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28. November 2013 4 28 /11 /November /2013 13:59

Bernd2.JPG Zum Schluss ist er dann doch ohne Schmerzen eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Zuvor musste er jedoch einen Fussmarsch durch die Hölle bewältigen. Seine letzte Woche war gezeichnet von Schmerzen, Müdigkeit und nicht einschlafen können, aber auch der Genugtuung, zuhause sein zu dürfen.

Wie gut, dass er noch 14 Tage zuvor nach Teneriffa flog, um mit seiner Frau die Welt ein Stück mehr zu erkunden. Wie schön, dass er die 5 Jahre seiner Krankheit dazu nutzte, die Welt in sich aufzusaugen und von den Eindrücken zu zehren. Er war leidenschaftlicher Segler und Urlauber in großem Kreise und als solchen habe ich ihn kennengelernt: meinen Freund Bernd.

1982 war es, dass wir mit 10 (es können auch 12 oder mehr gewesen sein) jungen Menschen nach Römö, eine dänische Insel nördlich von Sylt, fuhren. Wir hatten ein großes Mannschaftszelt dabei und ich meinen Wohnwagen. Als er die Bordküche sah, war für ihn klar: Hier koche ich. So haben er und Regina die Urlaubswochen mit leckeren Mahlzeiten verschönt. In einem von ihm gemieteten Ferienhaus saß ich zum ersten Mal in einer Sauna. Es war auch das letzte Mal; diese Temperaturen sagen selbst mir, der ich Wärme liebe, nicht zu.

31 Jahre kennen wir uns. Leider muss man jetzt „kannten wir uns“ schreiben und das tut weh. Die Hälfte meines Lebens hat er begleitet. Einmal im Jahr sahen wir uns regelmäßig, nämlich in der Adventszeit. Dann trafen wir uns in meiner Wohnung zu einem kulinarischen Abendessen und hatten endlich viel Zeit für uns. Dieser Besuch dauerte oft 7 bis 8 Stunden und ging bis spät in die Nacht hinein. Seine beiden Kinder, damals noch klein, schliefen auf meinem Sofa ein. 

Zwischendurch trafen wir uns immer mal wieder; in den letzten Jahren viel zu wenig. Denn auch an mir nagt der Zahn der Zeit. Bernd war eh immer aktiv. Sein Haus war eins der „Offenen Tür“. Es werden schon Tausende gewesen sein, die er bekochte: mehrmals unseren gesamten Chor, Gruppen von Migranten, Politiker, Frauengruppen - immer wieder die Großfamilie, weil ein Bruder mit seiner Familie mit in sein großes Haus zog. Sie, Regina, ist Politikerin mit Leib und Seele. Er war in der CDU und konnte mit mir, einem Parteilosen, diskutieren, ohne verbissen eine bestimmte Partei verteidigen zu müssen. Bernd war aufgeschlossen, hörte zu, sagte klar seine Meinung und nahm auch anderer Leute Meinung zur Kenntnis und manchmal stimmte er mir zu.

Sein soziales Engagement war ohne Grenzen. Als sie das Haus kauften, lebte dort in einem Kämmerlein noch der behinderte Hausknecht des Vorbesitzers. Ihm renovierten sie eine kleine Wohnung und ließen ihn dort wohnen, bis er verstarb. Danach war diese Wohnung immer wieder verzweifelten Menschen vorbehalten, die übergangsweise Unterschlupf suchten, weil sich Paare trennten. Sein soziales Pflichtbewußtsein zeigte sich auch in anderen Tätigkeiten. So war er unter anderem Presbyter in seiner evangelischen Gemeinde Winz-Baak.

Bernd war auch Bauer. Auf dem großen Grundstück wurden Kartoffeln und Kürbisse angebaut und seitens seines Bruders werden Hühner gehalten. Wie seine gesamte Familie, so war auch er Tierfreund und hatte ständig einen Hund um sich. Noch vor zwei Jahren kaufte er sich – seiner Krankheit zum Trotze – wieder einen Hund, weil der alte gestorben war.

Er genoss das Leben in vollen Zügen und musste doch so manche Niederlage einstecken. Böse Menschen trieben ihn beinah in den Ruin, weil sie seine Gutmütigkeit, die auch ein Firmeninhaber behalten sollte, schamlos ausnutzten. So stand Bernd mehrmals mit dem Rücken zur Wand und musste sich immer wieder aufrappeln. Aber er hatte viele echte Freunde, die ihn stützten.

Noch vor zwei Jahren feierte er die Silberne Hochzeit. Da war er schon lange krank. Dieser Tag war ein Fest für sicher über 100 Männer, Frauen und Kinder. Auch unser Chor war eingeladen und auch ich war dabei. Die Kirche war voll und das Gemeindehaus danach auch. Freunde gestalteten ihm einen langen, bunten Abend. Er begrüßte jeden am Tisch und plauderte mit jedem. Etwa drei Jahre zuvor brach seine Krankheit aus. Er wusste, dass diese Krankheit schwer oder kaum heilbar ist.

Im Rahmen meiner kleiner Geburtstagsparty Ende Oktober sahen wir uns wieder in meiner Wohnung. Sicher ahnte auch Bernd, was auch ich ahnte: Das wird unsere letzte Begegnung sein.

Bernd war ein Mensch mit geradem Kreuz. Er hat sich nie verbogen; so meine Beobachtung in 31 Jahren Freundschaft. Will ich meine Gefühle zu ihm beschreiben, muss ich hinzufügen: Liebe war es auch.

Danke, Bernd, dass Du mein Leben bereichert hast. Tschüss - bis dann einmal.

Bernd1.jpg

Bernd van Dinther

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Published by Helmut Jacob
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