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20. November 2009 5 20 /11 /November /2009 17:10

Offener Brief an Bundesfamilienministerin Frau Ursula von der Leyen

 

 Sehr geehrte Frau Ministerin!

 

Lassen Sie sich jedes halbe Jahr von 10 Ihnen völlig fremden Männern auf den Unterleib gucken? Lassen Sie sich jedes halbe Jahr erneut von fremden Männern auf Ihren Unterleib gucken? Natürlich nicht, werden Sie jetzt zurecht und vielleicht sogar empört erwidern. Doch genau das muten Sie Alten, Kranken und Behinderten zu.

 

Genau das müssen jene hilflosen Menschen ertragen, bei denen Zivildienstleistende eingesetzt sind. Ihnen werden von fremden Menschen die Genitalien gewaschen, hier und da auch die Hygieneeinlagen gewechselt, ihnen wird der Po gesäubert, sie werden von Kopf bis Fuß gewaschen, an- und ausgekleidet. Es handelt sich teils um junge Hilflose, um behinderte Kinder, um behinderte Pubertierende, aber auch um junge und alte Krankenhauspatienten oder um alte Menschen in Heimen. Dabei kann es durchaus sein, daß 10 fremde Leute im Austausch vorherigen Personals auf den einzelnen Hilflosen losgelassen werden Alle haben eins gemeinsam: ein Schamgefühl.

 

War es bisher schon völlig unakzeptabel und menschenverachtend, sie alle neun Monate mit fremden Menschen zu konfrontieren und auf diesem Wege ihr Schamgefühl zu verletzen, so sollen sie nun alle sechs Monate dieses Gefühl der Verachtung und Mißachtung ihrer Würde neu erleben. Der Zivildienst soll um drei weitere Monate gekürzt werden. Wie würden Sie sich fühlen, wenige Tage vor den Neueinstellungen Ihnen völlig fremder Menschen? Und dieses alle halbe Jahre!

 

Angesichts dieses nur noch sechsmonatigen Einsatzes wollen Sie den Zivildienst sogar noch „in seiner hohen Qualität“ aufrechterhalten. Ist diese Vorstellung nicht geradezu vermessen? Können Sie auch nur einen einzigen ernstzunehmenden Menschen vorweisen, der Ihre Vorstellung praktisch umsetzen kann?

 

Frau Ministerin, solche Vorstellungen wie Ihre, kann nur ein Mensch durchknüppeln, dem das Wohl der Mitmenschen völlig Wurscht ist. Solchen Menschen muß ich eine Gefühlskälte bescheinigen, die in ihrem Ausmaß schon fassungslos macht. Wer mit Alten, Kranken und Behinderten so umgeht, wie Sie es verlangen, tritt die Würde der Menschen jeden Tag aufs Neue mit Füßen.

 

Wollten Sie Ihrem Amtseid auch nur ansatzweise gerecht werden, wäre es Ihr höchstes Bestreben, diesen Hilflosen der Gesellschaft die Schamverletzung so selten wie möglich zuzumuten. Sie würden die Einsatzzeit der Zivildienstleistenden verdoppeln oder verdreifachen oder aber diesen Einsatz völlig streichen und nach Lösungen streben, die den letzten Rest der Würde der Hilflosen erhält.

 

Helmut Jacob

20.11.2009

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Published by Helmut Jacob
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