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11. April 2014 5 11 /04 /April /2014 14:46

Für seine Behinderung hat Jürgen Friedrichs ein biblisches Alter erreicht. Er ist nun über 60 Jahre. Um im häuslichen Bereich leben zu können, stehen ihm Assistenten und Assistentinnen zur Seite. Damit die nachts ihre Ruhe finden, hat sich Friedrichs ein Bett mit elektrischem Lattenrost ausgesucht, dessen Bedienung er selbst vornehmen kann. Die Tasten der Fernbedienung sind so angeordnet, dass er sie mit seinen gelähmten Fingern betätigen und Fußteil und Rückenteil selbst aufrichten oder in die Waagerechte bringen kann.

Plötzlich - die Rückenlehne war nach Bedienung des Schalters ganz oben - machte der Motor „klack,klack,klack,klack“. Die Rückenstütze fuhr nicht mehr hinunter. Das Sanitätshaus wurde angerufen und ein ziemlich forscher Mitarbeiter besah sich den Schaden. „Ich muss das selbe Lattenrost wieder haben, um es bedienen zu können“, meinte Jürgen und erhielt die knappe Antwort: “Ham wa nicht!“ Friedrichs darauf: „Können Sie nicht mal nachforschen?“ Der Techniker, oder was er auch darstellt: „Die gibts nich mehr, die wurden alle ausrangiert.“ Er führte eine der neuen Fernbedienungen vor und Friedrichs sollte auf die Tastatur drücken. Sie sind hinter einer Folie eingebettet und Friedrichs konnte nicht eine einzige Taste drücken. Der Mitarbeiter zog wieder ab.

Also machte sich Jürgen an die Arbeit und durchforstete das Internet. Er besah sich hunderte Fotos von Lattenrosten und entdeckte jede Menge solcher, die noch diese runden Knöpfe ohne Überzug hatten. Schon wollte Friedrichs Angebote anfordern, da kam ein älterer, graubärtiger, freundlicher Mitarbeiter der Firma am nächsten Morgen vor 9 Uhr, um eine Reparatur zu versuchen. Die mißlang, so erzählt Friedrichs, aber er habe wohl auf der Straße viel telefoniert. Noch am selben Abend betrat ein junger Mann die Wohnung, mit gepflegtem Bart und Jürgen erzählt: „Der hinterließ sogar nachhaltige Eindrücke bei meiner Assistentin.“

Der junge Mann, er heißt - das kann Friedrichs dem Auftragszettel entnehmen - Reinschmidt, machte sich ans Werk. Friedrichs: „Der erzählte meiner Assistentin, er habe noch eine Fernbedienung der gleichen Bauart aus dem Müllcontainer gerettet, sei auf dem Dachboden des Sanitätshauses herumgekraxelt und habe noch eine große Kiste genau solcher Motoren gefunden.“ Friedrichs war verwirrt; hatte doch der erste Techniker sofort gesagt: „Ham wa nicht!“ Friedrichs nahm den jungen Techniker nach erfolgter Reparatur in die Pflicht: „Sorgen Sie bitte dafür, dass diese Motoren nicht weggeworfen werden!“ Der junge Mann meinte, er habe schon entsprechende Notizen angefertigt.

Zum Abschied dankte Friedrichs: „Sie sind ein Segen für die behinderte Menschheit.“ Techniker Reinschmidt sei sichtlich verlegen gewesen, aber habe gemeint, dass solch ein Lob auch wohltut.

Friedrichs bat den Blogbetreiber: „Damit er sich an dem Lob erfreuen kann, wenn es ihm nicht so gut geht, mach `ne schöne Geschichte draus!“

 

Voilà, hier ist sie, die Geschichte, als kleiner Dank an Techniker Reinschmidt.

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Published by Helmut Jacob
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