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21. Januar 2012 6 21 /01 /Januar /2012 16:12

Im großen WWW ist der Ratschlag von Heimopfer zu Heimopfer zu finden, jetzt ein Hörgerät bei der Anlaufstelle zu beantragen, die über die Fondsverteilung für Opfer der Erziehungshilfe in den Nachkriegsjahrzehnten mitentscheidet. Gleichzeitig wird Protest laut, weil Antragssteller ihren Arzt von der Schweigepflicht entbinden und die Anlaufstellen autorisiert werden sollen, von Sozialämtern und „gleichgestellten Stellen“ Auskünfte zu erhalten. Am Rande vermerkt: Es werden Hoffnungen auf Leistungen bis zu 20.000 Euro geschürt, man empfiehlt einen neuen Elektrorollstuhl und ganze Wohnungsumbauten. Kurz gesagt: Scharlatane sind unterwegs.

Es ist viel los in den Anlaufstellen und die ersten Bescheide flattern den Opfern bereits ins Haus. Entsprechend groß ist die Enttäuschung derer, die auf die vollmundigen Verheißungen solcher Spekulanten hereingefallen sind.
http://www.westfaelische-nachrichten.de/aktuelles/muensterland/1852379_ehemalige_heimkinder_sind_ueber_angebote_aus_fonds_enttaeuscht.html
http://

www.moz.de/de/nachrichten/berlin/artikel-ansicht/dg/0/1/1005556/

Zum Jahresende rief mich ein Opfer an und fragte etwa sinngemäß: Es gibt ja jetzt Geld, wo kann ich das denn abholen? Er war der Presse aufgesessen, die von „Entschädigungen“ schrieb. So musste ich dem Anrufer mitteilen, dass es keinen Cent auf die Hand gibt. Für ihn brach eine kleine Welt zusammen.

Was hat es mit den Erklärungen auf sich, die unterschrieben werden sollen?
Im Rahmen von Schadensabwicklungen sind solche Erklärungen gängige Praxis und sogar notwendig, um rechtliche Absicherungen zu erhalten.

Die Entbindung des Arztes von der Schweigepflicht ist dann angesagt, wenn ermittelt werden muss, ob die Forderung zur Schadensregulierung in ursächlichem Zusammenhang mit dem eingetretenen Schaden steht. Im Falle eines beantragten Hörgerätes könnte der Fall beispielweise wie folgt aussehen:
Das Opfer beantragt bei der Anlaufstelle ein Hörgerät. Es ist inzwischen 65 Jahre alt. Die Anlaufstelle muss überprüfen, ob die Hörminderung aufgrund von Gewalt in der Kindheit oder Jugend in einem Heim eingetreten ist. Oder ob es sich um eine nachträglich zugezogene Hörschädigung (z.B. Fabriklärm, Beschallung durch Walkman) oder um eine altersbedingte Hörminderung handelt. Diese Frage kann nur überprüft werden, wenn der Antragsteller den Arzt von der Schweigepflicht befreit. Nach der Befreiung darf die Leistungserbringerin medizinische und diagnostische Auskünfte verlangen. Erst dann kann die in Berlin eingerichtete „Geschäftsstelle des Fonds Heimerziehung“ (http://dierkschaefer.wordpress.com/2012/01/21/das-kannte-ich-auch-noch-nicht/) über die Vergabe dieser Sachleistung „Hörgerät“ entscheiden.


In einem Fall lehnte ein Versorgungsamt einen Antrag auf Opferentschädigung nach dem Opferentschädigungsgesetz mit folgender Begründung ab: Das Opfer habe in der Antragsbegründung mitgeteilt, dass infolge eines Schlages auf ein Ohr ein Trommelfell zerstört wurde, sich daraufhin eine Woche später eine eitrige Mittelohrentzündung einstellte, die Wochen später eine halbseitige Gesichtslähmung zur Folge hatte. Darum musste es operiert werden. Nun könne es auf dem operierten Ohr nichts mehr hören. Das Versorgungsamt stellte fest, dass Ansprüche eigentlich ausgeschlossen sind, weil der Vorfall vor dem Jahr 1976 eingetreten war. Im Rahmen der Übergangsfristen greift der Paragraph 10 OEG mit seiner Härtefallklausel (http://www.gesetze-im-internet.de/oeg/__10a.html). Leistungen nach dieser Härtefallklausel sind nachrangig. Der Antrag wurde übrigens abgeschmettert, weil der untersuchende Arzt zu der Erkenntnis gelangte, dass so kurz nach einem Schlag aufs Ohr keine Mittelohrentzündung entstehen könne und damit ein kausaler Zusammenhang mit dem Hörschaden nicht belegt werden könne. Berücksichtigt wurde nicht, dass das Opfer 40 Jahre nach der Tat sich nicht genau erinnern kann, wann tatsächlich (ob ein oder zwei oder drei Wochen später) diese Mittelohrentzündung eintrat. Trotz vieler Beteuerungen a la „Wir glauben den Opfern“ kommt hier zum Vorschein, dass etliche Opfer zunächst als Betrüger verdächtigt werden.

Warum sollen jetzt auch Auskünfte beispielsweise bei den Sozialämtern eingeholt werden dürfen? Weil alle Leistungen NACHRANGIG sind. Das heißt: Zuerst zahlen die Stellen, die erstrangig dazu verpflichtet sind. Hörgeräte werden aus Leistungen der Krankenversicherung finanziert, zumindest das Standartgerät, jenes, das in den Hilfsmittelkatalogen aufgeführt ist. Informationen über die bezuschußten Hilfsmittel geben die Krankenkassen. Erste Infos sind auch hier erhältlich:

http://de.wikipedia.org/wiki/Hilfsmittelverzeichnis_der_gesetzlichen_Krankenversicherung
http://www.rehadat.de/gkv2/Gkv.KHS
http://www.bvmed.de/links/Datenbanken/

Reichen diese Zuschüsse nicht aus, ist bei Bedürftigkeit der Sozialhilfeträger (Sozialamt) oder im Falle der meisten Heimopfer aufgrund des Alters das Amt für Grundsicherung gefordert. Dies Sozialämter gehen mehr und mehr zu Krediten über, die in monatlichen Raten von der Sozialhilfe einbehalten werden. Nichtbedürftige haben „Eigenleistungen“ zu erbringen, zahlen also drauf. Dies gilt besonders, wenn die Hilfsmittel vom Standart abweichen.

Wichtig ist noch einmal: Alle beantragten Leistungen müssen damit begründet werden, dass sie der Kompensierung (z.B. Abfederung von Beschwerden) von Mißhandlungen in der Kindheit oder Jugend dienen. Es gibt kein Schmerzensgeld.

Auch, wer seine Wohnung renoviert haben will, bekommt den Maler nicht bezahlt. Es sei denn, er kann nachweisen, dass die derzeitige Farbe ihn zu sehr an die Kalkwände in seinem damaligen Heim erinnere und er darunter psychisch leide. Dabei muss er sich allerdings die Frage gefallen lassen, warum er die Wohnung nicht von vornherein entsprechend anders gestrichen hat. Umbauarbeiten werden bezuschusst (aber auch nur nachrangig), wenn beispielsweise infolge medizinischer Falschbehandlungen die körperlichen Schäden im Alter so zugenommen haben, dass eine Wohnung behindertengerecht angepasst werden muss. Beispielsweise müssen Türen verbreitert werden, wenn ein Opfer, das auf den Rollstuhl angewiesen ist, sonst nicht durch die Klotür käme.

Wichtig ist aber auch:
Wir sollten uns weniger Hoffnungen machen und weniger Hoffnungen verbreiten. Wir sollten unsere Erwartungen nicht zu hoch ansetzen und gegebenenfalls zurückschrauben. Wir sollten nicht auf Profilneurotiker hören, die trotz Nichtwissens den Opfern Ratschläge geben. Wir sollten wissen, dass aufgrund des manipulierten „Runden Tisches Heimerziehung“ die Leistungen so sind, wie sie sind: ungenügend.

 

Und eins ist auch ganz klar: Selbstverständlich darf niemand zur Unterschrift gezwungen werden und selbstverständlich darf niemand erwarten, ohne diese Unterschriften Leistungen zu erhalten. Ihm bliebe nur der Rechtsweg offen.

 

Heimkinder lehnen Entschädigungsfonds ab
Bei vielen ehemaligen Heimkindern in Berlin stößt der neue Entschädigungsfonds auf herbe Kritik. Nun wurde eine Beratungsstelle in der Hauptstadt eröffnet. ...
Viele Betroffene aus dem Westen lehnen den Entschädigungsfonds ab, weil sie bei einem Antrag eine Verzichtserklärung auf weitere Entschädigung unterschreiben müssen. Und der Osten will keine westdeutsche Fonds-Kopie.
So herrschte bei der Eröffnung der Berliner Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder am Donnerstag im Stadtteil Friedenau keine pure Freude vor. Während Scheeres für Sachleistungen des Fonds wie Therapien und Gesundheitsmaßnahmen warb, fühlte sich Liane Müller-Knuth als Betroffene erneut gedemütigt. „Ich will keine Stützstrümpfe und keinen Rollstuhl“, sagt die Berliner Seniorin. „Ich will eine Entschädigung, die ihren Namen verdient.“
http://mobil.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1885175/Heimkinder-lehnen-Entschaedigungsfonds-ab.html?emvcc=-1

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Published by Helmut Jacob
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Kommentare

Helmut Jacob 02/13/2013 16:58

Herrn Manfred Kopp!

Ohne Ihre E-mail Adresse kann ich Ihnen nicht helfen!
Jacob

Manfred Kopp 02/13/2013 15:10

Seit meiner OFFENBARUNG wurde ich nur weiter gedehmüdigt vom Versorgungsamt Wiesbaden und deren Mitarbeiter ( Herr Meinhardt )!!
Man hatt mich in ein KREUTZVERHÖR genommen ( alles Frauen 5 ander Zahl ) die wollten alle EINZELHEITEN erfahren die der Katholische Pfarrer mit mir gemacht hatte. Es war schrecklich für mich weilk
alle auch fast zur gleichen Zeit gefragt haben. Ich war danach wieder sehr krank geworden und hatte einen Terapeutischen Rückfall !!
Auch der Runde Tisch lief über die selben Mitarbeiter des Versorgungsamtes ab und sie boten mir als AUSGLEICH für diese 3 1/2 Jahre Schande und Schmerzen , einen Malkurs an !!!!!!

Wie lange noch soll diese Vera...rei weiter gehen ???

Frank Kampehl 02/15/2012 21:26

Zeitbomben?
Zeitsprung- 20 Jahre in der Zukunft- Ein mögliches Szenario:

Ein hochgradig an Alzheimer erkrankter Greis verletzte eine Pflegekraft schwer und stammelt fortlaufend immer Sätze wie:” Ich werde wieder abhauen!” ” Von Makarenko lernen-tut weh! " Der geistig in
seine Kindheit Zurückgefallende, verweigert sich mit allen Kräften der Einnahme von beruhigenden Medikamenten und schreit:”Ich will keine Lepinaletten mehr, davon kriege ich Nierenschmerzen!
“Morgen kommt mein Vater aus dem Westen und fackelt das verdammte Spezialkinderheim ab!" "Wenn er nicht kommt tu ich es!” Vergeblich versuchen Ärzte von dem Greis zu erfahren, was Ihm in seiner
frühen Kindheit widerfahren ist. All zu gründlich scheint er es in sein Unterbewustsein verbannt zu haben, aus dem es nun in Stücken hervorbricht. Erlebnisse aus Kriegszeiten scheiden wegen dem
Geburtsdatum aus.
tik, tik, tik,tik…………..