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6. November 2012 2 06 /11 /November /2012 10:29

Dierk Schaefers Blog

»Der harmlose Gott führt zur Gotteskrise«


Posted in heimkinder, Kirche, Menschenrechte by dierkschaefer on 5. November 2012


Von „kultureller Amnesie“ und der „Totalität der Gegenwart“ sprach der Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, auf der EKD-Synode in Timmendorfer Strand. Schon die Frage nach Gott sei vielen Menschen unverständlich.

Woran mag das liegen? Schneider suchte anscheinend nicht die Erklärung dafür in der Wirkungslosigkeit der Didaktik von Religionsunterricht und Predigt, sondern ging dem Problem inhaltlich auf den Grund. Wenn die Kirchen einen „immer freundlichen, nur harmlosen, kumpelhaften Gott verkündigten“, bestehe die Gefahr der Selbstsäkularisierung. Eine Religion, die Gott nicht mehr nah und fremd, vertraut und verstörend zugleich sein lasse, verliere an Tiefe.

Schneider will also den verborgenen und unheimlichen Gott, den deus abscondituswieder beleben. Dazu kann ich ihm Anleihen bei den alttestamentlichen Gottesbildern empfehlen, etwa den Gott, der die große Klospülung, genannt Sintflut betätigte, um (fast) die gesamte Menschheit auszurotten, oder den Gott, der sein Volk schwarzpädagogisch auf den rechten Weg führen wollte. Auch der Gott Abrahams bietet sich an, der ihm befahl, seinen Sohn zu opfern (es dann aber doch verhinderte) und auch der Gott, der seinen eigenen Sohn opferte.

http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/8127248152

Lauter menschliche Gottesbilder, die interpretationsfähig und –bedürftig sind.

Schneider könnte auch als ökumenische Geste die Lehre vom Fegefeuer anerkennen.

http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/6273737520/

Doch so weit müssen wir gar nicht zurückgreifen. Viele Leser dieses Blogs haben den verborgenen und unverständlichen Gott als Heimkinder am eigenen Leibe erlebt und die „Schläge im Namen des Herrn“ nicht vergessen. Ihre Seelen tragen die Narben bis heute. Hätte Herr Schneider an den furchtbaren Gott der Heimkinder gedacht, hätte er wohl nicht die Ehrenrettung Gottes in der Flucht in vergangene Zeiten gesehen.

Seine Diagnose am Krankenbett der Kirchen ist falsch und sein Therapieplan ebenso.

Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für das Reformationsjubiläum wird man doch wohl fragen dürfen, was von Luthers damals wichtigster Frage geblieben ist, nämlich wie er einen gnädigen Gott finde. Diese Frage hat Luther beantwortet, uns aber dennoch keinen harmlosen Gott hinterlassen. Unabhängig von der Gnade Gottes ist seine Forderung an uns. Biblisch gesprochen ist es die Forderung nach Nächstenliebe und (ge)rechtem Handeln. Modern, säkular gesprochen die Forderung auf Achtung und Verwirklichung von Menschenrechten. Hier hätte Herr Schneider sehr viele Beispiele für Menschenrechtsverletzungen nennen können, Aufgabenfelder für die Christen. Gewiß, die Kirchen setzen sich auf diesen Gebieten ein – doch dort, wo sie selbst versagt haben und versagen, versuchen sie sich den Anforderungen trickreich zu entziehen. Ihre Rituale sollen’s richten. Amos 5; 21: „Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen“.

(Die Informationen über Herrn Schneider und manche Formulierungen sind der heutigen Print-Ausgabe der FAZ entnommen. Das beigefügte Bild von der Segensspendung des Bischofs Gerhard Ulrich (Schleswig) zeigt lauter Gesichter, denen die Unattraktivität heutiger kirchlicher Verkündigung anzusehen ist).

Es gibt übrigens eine treffende Karikatur von Hans-Georg Rauch, die ich aus ©-Gründen hier nicht zeigen kann. Er zeichnet den im Bett liegenden, ruhig schlafenden deutschen Michel. Im Arm hält er eine Art Gartenzwerg-Figur. Sie trägt das Dreieck als Zeichen Gottes auf dem Kopf. Dieser harmlose Gott wird den Kirchen nichts antun. – Wenn das kein Trost ist!

http://dierkschaefer.wordpress.com/2012/11/05/der-harmlose-gott-fuhrt-zur-gotteskrise/

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Published by Helmut Jacob
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