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15. Juli 2014 2 15 /07 /Juli /2014 14:26

„Schreib doch mal einen kritischen Kehrbesen zur WM“, wurde ich aufgefordert, „du kannst doch so frech kommentieren!“

Och, nö! Muss das sein? Soll ich mich über 22 millionenschwere Litfasssäulen äußern, die sich gegenseitig die Schienbeine zertrümmern und auch mal zubeißen, wenn sie ihre asoziale Kehrseite zeigen? Soll ich mich über einen „Sport“-Verband ärgern, der bis zu den Haarwurzeln korrupt ein armes Land belogen und betrogen und noch ärmer gemacht hat? Soll ich mich darüber auslassen, daß meine Befürchtung sich zu bestätigen scheint: Der Mensch stammt doch vom Affen ab? Jedenfalls kamen mir angesichts des öffentlichen Gebrülles die Brüllaffen im Dortmunder Tierpark vor die Augen, die erst die Backen aufplustern, um dann aus Leibeskräften loszubölken. Soll ich mich darüber ergießen, daß dieses Ineinanderverkeilen nach einem Tor mich an Bonobo-Äffchen erinnern, die bei Stress und Freude dermaßen in inniger Liebe versinken, daß man sie in Zoos nur noch versteckt hält, weil die Kinder zu oft fragen: „Mama, was machen die da?“.

 

Och, nö, mein Thema sind die Ballmädchen und -jungen.

Ihnen steht der Stolz ins Gesicht geschrieben, darüber, daß sie mit einem angeblichen Star in ein Stadion laufen dürfen. Wie viele litten die Nacht vorher unter Magenkrämpfen vor Aufregung? Wie viele haben Herzbubbern in den Gängen, aus denen sie mit ihrem Idol aufs Spielfeld laufen dürfen? Und da stehen die armen Kleinen, rechts und links an Gangwände gedrückt, neben ihnen die Balltreter und kaum einer von ihnen beachtet den kleinen Jungen, das kleine Mädchen neben sich. Erst im Endspiel sah ich, wie ein Argentinier einem Kind mal eben mit der Hand über den Kopf fuhr, und wie das Kleine strahlte. Manchmal ist man gezwungen, Fernsehübertragungen zu ertragen, die man gar nicht mag. Dazu gehört Fußball. Trotzdem tut man dem Gegenüber den Gefallen und leidet still, - diesmal für die Kinder. Im Internet sah ich in einem Video – es muss schon einige Jahre älter sein –  wie sich ein Balltreter im Tunnel in der Nase popelte. Er schaute auf seinen Zeigefinger und - da war was drauf. Ihm kam eine sehr verkommende Idee: Er tätschelte dem Ballkind die Wange und strich ab.

Mag sein, daß die Kinder schon vorher Zuwendungen von ihren Idolen erhielten. Mag sein. Aber die 22 Ballermänner sind auch Repräsentanten, sowohl eines Staates, wie auch eines als Sportveranstaltung getarnten Werbeevents. Und da haben sie mächtig versagt. Man sollte die Kinder aus dem Spiel lassen.

Fußballweltmeisterschaft 2014, Fußball-WM, Ballmädchen, Balljungen, 

 


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Published by Helmut Jacob
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