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2. Januar 2011 7 02 /01 /Januar /2011 19:08
13.12.2010

Evangelische Kirche: Keine Pauschalentschädigung für Heimkinder

 

EKD-Kirchenamtspräsident erkennt aber Verantwortung für erfahrenes Leid an

Heinlein: Sind Sie stolz auf die Ergebnisse des Runden Tisches?

Anke: Ich begrüße sehr, dass der Runde Tisch nun eine einstimmige Lösung, einen einstimmigen Lösungsvorschlag gefunden hat und auch die Bewertung der Heimerziehung in den 50er- und 60er-Jahren sich einstimmig zu eigen gemacht hat, so wie es heute Frau Dr. Vollmer im Abschlussbericht vorstellen wird.

Heinlein: Wie war denn, Herr Anke, die Atmosphäre bei den Schlussverhandlungen? Ging es zuletzt vor allem ums Geld, also Entschädigungszahlungen ja oder nein?

Anke: Es war wichtig, dass es nicht nur ums Geld gegangen ist, aber es ging natürlich auch um die Frage, wie konkret Heimkindern jetzt geholfen werden kann, die bis heute andauernden Folgen zu bewältigen.

Heinlein: Warum gibt es denn keine pauschale Opferrente für jedes Heimkind?

Anke: Wir haben in den Beratungen und in den Expertisen und in den Berichten der Heimkinder am Runden Tisch gehört, dass die Heimerziehung in den 50er- und 60er-Jahren sehr vielgestaltig war, dass Leid und Unrecht vielfach geschehen ist in den Einrichtungen, aber dass es doch so vielgestaltig ist, dass man nicht einfach eine pauschale Regelung, eine pauschale Bewertung unrechtspauschal in der Heimerziehung der 50er- und 60er-Jahre feststellen kann.

Heinlein: Also im Klartext: Nur wer jetzt nach 20, 30 Jahren noch nachweisen kann, dass er gequält und erniedrigt wurde, der kann dann mit einer Entschädigung rechnen, die anderen nicht?

Anke: Es geht vor allen Dingen darum, diejenigen, die heute noch darunter leiden, denen zu helfen, dass dieses Leid bewältigt werden kann. Also diejenigen, die etwa Therapien brauchen, dass man ihnen hilft, die richtige Therapie zu finden und diese Therapie zu finanzieren. Oder diejenigen, denen etwa Ausbildung in der Zeit der Heimerziehung vorenthalten wurde, weil sie zur Arbeit herangezogen wurden, dass dieses nachgeholt werden kann, wenn das heute möglich ist.

Heinlein: Wäre es nicht angemessener gewesen, Herr Anke, nach all diesen Jahren den Betroffenen diese Einzelfallprüfung zu ersparen?

Anke: Man kann diese Einzelfallprüfung deswegen nicht ersparen, weil wie gesagt die Heimerziehung relativ unterschiedlich war. Es war so, dass in vielen Gruppen schon das Leid und Unrecht so war, dass man es nicht einfach über einen Kamm scheren kann, sondern dass sehr unterschiedliche Herangehensweisen dort waren. Deswegen ist es wichtig, dass geguckt wird, wie ihnen jetzt heute geholfen werden kann.

  zeichen-setzen

Für Verbrechensopfer unter evangelischen Dächern mit starken Nerven: das komplette Interview:

http://www.dradio.de/aodflash/player.php?station=1&broadcast=196841&datum=20101213&playtime=1292221128&fileid=b889bc0b&sendung=57967&beitrag=1340632&/

Link defekt? :

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Runder_Tisch_Heimkinder__Vollm/anke_ekd_zu_rth_dlf_131210.mp3

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Published by Helmut Jacob
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