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10. Mai 2011 2 10 /05 /Mai /2011 14:42

Glückstadt: Gedenken der Verbrechen an jungen Menschen in den Nachkriegsjahrzehnten

 

„Wenn Du nicht brav bist, kommst Du in‘s Heim“

(sh:z, 30.5.2007)

„Brutale Fürsorge. Ein Justizskandal der siebziger Jahre: Wie in Schleswig-Holstein Jugendliche

in staatlichen Heimen zur Zwangsarbeit herangezogen wurden“

(Die Zeit, 31.10.2007)

„Ehemaliges Jugendheim Glückstadt: Schläge, Zwangsarbeit und Nazi-Uniformen“

(Süddeutsche Zeitung, 14.11.2007)

„Erziehung mit dem Totschläger. Das Landesfürsorgeheim Glückstadt war ein

berüchtigtes Jugendheim, dessen Geschichte jetzt aufgerollt wird“

(Westfalenpost, 14.12.2007)

„Jugenderziehung in Schleswig-Holstein: Ein dunkles Kapitel kommt ans Licht“

(Norddeutsche Rundschau, 17.11.2008)

 

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Bucher_und_Meinungen_-_Gewalt_/Glueckstadt.pdf

 

Landesfursorgeheim-Gluckstadt1969.jpg

Erstes von weiteren Bildern aus der Dokumentation http://gewalt-im-jhh.de/Doku_Runder_Tisch_Kiel_.pdf

 

Eine Gedenktafel an die Verbrechen in der ehemaligen „Fürsorgeanstalt“ in Glückstadt

Das ehemalige Marinegebäude wurde 1874 als Anstalt eingerichtet, in welcher hauptsächlich „Landstreicher“ und „Dirnen“ eine auf unbestimme Zeit verhängte „korrektionelle Arbeitshaft“ absitzen sollten. 1925 wurde das Haus umbenannt in „Landesarbeitsanstalt“ und von 1933 bis 1934 wurde es von den Nationalsozialisten als „Wildes KZ“ genutzt. Ab 1943 begann man hier jugendliche Fürsorgezöglinge zur „Arbeitserziehung“ einzuweisen.

Von 1943 bis zur Schließung 1974 war Glückstadt ein Synonym für den härtesten Umgang mit Jugendlichen, die Unglaubliches dort erlitten: Isolationfolter, Zwangsarbeit, Essensentzug, Schläge und sexuellen Missbrauch. Immer und immer wieder wurde von den Landesparlamentariern nach Besichtigung der Anstalt beschlossen, diese umgehend zu schließen, da die Zustände im Hause unhaltbar seien – immer wieder wurde es hinausgezögert und der „Betrieb“ lief ein weiteres Jahr „störungsfrei“ ab. Und die Jugendlichen wurden ein weiteres Jahr gequält, ausgebeutet, unternährt und brutalisiert – und in den Suizid getrieben.

Nun soll – auf Anregung des ehemaligen Zöglings Rolf Breitfeld – am 22.05.2011 um 13:00 Uhre eine Messingtafel am Jungfernstieg 1 in Glückstadt, der Stelle, an der sich die ehemalige Fürsorgeheim befand, angebracht werden:

 

 

 

IM GEDENKEN AN DIE FÜRSORGEZÖGLINGE

DIE IN DEN JAHREN 1943 – 1974

IN DIESER ANSTALT UNTERGEBRACHT WAREN:

DIE KORREKTIONSANSTALT WURDE SCHON 1925 IN

LANDESARBEITSANSTALT UMBENANNT UND WAR EIN ARBEITSHAUS.

1933 – 1934 WAR HIER EIN SOGENANNTES „WILDES KZ“: NACH DESSEN

SCHLIEßUNG WURDEN DIE KZ-WÄRTER; ALLES SA-MÄNNER;

VON DER LANDESARBEITSANSTALT ALS WACHTMEISTER ÜBERNOMMEN:

AB 1943 WURDEN HIER FÜRSORGEZÖGLINGE IN DAS

ARBEITSERZIEHUNGSLAGER GLÜCKSTADT/ELBE EINGEWIESEN.

1949 ERFOLGTE DIE UMBENENNUNG IN LANDESFÜRSORGEHEIM.

DIE KZ-WÄRTER UND WACHTMEISTER WURDEN ALS „ERZIEHER“

ÜBERNOMMEN. DIESES HAUS WURDE BIS ZUM 31.12.1974

WIE EIN KZ UND ARBEITSHAUS WEITERBETRIEBEN.

IM KZ GLÜCKSTADT GAB ES NACHWEISLICH KEINE TOTEN.

IM LANDESFÜRSORGEHEIM WURDEN 6 MENSCHEN

IN DEN SUIZID GETRIEBEN UND EINER AUF DER FLUCHT ERSCHOSSEN.

 

http://veh-ev.info/

 

 

Weitere Infos:

 

Landesfürsorgeheim Glückstadt Bewohner, Geschichte, Konzeption (40 Seiten)

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Bucher_und_Meinungen_-_Gewalt_/Glueckstadt.pdf

 

Dokumentation - Runder Tisch (30 Seiten)

mit ehemaligen Fürsorgezöglingen

aus dem Landesfürsorgeheim Glückstadt

am 19. Januar 2008 im Landeshaus Kiel

Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren

des Landes Schleswig-Holstein

Universität Koblenz-Landau

http://gewalt-im-jhh.de/Doku_Runder_Tisch_Kiel_.pdf

 

Aufstand der Heimkinder

Im schleswig-holsteinischen Glückstadt kam es vor 40 Jahren zu einer Rebellion gegen ein Heimerziehungssystem, das noch in der Tradition der Nazizeit stand

Erst seit wenigen Jahren interessiert sich die Öffentlichkeit überhaupt für das Schicksal von Heimkindern in der Bundesrepublik der fünfziger und sechziger Jahre. Seit Februar 2009 beschäftigt sich auf Initiative des Bundestags sogar ein „Runder Tisch Heimkinder“ mit dem Thema. Frühere Heiminsassen verlangen vehement Aufklärung über das geschehene Unrecht. Eine Einrichtung im schleswig-holsteinischen Glückstadt tat sich in dieser Hinsicht besonders hervor. Vor genau 40 Jahren, in der Nacht vom 7. zum 8. Mai 1969, gab es dort einen Aufstand von Heimzöglingen, der möglicherweise sogar mit Hilfe von Marinesoldaten niedergeschlagen wurde. Unter den rebellierenden Jugendlichen, die als Strafe teilweise KZ-Kleidung tragen mussten, war auch der spätere RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock.

http://www.freitag.de/politik/0919-heimkinder-aufstand-glueckstadt/

 

Die Rebellion von Glückstadt

1969: Geschundene Heimkinder begehrten auf

Vor 41 Jahren, in der Nacht vom 7. zum 8. Mai 1969, rebellierten die Insassen des Landesfürsorgeheims im schleswig-holsteinischen Glückstadt. Diese Rebellion von Kindern und Jugendlichen, so Zeitzeugen, wurde mit Hilfe von Marinesoldaten der Bundeswehr niedergeschlagen, was die damalige Heimleitung bestritt.

Durch eine Knüppelgasse seien die Minderjährigen getrieben und in den Bunker gesperrt worden, in dem schon die Nazis Menschen gequält hatten, so hieß es in den Berichten. Wenig später wurde ein Jugendlicher, der als »Rädelsführer« galt, erhängt in seiner Zelle gefunden. Selbstmord behauptete die Heimleitung. Der Aufstand richtete sich gegen ein Heimregime, das durch brutale Prügel, Zwangsarbeit und miserabelste gesundheitliche und hygienische Bedingungen charakterisiert war.

http://www.neues-deutschland.de/artikel/170647.die-rebellion-von-glueckstadt.html

 

Bilder zu Landesfürsorgeheim Glückstadt

http://www.google.de/search?q=Landesf%C3%BCrsorgeheim+Gl%C3%BCckstadt&hl=de&client=firefox-a&hs=a3m&rls=org.mozilla:de:official&prmd=ivns&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ei=IjHJTdTyC4ef-Qaw0MSsDg&ved=0CFoQsAQ&biw=1024&bih=545

 

NS-Formular umgeschrieben:

 

Landesfursorgeheim-GluckstadtFormular.jpg

 

Martin Mitchell (Australien) ergänzt:

 

Ich mache Dich hier jetzt auch noch auf folgende Berichte / Links aufmerksam, falls Du auch diese noch zu Deiner Liste hinzufügen möchtest.

ERSTENS:

»Die Hölle von Glückstadt« - "Fürsorgeerziehung" oder "Freiwillige Erziehungshilfe", geprägt von staatlich angeordneter Demütigung, Entwürdigung, Misshandlung und Zwangsarbeit. --- "Fürsorgezögling" Ferdinand Ellerwald, einer von vielen "Fürsorgezöglingen", die die Flucht aus dieser "Fürsorgehölle", oder aus anderen ähnlichen deutschen "Fürsorgehöllen im "Wirtschaftswunderland Westdeutschland" mit ihrem Leben bezahlt haben. --- Zum Gedenken an Ferdinand Ellerwald und all die anderen unzähligen Opfer.
http://www.heimkinder-ueberlebende.info/GERMANY-Die-Hoelle-von-Glueckstadt_-_Fuersorgeerziehung-oder-Freiwillige-Erziehungshilfe-gepraegt-von-Zwangsarbeit_-_1966-Fuersorgezoegling-Ferdinand-Ellerwald-auf-der-Flucht-erschossen.php

ZWEITENS:

„Fürsorgeerziehungszöglingsjagd“ - Menschenjagd auf „Zöglinge“ - Kam so etwas vor wenn „Zöglinge“ ausrissen aus den ‚Heimen' und ‚Anstalten' im „Wirtschaftswunderland Westdeutschland“, in den späten 1940er, in den 1950er, 1960er, 1970er Jahren, oder nicht? --- In einer offiziellen Verwaltungsakte eines ‚Heims' aus dieser Zeit, werden „156 Todesfälle“ dokumentiert. Die jeweiligen „Todesursachen“ in diesen „156 Todesfällen“ und vielen weiteren „Todesfällen“ sind bisher noch nicht bekannt gegeben worden - d.h., diese jeweiligen „Todesursachen“ sind noch genau festzustellen.
http://www.heimkinder-ueberlebende.info/Offizielle-Verwaltungsakte-eines-Heims-zeigt-156-Todesfaelle-in-den-1950er-1960er-Jahren.php

DRITTENS:
 
Detailierter Zeitzeugenbericht von ehemaliges Heimkind Rolf Breitfeld (Jahrgang 1948) über die staatliche Ausführung der "Freiwilligen Erziehungshilfe" und der "Fürsorgeerziehung" in "Glückstadt" an der Elbe in Schleswig-Holstein. Schilderung des tatsächlichen Umgangs Erwachsener mit jugendlichen "Schutzbefohlenen" in ihrer "Obhut". Die "Insassen" waren ihren erwachsenen Peinigern hilflos ausgeliefert und diese überall in Westdeutschland staatlich verordnete und staatlich gesegnete Kinderquälerei nahm jahrzehntelang, auch in Schleswig-Holstein, uneingeschränkt ihren Lauf.
http://www.heimkinder-ueberlebende.info/Bericht-von-ehemaliges-Heimkind-Rolf-Breitfeld-Jg.1948-ueber-die-Freiwillige-Erziehungshilfe-und-Fuersorgeerziehung-bzw.-die-damalige-Kinderquaelerei-in-Glueckstadt-Schleswig-Holstein.html ( mit Fotos, original Zeitungsartikeln, und vielen weiteren von dort aus weiterführenden Links ).

Und siehe auch die Sammlung der „Heimkinder-Zwangsarbeit“-Fotos

http://www.heimkinder-ueberlebende.info/Web-Links.html

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Published by Helmut Jacob
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Kommentare

Martin MITCHELL 03/22/2014 07:24

.
Spezifisch zur Leugnung seitens Antje Vollmer von »Heimkinder-Zwangsarbeit« - d.h., u.a., diese ihre Leugnung auch in ihrem Interview auf Deutschlandradio Kultur am 15.04.2010, wiedergegeben @
http://www.deutschlandradiokultur.de/runder-tisch-heimerziehung-heimkinder-waren-keine.954.de.html?dram:article_id=145216

.
ZITAT DES BUNDESDEUTSCHEN ANTI-ZWANGSARBEITSGESETZES 1959

.
Folgend auf die »HEIMKINDER-ZWANGSARBEIT«-Entscheidung in Irland von der, meinerseits, u.a., auch hier @ http://www.ehemalige-heimkinder-tatsachen.com/viewtopic.php?f=3&t=19 berichtet wird.

.
Auch deutsche und österreichische Opfer von Menschenrechtsverbrechen / Zwangsarbeit fordern eine gerechte und angemessene Entschädigung.

.
"ABSCHAFFUNG DER ZWANGSARBEIT"

Zitat des Bundesdeutschen Anti-Zwangsarbeitsgesetzes 1959

Bundesrepublikanisches innerstaatliches Gesetz gegen Zwangsarbeit.

Auszug eines kurzen Zitats aus dem Bundesgesetzblatt der Bundesrepublik Deutschland, Nr. 18 vom 24.04.1959 ( aus einem Gesetz das vom Deutschen Bundestag verabschiedet worden ist ! ) @
http://www2.bgbl.de/banzxaver/bgbl/start.xav?start=//*%5b@attr_id='bgbl259018.pdf'%5d#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D'bgbl259018.pdf'%5D__1395379262950

ANFANG DES ZITATS DES BUNDESDEUTSCHEN ANTI-ZWANGSARBEITSGESETZES

[ Bundesrepublik Deutschland ]

[ Seite 441 ]

Bundesgesetzblatt - Teil II

1959 - Ausgegeben zu Bonn am 24. April 1959 - Nr. 18

Gesetz zum Übereinkommen Nr. 105 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 25. Juni 1957 über die Abschaffung der Zwangsarbeit.

Vom 20. April 1959

Der Bundestag hat das folgende Gesetz beschlossen:

ARTIKEL 1

Dem in Genf am 25. Juni 1957 von der Allgemeinen Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation angenommenen Übereinkommen über die Abschaffung der Zwangsarbeit wird zugestimmt. Das
Übereinkommen wird nachstehend veröffentlicht:

ARTIKEL 2

Dieses Gesetz gilt auch im Land Berlin, sofern das Land Berlin die Anwendung dieses Gesetzes feststellt.

ARTIKEL 3

(1) Dieses Gesetz tritt am Tage nach seiner Verkünding in Kraft.

(2) Der Tag, an dem das Übereinkommen gemäß seinem Artikel 4 Abs. 3 für die Bundesrepublik Deutschland in Kraft tritt, ist im Bundesgesetzblatt bekanntzugeben.

––––––––––––––––––––––

Die verfassungsmäßigen Rechte des Bundesrates sind gewahrt.

Das vorstehende Gesetz wird hiermit verwendet.

Bonn, den 20. April 1959

Der Bundespräsident
Theodor Heuss

Der Stellvertreter des Bundeskanzlers
Ludwig Erhard

Der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung
[Theodor] Blank

Der Bundesminister des Auswärtigen
[Dr. Heinrich] von Brentano

[ auf den folgenden Seiten – Seite 442, Seite 443, Seite 444 und Seite 445 dieses Bundesgesetzblattes der Bundesrepublik Deutschland – befinden sich dann in drei nebeneinander aufgeführten Spalten,
jeweilig der französische, englische und deutsche Text des internationalen »Übereinkommens über die Abschaffung der Zwangsarbeit« – »Convention 105« / »Übereinkommen 105«. ]

ENDE DES ZITATS DES BUNDESDEUTSCHEN ANTI-ZWANGSARBEITSGESETZES

QUELLE: Bundesanzeiger Verlag
ZITATLÄNGE DER ZITIERTEN GESETZESTEXTPASSAGE: insgesamt maximal 1221 Zeichen, einschließlich Leerzeichen.

.
Den genauen Wortlaut in Deutsch des »Übereinkommens über die Abschaffung der Zwangsarbeit« in einer hochkaratigen und gut lesbaren Kopie, kann man dann auch hier nachlesen @
http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19570115/201303210000/0.822.720.5.pdf
.

Martin MITCHELL 09/16/2012 03:35

Viele Todesfälle in der damaligen „Heimerziehung“ in der BRD.

So steht es jetzt an vielen, vielen Stellen weltweit im Internet – online! – nur nicht in den etablierten Medien in der Bundesrepublik Deutschla

»NRW Todesfälle in der „Heimerziehung“ von „Fürsorgezöglingen“ 1953-1980 (NRW) --- Die Gesamtzahl der Todesfälle in NRW über diesen Zeitraum ist 349 !« @
http://heimkinderopfer.blogspot.com.au/2012/09/nrw-todesfalle-in-der-heimerziehung-von.html (14. 09.2012)

Und auf der Vereinswebseite des „Verein ehemaliger Heimkinder e.V.“ („VEH e.V.“) wird ebenso darauf aufmerksam gemacht @
http://veh-ev.eu/Wichtige_Themen/Heimkinder_Statistik/heimkinder_statistik.html

Ich bin mir auch ganz sicher, dass alle anderen Bundesländer der BRD, gleiche Statistiken zur Verfügung stellen könnten, wenn jemand sich die Mühe machen würde diesbezüglich nachzufragen und in
dieser Nachforschung am Ball zu bleiben.

(1953-1980) NRW Heimkinder-Todesfälle-Tabelle: Gesamttotal 349 Tote in NRW allein!