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8. August 2014 5 08 /08 /August /2014 16:35

Im Blog des evangelischen Theologen Dierk Schäfer, Bad Boll, finde ich den Eintrag:

»Für die Belange der ehemaligen Heimkinder hat sich der Ratsvorsitzende in seiner Amtszeit besonders und auch persönlich eingesetzt.« mit der Wiedergabe eines Briefes des Oberkirchenrates Christoph Thiele an einen Herrn Werner.

http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/08/08/fur-die-belange-der-ehemaligen-heimkinder-hat-sich-der-ratsvorsitzende-in-seiner-amtszeit-besonders-und-auch-personlich-eingesetzt/

Herr Thiele ist laut Homepage der Evangelischen Kirche „Leiter der Rechtsabteilung des Kirchenamtes der EKD“.

http://www.ekd.de/personen/thiele.html

Er schreibt:

 »Sehr geehrter Herr Werner,

der Ratsvorsitzende der EKD, Dr. h.c. Nikolaus Schneider, hat Ihre Mail vom 2. Juli 2014 erhalten. Er dankt Ihnen für die Anteilnahme am Schicksal seiner Frau und für die guten Wünsche, die Sie ausgesprochen haben.

Als zuständiger Referent im Kirchenamt der EKD möchte ich zugleich Ihr im Weiteren geäußertes Anliegen, die ehemaligen Heimkinder betreffend, zum Anlass nehmen, auf Folgendes hinzuweisen: Für die Belange der ehemaligen Heimkinder hat sich der Ratsvorsitzende in seiner Amtszeit besonders und auch persönlich eingesetzt. So wurde die von ihm vorgetragene förmliche Bitte um Verzeihung von vielen Betroffenen als sinnvolles Zeichen angesehen. Darüber hinaus ist Ihnen sicher bekannt, dass sich die evangelischen Kirchen und ihre Diakonie von Beginn an an der Aufarbeitung der Heimkindererziehung in den Nachkriegsjahrzehnten beteiligt und am Runden Tisch mitgearbeitet haben. An der Umsetzung von dessen Empfehlungen im Hinblick auf Maßnahmen der Rehabilitierung und finanzielle Maßnahmen u. a. zur Überwindung von Folgeschäden und für Rentenersatzleistungen für Betroffene beteiligen sich die evangelischen Kirchen und die Diakonie mit großen Geldbeträgen. Kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter standen und stehen im Übrigen für persönliche Gespräche mit ehemaligen Heimkindern zur Verfügung. Auch der Ratsvorsitzende hat in seiner Amtszeit viele solcher Gespräche persönlich geführt. In diesem Einsatz für die ehemaligen Heimkinder wird die Evangelische Kirche auch in Zukunft nicht nachlassen.

Mit freundlichen Grüßen

In Vertretung

OKR Dr. Christoph Thiele«

Ich werde ihm zurückschreiben. Hier schon einmal mein Brief als Vorabveröffentlichung:

Sehr geehrter Herr Dr. Thiele,

Ihr Schreiben an einen Herrn Werner, das im Blog des evangelischen Diplom-Theologen Dierk Schäfer, Bad Boll, wiedergegeben ist,  kann ich nur mit Befremden und Entsetzen zur Kenntnis nehmen. Sie loben in diesem Schrieb den Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider in Sachen Heimkinder u.a. wie folgt: „Für die Belange der ehemaligen Heimkinder hat sich der Ratsvorsitzende in seiner Amtszeit besonders und auch persönlich eingesetzt. So wurde die von ihm vorgetragene förmliche Bitte um Verzeihung von vielen Betroffenen als sinnvolles Zeichen angesehen. Darüber hinaus ist Ihnen sicher bekannt, dass sich die evangelischen Kirchen und ihre Diakonie von Beginn an an der Aufarbeitung der Heimkindererziehung in den Nachkriegsjahrzehnten beteiligt und am Runden Tisch mitgearbeitet haben.“

Für etliche Opfer ist jeder Satz Ihres Schreibens eine Unverschämtheit. Sie betrachten ihre Äußerungen als erneute Demütigung in einer langen Reihe von Erniedrigungen. Ihre Aussagen sind schon darum nicht nachzuvollziehen, weil in den verschiedensten Blogs im Internet genau dokumentiert ist, wie Opfer und Opfervertreter die Rolle Ihres Ratsvorsitzenden in Sachen Heimopfer sehen.

Allein mein Blog http://de.over-blog.com/recherche/nikolaus+schneider+blog:helmutjacob.over-blog.de, der des Theologen Dierk Schäfer http://dierkschaefer.wordpress.com (Hier ein Auszug laut Suchmaske: http://dierkschaefer.wordpress.com/?s=Nikolaus+schneider), die HP des Vereins ehemaliger Heimkinder http://www.veh-ev.eu und die Internetpräsenz der „Freien Arbeitsgruppe JHH 2006“ unter http://gewalt-im-jhh.de (hier zwei Seiten über die Evangelische Kirche: http://gewalt-im-jhh.de/Entschuldigung_der_evangelisch/entschuldigung_der_evangelisch.html und http://gewalt-im-jhh.de/Wiedergutmachung_der_evangelis/wiedergutmachung_der_evangelis.html widerlegen jeden Satz Ihres Schreibens.

Im Gegenteil: Als die Hilfe der Kirche und ihres Ratsvorsitzenden gebraucht wurde, nämlich am „Runden Tisch Heimerziehung“, haben Ihre Organisation und Ihr Vorsitzender auf ganzer Strecke versagt. Man hat die drei völlig überforderten sogenannten Opfervertreter ins offene Messer laufen lassen und seelenruhig zugeschaut, wie sie manipuliert, belogen, getäuscht und zuletzt zur Unterschrift unter einen Abschlussbericht mit unanständigen Fondsvorschlägen erpresst wurden. Die Eingaben der Herren Dipl.-Theologe/Dipl.-Psychologe Schäfer, Prof. Dr. Manfred Kappeler und vieler Opfervertreter wurden nicht berücksichtigt.

Lediglich 2% der Opfer haben aus diesem Fonds Leistungen angefordert. Vom Rest wird dieser Fonds in der Mehrzahl abgelehnt, weil er eine Verhöhnung der Opfer darstellt.

Ihre Kirche lässt zahlreiche andere Opfer der Kirchen im Regen stehen. Ich finde keinen Hinweis darauf, dass sich Nikolaus Schneider jemals für die heimgeschädigten Säuglinge und Kleinkinder eingesetzt hat. Auch fehlt jeder Hinweis über Aktivitäten der Kirche in Sachen Zwangseingewiesene in psychiatrische Anstalten. Ihnen müsste bekannt sein, wie einfach es war, psychisch völlig unauffällige Jungen und Mädchen und Jugendliche in die Psychiatrie einweisen zu lassen.

Ihre Aktivitäten zur Bewältigung der Benachteiligung behinderter Heimopfer scheinen auf Eis zu liegen. Jedenfalls wurden mir persönlich immer wieder Zwischenberichte angekündigt und den behinderten Opfern damit Hoffnungen erweckt. Und immer noch sind Behinderte vom Opferfonds ausgeschlossen.

Ihre Kirche hat aber auch noch andere Opfer produziert: Alte und Gebrechliche. Sie vegetierten und vegetieren immer noch auch in kirchlichen Alten- und Pflegeheimen. Sie hätten die Macht, einen höheren Personalschlüssel und höhere Gehälter zu erstreiten. Aber Sie lassen hunderttausende Menschen in den Heimen vergammeln. Dort wird nach dem „SSS-Verfahren“ gehandelt: Sauber, satt, still.

Zusammengefasst hat Ihre Kirche brüderlich mit der katholischen Schlachtfelder an seelischen, physischen und psychischen Opfern hinterlassen. Ihr einziges Ansinnen am Runden Tisch Heimerziehung, im Zusammenspiel mit Bund und Ländern,  scheint Schadensbegrenzung gewesen zu sein. Ihre Almosen aus dem Opferfonds lassen nur diesen Schluss zu.

Und gerade da liegt das Problem. Nach verlorener Kindheit mit katastrophalen Auswirkungen auf das gesamte Leben wollen die ehemaligen Opfer wenigstens einen halbwegs würdevollen Lebensabend erleben. Dazu brauchen sie Geld, sehr viel Geld, eine Opferrente, die den Begriff auch verdient hat. Dieses Geld wird gebraucht, damit die Opfer nicht in einem Alten- und Pflegeheim ohne persönliche Zuwendung mit Blick aus dem Fenster dahinsiechen müssen, sondern solange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben können.

Dafür sollte sich Nikolaus Schneider einsetzen. Solange er das nicht tut, hat er für manche Opfer seine Glaubwürdigkeit längst verspielt.

Ich bitte Sie übrigens, Ihren Hinweis „So wurde die von ihm vorgetragene förmliche Bitte um Verzeihung von vielen Betroffenen als sinnvolles Zeichen angesehen.“ in Zahlen zu belegen. Es ist nämlich Taktik aller Tätervertreter, solche Behauptungen ohne Beleg herauszuposaunen. Damit wird der Gesellschaft bewusst Sand in die Augen gestreut.

Auf dieses Schreiben müssen Sie nicht reagieren. Ich habe schon zu viele Textbausteine aus Ihrem Haus ertragen müssen. Sollten Sie dennoch antworten, steht diese in meinem Blog und an anderen Stellen im Internet.

Mit freundlichen Grüße

Helmut Jacob

 Heimkinder, Heimopfer, Evangelische Kirche, Diakonie, Nikolaus Schneider, Runder Tisch Heimerziehung

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Published by Helmut Jacob
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