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12. November 2010 5 12 /11 /November /2010 15:21

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Nikolaus Schneider will über eine „Geste der finanziellen Hilfe zur Bewältigung oder Linderung der aktuellen seelischen Verletzungen“ nachdenken

 

... und verschweigt die behinderten Heimopfer unter evangelischer Trägerschaft

 

An den Ratsvorsitzenden

der Evangelischen Kirche in Deutschland

Herrn Nikolaus Schneider

Fax: 0511 / 27 96 – 707

Email: info@ekd.de

 

 

 

Bericht des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland im November 2010

 

Sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender!

 

„Die Glaubwürdigkeit der Kirche ...
Mit den ehemaligen Insassen von Volmarstein stehe ich in regelmäßigem Kontakt und so sah ich auch den Kommentar Ein Kaffeekränzchen bei der Diakonie, von Helmut Jacob.
(http://www.readers-edition.de/2010/08/18/ein-kaffeekraenzchen-bei-der-diakonie/)
Als Pfarrer interessiert mich natürlich, was die Kirche, in diesem Fall Ihre Landeskirche, nun tatsächlich für die Opfer von damals tun wird. Schließlich hängt die Glaubwürdigkeit der Kirche auch davon ab, wie sie mit ihrer Vergangenheit umgeht. Ein Verweis auf den Runden Tisch erscheint mir nicht ausreichend. Sie kennen sicherlich die wissenschaftliche Arbeit über Volmarstein und damit die damaligen Verhältnisse.
s. auch: http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/03/21/im-herzen-der-finsternis/
Insofern muß man auf die Ergebnisse des Runden Tisch wirklich nicht mehr warten, zumindest was Volmarstein betrifft. Sie werden sich bestimmt schon Gedanken gemacht haben.“
Der Diplomtheologe/Diplompsychologe Dierk Schäfer an die Evangelische Kirche

 

„Öffnete man in den 1950er und 1960er Jahren die Tür zum Johanna-Helenen-Heim, so sah man in einen Abgrund der Willkür, der Zerstörung, der Gewalt, der Angst und der Einsamkeit. Man blickte in das „Herz der Finsternis“.

Die Historiker Dr. Ulrike Winkler und Prof. Hans-Walter Schmuhl - am 26. März 2009 in der Martinskirche der Evangelischen Stiftung Volmarstein - zum Schluß der Zusammenfassung ihrer Forschungsergebnisse.

 

Hier finden Sie zwei Hinweise darauf, dass Sie über die Verbrechen an behinderten Klein- und Schulkindern in den damaligen Orthopädischen Anstalten Volmarstein informiert sind. Das erste Zitat stammt aus einem Brief des Herrn Schäfer an die Evangelische Kirche. Das zweite finden Sie auch in dem Buch, das Sie nach eigenem Bekunden der Gesprächspartnerin Erika Tkocz gegenüber bereits haben. Frau Tkocz überreichte Ihnen dennoch im Auftrag der „Freien Arbeitsgruppe JHH 2006“ ein weiteres Exemplar des Buches "Gewalt in der Körperbehindertenhilfe - Das Johanna-Helenen- Heim in Volmarstein von 1947 bis 1967".

 

Darum bin ich entsetzt darüber, dass Sie in Ihrem Jahresbericht (3. Tagung der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland 7. bis 10. November 2010 in Hannover) auf diese Verbrechen an den Hilflosesten der Gesellschaft mit keinem Wort eingegangen sind. Zwar finden Sie Worte zur Arbeit am „Runden Tisch Heimerziehung“, sparen aber das besonders schwarze Kapitel Ihrer Kirche aus. Auch den vielen Säuglingen, die unter dem Dach Ihrer Kirche zu gequält wurden, widmen Sie kein einziges Wort. Wie erklären Sie uns dieses Versäumnis?

 

Lassen Sie mich auch darauf hinweisen, dass veränderte oder fehlende Formulierungen in dem mündlichen Bericht und in dem schriftlichen Bericht, der auf der Homepage der Evangelischen Kirche abrufbar ist, festzustellen sind. Ich habe diese veränderten Formulierungen einmal herausgearbeitet. Sie finden sie auf der Homepage der „Freien Arbeitsgruppe JHH 2006“ unter folgendem Link:

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Wiedergutmachung_der_Kirchen__/wiedergutmachung_der_kirchen__.html

 

Kann man zunächst Verständnis dafür haben, dass in der schriftlichen Fassung eines Vortrages durchaus Veränderungen üblich sind, weil sich der Vortragende versprochen hat oder wichtige Aspekte hinzugefügt haben möchte, so sind diese an Ihrem Bericht vorgenommenen Veränderungen von besonderer Bedeutung. Im mündlichem Bericht sagen Sie: „Wir beklagen und bedauern dieses Versagen zutiefst. Genau das ist es, was der Heidelberger Katechismus meint: um unsertwillen wird der Name Gottes schlecht gemacht.“ Ähnlich äußern sie sich auch zu den sexuellen Übergriffen wenig später. Im schriftlichen Bericht fehlt dieses Bedauern über das Versagen allerdings komplett, und der Begriff „sexuelle Übergriffe“ wird ausgetauscht gegen „solche Übergriffe“. Ferner wird im schriftlichem Bericht die Verantwortung eher den Tätern, nicht den kirchlichen Heimträgern zugesprochen. Ich wage zu bezweifeln, ob diese verschiedenen Wiedergaben ein und des gleichen Vortrags wirklich das verlorene Vertrauen in die Institution Evangelische Kirche wieder herstellt.

 

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche schreibt auf ihrer Homepage:

Zum Runden Tisch Heimerziehung führte der Ratsvorsitzende aus, es sei eine wichtige Erkenntnis, dass die Misshandlung vieler „Heimkinder“ in den 50-er und 60-er Jahren nicht einfach individuellen Übergriffen zuzuschreiben, sondern auch durch eine „zum System gewordene Erziehungskonzeption“ bedingt sei. Dies rechtfertige es, so Schneider weiter, in Hinsicht auf die betroffenen ehemaligen „Heimkinder“ auch über eine „Geste der finanziellen Hilfe zur Bewältigung oder Linderung der aktuellen seelischen Verletzungen“ nachzudenken.

 

Dazu Dierk Schäfer in seinem Blog-Beitrag unter dem Titel „Dies irae“ (Tag des Zorns):

„Weiß Nikolaus Schneider, daß sein Namensvetter Sankt Nikolaus, tatsächlich tätig wurde? Mit drei Goldklumpen bewahrte er drei junge Mädchen vor sexuellem Mißbrauch.“

 

Dazu Prof. Manfred Kappeler in „Vom ‚Zwischenbericht‘ des Runden Tisches Heimerziehung zum Entwurf des ‚Endberichts‘ – Zwischen den Zeilen gelesen II“:

„Eine neue Dynamik würde entstehen, wenn ein Glied der „Verantwortungskette“ den Mut aufbringen würde, den Verweis auf die Kettendisziplin aufzugeben, öffentlich seinen Beitrag zur Entschädigung zu beziffern, zu versichern, diesen Betrag auch unabhängig von der Entscheidung der anderen „Kettenglieder“ zu zahlen. Mit der Wahrnehmung seiner ethischen und moralischen Verantwortung für das in den eigenen Heimen den Kindern und Jugendlichen angetane Unrecht und Leid, würde dieses „Kettenglied“ die Anderen in der „Kettenglieder“ auffordern, diesem Beispiel zu folgen. So ein Schritt – Heraus aus der Verschanzung hinter „den Anderen“ und „noch nicht geklärten Beträgen und Verfahrensweisen“ – stünde den beiden Kirchen und ihren Wohlfahrtsverbänden gut an. Sie würden damit ihrer von ihnen immer wieder reklamierten Bedeutung als das soziale Gewissen der Gesellschaft gerecht. Die „Verantwortungskette“ ist gegenwärtig eine Verantwortungsverhinderungskette geworden.“

 

Sicher werden Sie auch auf diesen Brief nicht reagieren. Darum stelle ich ihn direkt ins Internet. Die Evangelische Kirche wird nicht mehr – wie schon so oft in ihrer Geschichte – behaupten können, nichts gewußt zu haben.

 

Mit freundlichem Gruß

Helmut Jacob

12. 11. 2010

 

http://www.evlka.de/content.php?contentTypeID=4&id=14798

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Wiedergutmachung_der_Kirchen__/wiedergutmachung_der_kirchen__.html

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Statements_Prof__Manfred_Kappe/Kappeler_zu_Entwurf_Endbericht_RTH.pdf

http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/11/10/am-bus-und-bettag-vorigen-jahres-habe-ich-einen-busaufruf-an-die-beiden-groskirchen-in-deutschland-gerichtet/

 

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Published by Helmut Jacob
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