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9. Juni 2013 7 09 /06 /Juni /2013 18:50

Meine Meinung zuerst

Die nachfolgende Pressemitteilung des Bayerischen Landtags muss man sich nicht hereinpfeifen, weil sie ein Abklatsch anderer ähnlicher Auswürfe von Landtagen ist.

Ich habe mich trotzdem geknechtet, um meine Meinung loszuwerden. 

Wäre die Pressemitteilung im Oktober erschienen, hätte ich glatt gedacht: Hier hat in bierseliger Laune ein Ausschuss des Landtages im größten Bierzelt ne flotte Fete geschmissen. Ich hätte die Hände betend zum Himmel gerungen: „Herr decke ihre Mängel mit Deiner Huldigkeit!“ Und dann: Schwamm drüber. Aber es ist erst Juni und so bleibt die Vermutung, dass die Bayern nüchtern waren, als sie das „Expertengespräch“ feierten. 

Zusammengefasst ergibt die Meldung: Zwei „ehemalige Heimkinder“ durften sich wieder einmal richtig auskotzen, was ja auch nötig ist. Die Wahrheit und die Forderungen der Opfer müssen den heutigen Rechtsnachfolgern des damaligen Verbrechenssystems immer wieder in die Birne gebrüllt werden, damit sie endlich checken, dass nur eine von den Opfern akzeptierte Entschädigung ihr Leid ein wenig kompensieren kann. 

Ansonsten saßen da ziemlich unbedeutende Personen, die wahrscheinlich mit mitleidigem Dackelblick ihre Ohren zu den ach so armen Heimkindern neigten, damit sie stellvertretend für zig Hunderttausende noch einmal Dampf aus dem Kessel lassen konnten. 

Man ahnt bereits das Ergebnis dieses „Expertengespräches“: Es wandert in die „Rundablage“, also in den Papierkorb. Diplomatisch umschrieben, damit kein Ex-Heimkind es merkt, heißt dieser Vorgang: „Die Ausschussvorsitzende Brigitte Meyer (FDP) ... sagte den ehemaligen Heimkindern zu, all die angesprochenen Forderungen an den Lenkungsausschuss weiterzuleiten, ...“

Kapieren die es nicht oder wollen sie die Opfer ihres Landes noch einmal so richtig vereimern? Dem Lenkungsausschuss sind diese Forderungen längst bekannt. 


Dank an die „Freie Initiative Ehemaliger Heimkinder“ für die Steilvorlage.

http://www.fi-ehk.de/forum/board/index.php?page=Index&s=37b4d6f59d26e93c55c8fed078c14776e771609a


Hier nun die Pressemitteilung:

Fachgespräch mit Experten zum Thema „ehemalige Heimkinder“

Donnerstag, 6. Juni 2013

– Von Edwin Raithel –

Sie wurden geschlagen und missbraucht – jetzt sollen ehemalige Heimkinder aus einem 120-Millionen-Fonds von Bund, Ländern, Kommunen und den beiden christlichen Kirchen entschädigt werden. Ist dies nur eine „billige Abspeisung“ und was kann der Bayerische Landtag tun? Darüber diskutierten im Sozialpolitischen Ausschuss am 6. Juni Abgeordnete mit den Betroffenen und Vertretern von Kirchen, Universitäten, Jugendämtern, Kliniken und vom Zentrum Bayern Familie und Soziales.

Nach Petitionen an den Bayerischen Landtag hatte sich der Sozialausschuss bereits vor einem Jahr, am 6. Juni 2012, mittels einer Anhörung mit dem Anliegen der Heimkinder in Bayern beschäftigt. Dieses Thema sei über die Fraktionsgrenzen hinaus behandelt worden, betonte nun die Ausschussvorsitzende Brigitte Meyer. Als Beispiel nannte sie gemeinsame Anträge aller Fraktionen. Meyer: „Auch ist der Wunsch nach einem 'Runden Tisch' laut geworden. Welche Erwartungen haben die ehemaligen Heimkinder?“

Sonja Djurovic (Niddatal) ist „wütend über die Heimerziehung der 50er Jahre, da Vieles unter den Tisch gekehrt wird“. Weiter geht es hier: https://www.bayern.landtag.de/de/7538_10398.php

 

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Published by Helmut Jacob
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