworden ist. Die Kirchen hätten die meisten Heime betrieben und sollten sich ihrer Verantwortung stellen - gerade auch als Vertreter des Christentums. Es gehe dabei auch um ihre Glaubwürdigkeit. ...
Warum die Kirchen den Aufruf ignorierten, ist dem Kirchenmann aus Bad Boll klar. "Ich bin ein Nobody, auch in der Kirchenhierarchie", sagt er. Er stehe nun mal nicht auf Augenhöhe mit einem Bischof. Zudem seien die Kirchenoberen in ihren Entscheidungen eingeschränkt, weil sie verschiedene kirchenpolitische Strömungen ausbalancieren müssten. Man habe es mit Apparaten zu tun, die "eben auch von dieser Welt sind" und mit Hierarchien, in denen Apparatschiks säßen, aber "manchmal auch oben doch noch ein Mensch." Die Kirchen wählten einen bequemen Weg; am Runden Tisch segelten sie im Kielwasser von staatlichen Vertretern, die sich benähmen wie Versicherungsmanager, die sich vor dem Begleichen eines Versicherungsfalls drücken. Und den Korpsgeist gebe es auch noch. Ein geschätzter Kollege habe ihm zu bedenken gegeben, dass "wir Pfarrer" wohl die letzten seien, die ihre Kirche zur Buße rufen könnten. Schäfer widerspricht: "Wer, wenn nicht wir?" ...
Für die Opfer sei es ebenfalls keine Überraschung, dass die Kirchen nicht reagierten, weiß der Geistliche. Sie erwarteten als gebrannte Kinder von diesen Institutionen ohnehin nichts. Es sei schon viel, dass er, ein Pastor, für viele zu einer Vertrauensperson geworden sei. ...
http://www.swp.de/goeppingen/lokales/voralb/art5775,720156

 

KOMMENTAR · KIRCHE: Chance weggeschnippt
Die Hoffnung stirbt zuletzt - und an diesem Buß- und Bettag jene Hoffnung, dass die Kirchen so handeln wie sie predigen. Ins Leere gelaufen ist der Aufruf des Bad Boller Theologen Dierk Schäfer an die Kirchen in Deutschland, sie sollten sich zu ihrer Verantwortung für die misshandelten Heimkinder in der Nachkriegszeit mit tätiger Buße bekennen. Die Frist, die ihnen Schäfer gesetzt hat, verstreicht mit dem heutigen Bußtag.
Die Kirchen haben ignoriert, was ihres Amtes gewesen wäre. Buße tun, ein klares Bekenntnis zur schuldhaften Vergangenheit in ihren Heimen und die Hinwendung zum Leid der Opfer. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Schäfer hat ihnen eine Steilvorlage gegeben, zu ihrer Rolle zu finden und wenigstens jetzt Menschenliebe zu praktizieren, wenn schon die Vergangenheit nicht mehr zu ändern ist. Die Kirchen haben diese Chance schnöde weggeschnippt. Sie nehmen lieber den breiten Weg, den bequemen, der zum Runden Tisch auf Bundesebene führt. Der eignet sich zum Taktieren und Bremsen.
Unendlich traurig. Vorbei die Vision, dass sich die Kirche aus eigener Kraft, initiiert von einem Pfarrer aus Bad Boll, ein Stück weit selbst erneuert. Dierk Schäfer wäre der richtige Starthelfer gewesen. Er kümmert sich seit langem um die Opfer und ihre Nöte. Die Kirche müsste sich über so einen Experten eigentlich freuen. Stattdessen übergeht sie ihn geflissentlich. JÜRGEN SCHÄFER
http://www.swp.de/goeppingen/lokales/goeppingen/art5583,719916


Das Leid der Opfer lindern
Zu tätiger Buße hat Pfarrer i. R. Schäfer aus Bad Boll die Kirchen aufgerufen, und damit meint er außer einem Bekenntnis zu ihrer Verantwortung auch das Bemühen, das Leid der Opfer zu lindern.
Die ehemaligen Heimkinder wollen eine Entschuldigung und Entschädigung. Schäfers Standpunkt: Ein Entschädigungsfonds solle die Therapiekosten der Opfer und die ihnen entgangene Rente für die Zwangsarbeit abdecken; dazu ein Schmerzensgeld. Für einen guten Ansatz hält er eine monatliche Opferrente von zirka 300 Euro. Dies dürfe nicht auf andere Leistungen angerechnet werden. Viele frühere Heimkinder müssten von Hartz IV leben.
Schäfer ist selbst schon von dem Runden Tisch, der zur Aufklärung der Vergehen an Heimkindern eingerichtet wurde, zu einer Anhörung eingeladen worden. Ein eher unerfreuliches Erlebnis, berichtet er. "Ein echter Meinungsaustausch war nicht vorgesehen", er sei angehört und dann wieder verabschiedet worden. Resonanz: Keine.
http://www.swp.de/goeppingen/lokales/goeppingen/art5583,719729




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Published by Helmut Jacob
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