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11. Mai 2014 7 11 /05 /Mai /2014 15:20

Sie wurden geschlagen, mussten Erbrochenes essen, wurden teils vergewaltigt, ihr Wille wurde gebrochen, manchmal waren sie Versuchskaninchen für Medikamente, die Religion allerdings wurde ihnen konfessionsübergreifend eingebläut: Ehemalige Heimkinder West.

Im Jahr 2006 wurde ein „Runder Tisch Heimerziehung“ in Berlin installiert, mit der ehemaligen Pastorin Antje Vollmer als Vorsitzende und mit einem auserwählten Kreis von überwiegend Juristen aus der Politik und den großen Kirchen besetzt. Drei willkürlich ausgesuchte ehemalige Heimkinder wurden als Opfervertreter berufen. Seitens der Opfer fanden sie keine Legitimation.

Der Opferfonds West wurde mit 120 Mio. Euro bestückt, davon 20 Mio. für sogenannte Rentenersatzansprüche und 100 Mio. zum Ausgleich der Folgeschäden der Heimzeit.

In der Onlineausgabe des Wochenmagazins „Die Zeit“ vom 30. Januar 2014 berichtet die Internetpräsenz: „West-Heimkinder meiden Hilfsfonds ... Anders als der Fonds für Opfer brachialer Heimerziehung in der DDR ist der Fonds für Westdeutschland gut gefüllt. Dort fürchten offenbar viele Opfer die Öffentlichkeit.“

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-01/heimkinder-fonds-entschaedigung

Die Ausgabe zitiert die Mitinitiatorin des Fonds Heimerziehung West, Heidelore Rampp: „Ich kann nur an alle appellieren, die Scham zu überwinden und die Chance zu nutzen, das einzufordern, was uns zusteht“. Das Schicksal der Frau Rampp ist auf der Internetpräsenz von t-online zu lesen:

http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_67671716/heidelore-rampp-berichtet-aus-dem-leben-eines-ex-heimkindes.html

Die Zeit online gibt Auskunft über die bisherigen Zahlungen, die sie vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln ermittelt hat: „ ... sind aus dem Hilfsfonds für Opfer im Westen in den ersten beiden Jahren erst Leistungen für 66 Millionen Euro beantragt worden, weitere 54 Millionen Euro stünden noch bereit. Bislang haben sich 6.320 Betroffene radikaler Erziehungsmethoden beim Fonds gemeldet, die Antragsfrist endet Ende dieses Jahres.“

In einem Videobeitrag des Filmemachers Peter Henselder, der auch für eine private Berliner Fernsehanstalt dokumentarisch arbeitet, kommt ab der 9. Minute der Vorsitzende des Lenkungsausschusses für die Umsetzung des Heimopferfonds Prof. Peter Schruth zu Wort: „Der Fonds West mit seinen 120 Mio. ist auch leer ...“.

https://www.youtube.com/watch?v=_n4SteugY0Q&list=UUYfQDxLFqzfnX4WoyTMO3hQ&hd=1

Zur Erinnerung: Schruth saß auch am „Runden Tisch Heimerziehung“ und hat den Abschlussbericht und damit die Beschlüsse des Runden Tisches mit abgezeichnet.

Aus der Meldung des Bundesamtes in Köln und der des Peter Schruth geht nicht hervor, welche Summen für Rentenersatzleistungen, welche für Ausgleichszahlungen geleistet wurden. Aus einer Information des Deutschen Bundestages vom 22.05.2013 kann allerdings abgeleitet werden, dass die höchsten Zahlungen, anders als geplant, für Rentenersatzleistungen aufgebracht wurden.

http://helmutjacob.over-blog.de/article-umsetzung-des-opferfonds-west-fur-ehemalige-kinder-und-jugendliche-in-der-erziehungshilfe-119589167.html

Meine Meinung:

Es ist festzustellen, dass von noch 400 000 lebenden Heimopfern sich 6 320 bei den Anlaufstellen gemeldet haben. Dies sind 1,58% aller Opfer in Westdeutschland. Auch heute noch werden in die Psychiatrie Zwangseingewiesene, Säuglinge und Kleinkinder und behinderte Menschen, die in den Nachkriegsjahrzehnten Opfer wurden, nicht in die Gesamtzahl der Opfer eingerechnet. Der Skandal: Sie erhalten nach wie vor keine Wiedergutmachung.

Die Folgerung des Magazins „Die Zeit“ aus der Tatsache, dass die Anlaufstellen West weniger frequentiert werden als die Ost-Stellen, ist allerdings falsch. Die Opfer West fürchten nicht die Öffentlichkeit. Das beweisen allein die zahlreichen Internetpräsenzen, Blogs, Leserkommentare und Film- und Tondokumente. Etliche entsprechende Portale haben zwar inzwischen geschlossen, andere sind nach wie vor rege. So beispielsweise des „Vereins ehemaliger Heimkinder“ und der „Freien Arbeitsgruppe JHH 2006“. Beide Internetauftritte verzeichnen monatlich tausende Besucher im zweistelligen Bereich. Sie werden u.a. von Universitäten und Wissenschaftlern aufgesucht. Etliche, im Eigenvertrieb oder im Auftrag von Heimen herausgegebene Bücher zeugen ebenfalls vom Mut vieler Opfer, in die Öffentlichkeit zu treten. Eine solche Öffentlichkeitsarbeit ist im Osten bisher nicht ersichtlich.

Warum die Opfer West den Fonds floppen lassen, liegt auch klar auf der Hand. Sie haben erkannt, dass dieser Fonds eine weitere Demütigung darstellt. Nach den Jahren der Hölle in den Heimen, den Betrugsmanövern am „Runden Tisch Heimerziehung“ und den beschämenden Abwicklungsformalien zur Erlangung von Leistungen aus dem Fonds wollen sie sich nicht noch einmal mit einem Almosenangebot demütigen lassen. Statistisch hat jedes Opfer etwa 5000 Euro Abfindung erhalten. Der Apell von Heidelore Rampp geht in die völlig falsche Richtung. Nur wenn die Geschundenen und Geschändeten aus der damaligen Zeit dem sogenannten Opferfonds weiterhin die „Rote Karte“ zeigen, könnte die Erkenntnis bei den Tätervertretern reifen, dass dieser Fonds wirklich eine Beleidigung der Opfer ist. Auch würde dieses völlige Scheitern des Fonds Ende dieses Jahres erneut die Presse interessieren und den Opfern damit noch einmal Gelegenheit zur Darstellung ihrer Sicht bieten. Die 1,58% indes sind eine weitere Ohrfeige für die damalige Tischvorsitzende Antje Vollmer.

Heimkinder, Heimopfer, Runder Tisch Heimerziehung, Evangelische Kirche, Katholische Kirche, Diakonie, Caritas, Antje Vollmer

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Published by Helmut Jacob
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