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16. Juni 2013 7 16 /06 /Juni /2013 14:29

Unter der Schlagzeile „Der Horror am Waldrand“ berichtet die taz in ihrer Ausgabe vom 15.06.2013: „Der Staat schickt Kinder und Jugendliche in Heime der Haasenburg GmbH, in denen brutaler Drill herrscht. Die Behörden wissen von den Missständen.“

Es folgt die Schilderung einer „Antiaggressionsmaßnahme“ mit einer 17jährigen Frau, deren Name geändert ist. Demnach soll Hanna die Aufnahme von Nahrung und Medikamenten verweigert haben. Laut Protokoll hat man ihr zwangsweise den Kopf festgehalten und nach weiterer Gegenwehr beide Hände verbunden, „da sie an den Fingern pult“. Hanna wehrt sich, der Erzieher hält weiterhin ihren Kopf fest. Hanna „schlägt Kopf heftig auf Liege. Erzieher hält Kopf wieder fest.“ Und so weiter und so weiter.

Laut Protokoll hat diese Behandlung von 20 Uhr bis 1 Uhr nachts gedauert. Grund für diese Behandlung: „Befolgte Anweisung nicht, ging selbständig auf den Flur“.

Hannas Spezialbehandlung war „Teil des Konzepts“. Laut taz wurden ihr tausende Dokumente zugespielt: „Das Protokoll der Anti-Aggressionsmaßnahme schildert keine Überreaktion oder Entgleisungen Einzelner. Vielmehr hielten sich die Erzieher an formalisierte Regeln.“

http://www.taz.de/Kinderheim-in-Brandenburg/!118139/?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter

Andere Menschen bezeichnen solche Maßnahmen als Folter. Hannas Reaktionen sind nachzuvollziehen. Es sind auch Trotzreaktionen, ist altersentsprechendes oppositionelles Verhalten. Der Umgang des Personals mit diesem Mädchen dokumentiert eins: ihre völlige pädagogische Unfähigkeit.

Wie hätte Hanna reagiert, wenn eine Erzieherin (statt eines Erziehers; etliche Kinder sollen sexuelle Gewalt im Elternhaus erfahren haben) sie in den Arm genommen, an sich gedrückt hätte und ihr tröstend über das Haar gestrichen hätte?

Diese Folterungsmethoden erinnern mich an das Schwarze Kapitel insbesondere der Kirchen in den Nachkriegsjahrzehnten. Fixieren, zwingen, demütigen und dauerstressen waren auch in dieser Zeit beliebte „Erziehungsmethoden“. Das Zwangsstopfen von Nahrung in kleine Kinderhälse wird in Berichten von Opfern der Orthopädischen Anstalten Volmarstein (heute Evangelische Stiftung Volmarstein) auf der Homepage der „Freien Arbeitsgruppe JHH 2006“ detailliert beschrieben.

Auch ein ehemaliger Praktikant dokumentierte seine Beobachtung: „Die beiden Diakonissen der Mädchenschulstation hatten ein schmächtiges, elend aussehendes Würmchen auf den Boden gelegt, knieten sich auf Arme und Beine, und während die eine den Kopf festhielt und ihm den Mund aufriß, schaufelte die andere ( man kann es wirklich nicht anders bezeichnen ) das Essen, Kartoffel, Fleisch und grünen Salat in den Mund. Was das Kind erbrach wurde wieder mit hineingeschaufelt. Begleitet wurde das Ganze von einem herzzerreißenden Geschrei des Mädchens.“ Der Praktikant Jochen Twer, Diakon, weiter: „Ich war unfähig zu handeln. Der freie Nachmittag, der das Essen beschloß, bewirkte durch endloses Wiederholen dieses Dokumentarfilms, begleitet von Herz- und Magenkrämpfen, einen hohen Grad an Erholung und Entspannung. -  Sieht es so hinter allen Anstaltsmauern aus?“

http://gewalt-im-jhh.de/Auszug_aus_einem_Praktikumsber/auszug_aus_einem_praktikumsber.html

Ja so sah es hinter allen Anstaltsmauern aus. In dieser Hinsicht war Volmarstein überall.

Und es scheint so zu sein: Die Gewalt wiederholt sich mehr und mehr, das Personal wird wieder unfähig, die Personaldecke ist schon wieder zu dünn, die Träger der Heime wollen nur eins, Umsatz machen.

 

Kinderheim, Zwangsfüttern, Fixieren

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Published by Helmut Jacob
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