Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
24. Januar 2010 7 24 /01 /Januar /2010 17:37

Diakonisches Werk:Fragen und Antworten zum Thema Heimerziehung

4. Wie viele lebten in Heimen in kirchlicher oder diakonischer Trägerschaft?
Das vom Evangelischen Erziehungsverband herausgegebene „Verzeichnis evangelischer Erziehungsheime“ vom 1953 gibt an, dass damals 30.100 Plätze in 418 evangelischen Heimen zur Verfügung standen.


Dazu Jacob:
frage beantwortet? nein!
was sagt die anzahl der plätze über die zahl der heimbewohner in 20 jahren aus? nichts. aber: hätte alle 2 jahre ein bewohneraustausch stattgefunden, dann hätten 301.000 (dreihunderteintausend) menschen (oder gar opfer?) in 20 jahren kirchliche plätze belegt!

herr dr. häusler, jetzt sind sie dran!


[url]http://www.diakonie.de/heimerziehung-in-den-50er-60er-jahren-6339-fragen-und-antworten-zum-thema-heimerziehung-in-deutschland-in-6354.htm
[/url]
Dazu Dr. Häusler, Archivar Bundesverband Diakonie
Jetzt bin also ich dran:

Die Zahl der 700.000 - 800.000 Betroffenen in den Jahren 1949-1975, die der Zwischenbericht nennt, stammt aus den beiden zentralen Forschungsprojekten zur damaligen Heimerziehung: dem Bochumer Projekt zur konfessionelle Heimerziehung und dem Koblenzer Projekt von Prof. Schrapper. Beide sind gleichermaßen vorgegangen. Wie sich im Zwischenbericht nachlesen lässt, ist es nur möglich, die Zahl der Plätze für Kinder und Jugendliche in Fürsorgeerziehung (FE) und Freiwilliger Erziehungshilfe (FEH) zu ermitteln. Bereits die Zahl der Plätze für Kinder, die durch kommunale Jugendämter (§ 5, 6 des Jugendwohlfahrtsgesetzes / JWG) untergebracht wurden, ist nur eine Schätzung, weil es damals keine bundesweite statistische Erfassung dazu gab. Nun muss man noch von der Zahl der Plätze auf die Zahl der Betroffenen im Gesamtzeitraum kommen. Da hat man angenommen, dass die "durchschnittliche Verweildauer" im Heim etwa 3 Jahre betrug. (Manche waren von Geburt an im Heim, andere nur wenige Monate, andere irgendwo dazwischen.) Da die Zeitspanne 1949-75 26 Jahre umfasst, hat man also die Zahl der geschätzten Plätze mit einem Faktor von etwas mehr als 8 multipliziert und kam so auf die Zahl von bis zu 800.000 Betroffenen.
Das erscheint mir mit ziemlich vielen Unsicherheitsfaktoren belastet. Deshalb habe ich mich an einen Zahlenwert gehalten, den ich mit einer Quelle belegen kann, und das ist die Zahl aus dem genannten Verzeichnis.
Ich war (und bin) der Meinung, dass damit die Frage ebenso gut beantwortet ist, als wenn ich eine geschätzte Zahl von Plätzen mit einem angenommenen Faktor multipliziere.

Freundliche Grüße
M. Häusler

Dazu Jacob:
Sehr geehrter Herr Dr. Häusler!

Jetzt geht es um Ihre persönliche Reputation. Ich verstehe Ihre Solidarität zu Ihrem Diakonie-Chef sehr gut. Bedenken Sie aber bitte: Er mutiert gerade vom Saulus zum Paulus. Endlich wünscht er sich (man kann es noch nicht als Forderung bezeichnen) eine Opferentschädigung. Damit ist er gerade dabei, seinen zumindest unter den Heimopfern ruinierten Ruf etwas zu reparieren. Es ist also nicht mehr nötig, dass Sie in vorauseilendem Gehorsam versuchen, wegschwimmende Felle doch noch ans rettende Ufer zu ziehen. Der Zwischenbericht des Runden Tisches lässt nur noch wenige Interpretationsmöglichkeiten zu. Es gilt, auch für Sie und Ihr Haus, die Flucht nach Vorn anzutreten.

Sie sind nicht dumm, ich bin nicht dumm, trotz negativer Heimerfahrungen. Die Frage, die, wer auch immer, stellte (wahrscheinlich ist es eine fiktive Frage) lautet: Wie viele lebten in Heimen in kirchlicher oder diakonischer Trägerschaft?
Die Frage lautete nicht: Wieviele Heimplätze gab es?
Wenn Sie also die Anzahl der Heimplätze nennen, beantworten Sie eine Frage, die überhaupt nicht gestellt ist. Folgerichtig können Sie auch nicht behaupten: "Ich war (und bin) der Meinung, dass damit die Frage ebenso gut beantwortet ist,
als wenn ich eine geschätzte Zahl von Plätzen mit einem angenommenen Faktor
multipliziere."


Allein die Tatsache, dass Sie einen Doktortitel tragen und dazu noch Archivar eines großen Dachverbandes sind, verbietet es Ihnen, zu versuchen, Ihre Falschbeantwortung einer Frage als richtig darzustellen. In einem solchen Fall geht es wirklich um die persönliche (hier um Ihre) Glaubwürdigkeit. Gymniasiasten ist ein solcher verzweifelter Rettungsversuch zu gestatten, einem Akademiker nicht.

Es drängt sich der Verdacht auf, als wollten Sie die Zahl der Heimopfer möglichst gering halten. Beim Überfliegen Ihrer "Antwort" springt die Zahl 30100 ins Auge und wird als Zahl der Heimbewohner von Heimen unter kirchlicher Trägerschaft verstanden. Erst wenn die Fragestellung genau gelesen wird, ist sie mit der Antwort nicht vereinbar. Man wird den Verdacht nicht los, dass die Angabe einer ungefähren Zahl von Heiminsassen gar nicht gewünscht ist, weil sie in den sechsstelligen Bereich reichen müsste. Dann wäre zu vermuten, dass die Zahl der Opfer aus kirchlichen Heimen wesentlich höher liegt, als man sie aus einer Bettenzahl von 31000 ableiten könnte.

Solche Spielchen sind bekannt und unehrlich. Sie fallen unter die Kategorie Schadensbegrenzung, Vertuschung von Fakten. Selbst wenn die Belegungszahlen mit Unsicherheitsfaktoren belegt sind, darf ein Akademiker nicht ausweichen und sich hinter Fakten verstecken, die überhaupt nicht abgefragt werden. Ich wiederhole: Sie fragten nicht nach Belegungsplätzen, sondern nach Belegungszahlen ("Wie viele lebten in Heimen in kirchlicher oder diakonischer Trägerschaft?")

Sie selbst haben eine durchschnittliche Verweildauer von etwa drei Jahren angegeben. Das kann natürlich kein Mensch überprüfen.Bei einem Wechsel der Belegschaft kommen nach Ihren Berechnungen immer noch 200.000 Heimbewohner in Betracht. Das ist eine andere Zahl als die, die beim Überfliegen Ihrer Frage suggeriert wird. Es sind anstatt 30100 Heimbewohner nun 200.000 Heimbewohner. Aus dieser Zahl ergibt sich auch eine andere Zahl von Heimopfern.

Seien Sie sich darüber im Klaren, dass man Ihre Berichte und Vorträge, weil Sie erheblich an Vertrauen verloren haben, genau analysiert. Ich rate Ihnen sehr, die auf der Homepage der Diakonie befindlichen Angaben zu überprüfen und zu korrigieren.

Herzlichst
Helmut Jacob

http://www.diakonie-forum.de/themen-und-arbeitsfelder-der-diakonie/heimkinder/p13387-heimkinder-brauchen-die-unterst-tzung-der-diakonie/#post13387

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Helmut Jacob
Kommentiere diesen Post

Kommentare