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23. April 2014 3 23 /04 /April /2014 14:35

In seinem Artikel "sex-and-crime im Kloster" berichtet Dierk Schäfer über eine religiöse Gruppe, die der Katholischen Kirche angegliedert ist. Schäfer beschreibt die Zustände in diesem Kloster und kommt zu der Feststellung: 

"Wenn ich lese, welcher strengen Disziplin sich die Angehörigen der Gemeinschaft unterwerfen müssen, wie sie abgeschottet werden von den Personen, die bisher für sie bedeutsam waren, wie sie gehindert werden, untereinander Freundschaft zu schließen und welcher Gedankenkontrolle sie unterworfen werden, dann kommt mir die Scientology in den Sinn."

http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/04/23/sex-and-crime-im-kloster/

Sofort kamen mir die Kinder der damaligen Orthopädischen Anstalten Volmarstein in die Erinnerung und ich schrieb einen Kommentar:

Nicht nur die, lieber Herr Schäfer. Mir sprangen sofort die Kinder von Volmarstein ins Gedächtnis. Im Johanna-Helenen-Heim war es keinen Deut besser. Die Kinder wurden, wenn möglich, von ihren Eltern abgeschottet. Einigen Kindern, die gar keinen Besuch bekamen, wurde gesagt, ihre Eltern seien gestorben. Manchen Eltern wurde aber auch vermittelt, dass sie besser den Kontakt zu den Kindern abbrechen sollten, weil das Kind unter den Kontakten zu sehr leiden müsste; und schließlich wollen doch die Eltern nur das beste für ihr Kind. Post wurde zensiert oder einfach vernichtet. Die Kinder wurden bedroht, damit sie nicht die Wahrheit über ihre Kinderstation, über ihre gewalttätigen Lehrerinnen erzählen. Und demonstrativ wurden einige Kinder schon einmal vorab bestraft, um andere Kinder entsprechend in Angst und Schrecken zu versetzen. Freundschaften untereinander wurden verhindert; zum anderen Geschlecht immer. Wobei alles Geschlechtliche "eine große Sauerei" war. Selbst sich küssende Liebespaare auf der Straße galten als Schweine und den Mädels wurde vermittelt, dass sie eben solche Huren würden, wenn sie das täten. Eine Schweinerei war es allerdings nicht, wenn die Schwestern, pädophil bis unter die Haarspitzen, den Kindern an die ach so schweinischen Stellen gingen und sich an den Auswirkungen aufgeilten. Erst langsam dämmerte es den so Missbrauchten, warum ihr Liebes- und Sexualleben in den Folgejahrzehnten immer wieder aus dem Ruder lief. Einige Jungen wurden selbst zu Vergewaltigern, einige Mädchen konnten fortan keine erfüllende Sexualität mehr erleben. Ich erspare mir Details.

Auch die Gedankenkontrolle funktionierte ausgezeichnet: Die Lehrerinnen beispielsweise interpretierten ihre Bosheiten in die Gedanken der Kinder hinein und schon waren die Kinder bestrafungswürdig. Auch die pflegerischen Mitarbeiter konnten oft aus den Augen lesen. Jetzt muss ich doch einmal konkreter werden, damit man versteht wie verstört selbst junge Menschen waren. Bruder K. beispielsweise ging morgens durch die Jungenreihen in den Schlafsälen, deutete auf den ein oder anderen Jungen und meinte: "Ich sehe in deinen Augen, ob du gewichst hast." Mitten in der Pubertät fühlten sich manche Buben natürlich ertappt und wurden glutrot im Gesicht. Und so hatte der junge Diakonenschüler einen Beleg für seine Weissagung. Sofort wurde der Junge von ihm zusammengehauen. Dermaßen verängstigt reduzierte sich wahrscheinlich die Zahl der Masturbationen. 

Die Gewalt im Johanna-Helenen-Heim geschah nicht nur in den zweieinhalb Nachkriegsjahrzehnten, sondern setzte sich in den Auswirkungen dieser Exzesse fort. Unter diesen Auswirkungen haben manchmal selbst Unbeteiligte, nämlich Ehepartner oder ganz banal Freunde zu leiden.

Auch unter diesem Aspekt betrachtet, ist die Forderung der Heimkinder, und hier insbesondere die der Volmarsteiner gegenüber den Rechtsnachfolgern wirklich barmherzig und lächerlich gering. Für die Verwüstungen in den Psychen der Opfer müssten die Tätervertreter nach amerikanischem Vorbild belangt werden; dort geht es um Millionenbeträge.

Dierk Schäfer, Sex and Crime im Kloster, Katholische Kirche, Evangelische Kirche, Orthopädische Anstalten Volmarstein, Johanna-Helenen-Heim, Sexueller Missbrauch

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Published by Helmut Jacob
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