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21. März 2010 7 21 /03 /März /2010 23:10

Im Herzen der Finsternis

Veröffentlicht in Kirche, Pädagogik, heimkinder von dierkschaefer am 21. März 2010

Im Herzen der Finsternis

Selten nur ist man von einem Sachbuch so gefesselt, daß man es möglichst ohne Unterbrechung durchliest. Und wohl kaum üblich ist es, daß Autoren einer wissenschaftlichen Studie ein Bild aus dem belletristischen Bereich bemühen, um das Resümee zu ziehen. Sie schreiben: »Öffnete man in den 1950er und 1960er Jahren die Tür zum Johanna-Helenen-Heim, so sah man in einen Abgrund der Willkür, der Zerstörung, der Gewalt, der Angst und der Einsamkeit. Man blickte in das ‚Herz der Finsternis‘« So heißt der Roman von Joseph Conrad, in dem er eine (fiktive) Expedition zum Oberlauf des Kongo, der Privatkolonie des belgischen Königs Leopold II beschreibt. Der „Freistaat Kongo“ stand außerhalb jeglichen Völkerrechts. Seine Bevölkerung wurde millionenfach zur Arbeit gezwungen, verstümmelt, versklavt, getötet. Das Ganze unter dem „Deckmantel eines wortreichen humanitären Missionseifers“.

Das Herz der Finsternis des nun vorliegenden Forschungsberichtes ist das „Johanna-Helenen-Heim“ in Volmarstein in den Jahren 1947 bis 1967. [Hans-Walter Schmuhl und Ulrike Winkler, Gewalt in der Körperbehindertenhilfe, Das Johanna-Helenen-Heim in Volmarstein von 1947 bis 1967, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010, Schriften des Instituts für Diakonie- und Sozialgeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, Band 18].

Die Autoren haben nicht übertrieben. Wer das Buch liest, schaut mit Grauen tatsächlich in ein Herz der Finsternis. Die Arbeit mit den Quellen, insbesondere die Befragung der ehemaligen Heimkinder muß nicht nur für die Heimkinder, sondern auch für die Autoren extrem belastend gewesen sein und es ist ihr Verdienst, in wissenschaftlicher Nüchternheit und quellenkritischer Methodik den Leser teilhaben zu lassen an den erhobenen Befunden. Der Leser muß nicht aufgefordert werden, sich zu entsetzen, das besorgt schon die Rekonstruktion des Heimalltags.

Eine Abteilung des Johanna-Helenen-Heims in Volmarstein war im beschriebenen Zeitraum ein Heim für behinderte Kinder. Sie kamen mit unterschiedlichem familiären und gesundheitlichen Hintergrund in das Heim, wo sie versorgt, gepflegt und beschult werden sollten. Diese Unterschiede sorgten bereits für eine Hierarchisierung, die eine Hackordnung war.

»Kinder, die aus einem geordneten und wohlhabenden (und dem Personal gegenüber freigebigen) Elternhaus kamen, Kinder, die eine enge Bindung zu ihren Familien hatten, kräftig genug waren, um Pflegehilfsdienste zu übernehmen, die sich ruhig und angepasst verhielten und gute schulische Leistungen vorweisen konnten, genossen einen gewissen Schutz. Kinder, die aus einfachen Verhältnissen stammten, die keine Angehörigen hatten oder deren Familien sich nicht um sie kümmerten, laute, lebhafte, widersetzliche, trotzige Kinder, Kinder, die sich einnässten und stereotype Verhaltensmuster aufwiesen, Kinder, die schlechte schulische Leistungen erbrachten, zogen den Zorn des Personals auf sich. Ganz unten in der Hierarchie standen die „Sozialwaisen“, deren Eltern sich nicht um sie kümmerten oder denen das Sorgerecht entzogen war – sie waren regelmäßig Opfer physischer und psychischer Gewalt der Schwestern und Lehrerinnen, aber auch der anderen Kinder, die vom Personal dazu angestiftet wurden.« Nicht etwa, daß es den Kindern „weiter oben“ gut gegangen wäre, es ging ihnen nur besser als denen „unten“: »Marianne B. [mußte] ein schwarzes Strafkleid tragen, wenn sie sich nicht wie verlangt benommen hatte. Sie hatte demütigende Prozeduren über sich zu ergehen lassen, die von keinem anderen Kind berichtet werden. Auch war sie ein bevorzugtes Prügelopfer, die Schwestern schlugen nicht nur selber zu, sondern animierten auch andere Kinder, Marianne zu schlagen und schlecht zu behandeln. Regelmäßig wurde Marianne zu schweren und schmutzigen Arbeiten herangezogen. … Klaus [mußte] vierzehn Tage lang allein in einem abgedunkelten Badezimmer und von der Außenwelt abgeschnitten liegen. Der einzige Sinneseindruck für ihn sei das Geräusch eines tropfenden Wasserhahns gewesen«.

Eine Hierarchie, wenn auch nicht diese, war „fachlich“ vorgegeben: »In der Folge des Ersten Weltkriegs setzte sich eine Dreiteilung von Menschen mit Behinderungen durch: Die „Schwerbeschädigten“, deren körperliche Behinderung auf eine Kriegs-, Arbeits- oder Unfallverletzung zurückzuführen war, wurden gegenüber der Masse der „Krüppel“, also der Menschen mit körperlichen Behinderungen, die nicht zu diesen privilegierten Gruppen gehörten, bevorzugt, und am Ende der sozialen Leiter standen die „Unwertigen“ – die „Krüppelsiechen“, die nicht in die moderne Arbeitsgesellschaft integrierbar waren, ferner Menschen mit Mehrfachbehinderungen sowie Menschen mit geistigen Behinderungen oder Epilepsie. Diese verhängnisvolle Dreiteilung, die sich im „Dritten Reich“ (mit tödlichen Folgen für viele „unwertige“ Menschen mit Behinderungen) noch weiter verfestigt hatte, wirkte bis weit in die 1960er Jahre, teilweise noch darüber hinaus, nach«.

Damit bietet die Untersuchung zugleich eine Geschichte der Behindertenpädagogik, der „Krüppelpädagogik“, die ein beängstigend-trauriges Kapitel der Diakoniegeschichte darstellt. Denn die Staffelung der Leistungen der „Krüppelfürsorge“ nach der Schwere der Behinderung und dem Behandlungsaufwand führte auf allen Gebieten der Volmarsteiner Anstalt, und wohl nicht nur dieser, zu den Defiziten, die das Haus zum Herzen der Finsternis machten: die unzulänglichen Gebäude und ihre Einrichtung, der Personalschlüssel und die fachliche Qualifikation des Personals. Dies alles ist ebenso wie die kaum vorstellbaren Demütigungen, Quälereien und eindeutigen Menschenrechtsverletzungen detailliert in der Untersuchung nachzulesen.

Auf einige Besonderheiten des Personals sei jedoch hingewiesen. Da gab es eine extrem gefürchtete Lehrerin. Selber überaus behindert hatte sie es mit eiserner Kraft und Selbstdisziplin geschafft, diese Position zu erlangen. Sie gehörte damit zur „wertvollen“ Gruppe der „Krüppel“. Mit den „Unwertigen“ konnte sie nicht nur nichts anfangen („Du bist asozial, und Asoziale fördere ich nicht“), sondern sie schlug in blindem Haß (Selbsthaß?) auf sie ein. Kinder mit Körperbehinderung mußten über lange Zeit „Strafstehen“. Wenn sie zusammenbrachen, wurden sie am Boden verprügelt und wieder hingestellt. Eine andere Lehrerin schlug nicht „im Jähzorn“, sondern “eiskalt“. Diese Gewalttätigkeiten waren auch in der damaligen Zeit gesetzwidrig und den Heimverantwortlichen bekannt.

Auch das gewalttätige Verhalten der Gruppe der Königsberger Diakonissen kann man nur unter Berücksichtigung ihrer Biographien verstehen. Von der Roten Armee überrollt waren zwei von ihnen mehrere Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft, bevor sie nach Volmarstein kamen. Man weiß, wie die russischen Soldaten über Frauen hergefallen sind und ich hörte, daß einige Diakonissen, die – altersbedingt nicht mehr ganz kontrolliert – die sie pflegenden Schwestern mit gotteslästerlichen Flüchen verstört haben. Das jahrelang verdrängte Grauen brach durch. Doch es kommt noch etwas hinzu. Die Autoren beziehen sich auf Goffmans Beschreibung „Totaler Institutionen“. Er schreibt von einem grundlegenden Unterschied der Stellung der Insassen und der des Personals, das im Unterschied zu den Insassen „anders“ könne und einen Privatbereich habe. Dies war den Diakonissen kaum gegeben. Das Entsetzen des Lesers über die Verhältnisse im Heim steigert sich, wenn er erkennt, daß diese Diakonissen ihrerseits in einer totalen Institution gefangen waren. Das unbarmherzige „Mutterhaus“ (!) verfügte total über sie, überforderte und demütigte sie. Ob die kritische Geschichte der Gewaltverhältnisse in Diakonissenhäusern schon geschrieben ist, weiß ich nicht. Jedenfalls stießen im Heim traumatisierte und gedemütigte Menschen auf doppelt Hilflose, auf Kinder, als solche schon schutzbedürftig, zudem aber noch behindert. Das konnte nicht gutgehen.

Die Untersuchung widmet sich auch den anderen Personen im Heim:

Da ist der Arzt, der zwar im Dritten Reich zur Bekennenden Kirche gehörte, aber ein Anhänger und Verfechter der Nazi-Eugenik war. Als eiskalt wurde er wahrgenommen. Bei den seltenen medizinischen Visiten beteiligte er sich an Strafmaßnahmen.

Das Heim war eine kirchliche Einrichtung; also gab es auch Pfarrer. Auch sie wußten von den Gewalttätigkeiten. Von seelsorgerlichen Bemühungen um die Kinder oder um das Personal ist nichts zu lesen, aber von Gottesdiensten, Andachten und Konfirmationsunterricht.

Einer der Lichtblicke sind einige Praktikanten. Ihre Berichte bestätigen die Erlebnisse der mißhandelten Heimkinder. Ein Praktikant wurde unter Druck gesetzt, seinen Bericht zu „schönen“, doch er blieb standhaft. Solche Pressionen kommen auch heute noch vor, wenn z.B. eine Praktikantin auf die pädagogischen Merkwürdigkeiten bei „erlebnispädagogischen“ Auslandsprojekten einer kirchlichen (!) Einrichtung verweist.

Volmarstein ist heute anders. » Die Evangelische Stiftung hat letztendlich Licht ins Dunkel gelassen. So ist das vorliegende Buch nicht nur ein Geschichts-, sondern auch ein Lehrbuch über die Wirkung und Auswirkungen von Verbrechen und Versagen«. So schreibt die „Freie Arbeitsgruppe JHH 2006“ in ihrem Vorwort zur Untersuchung der Wissenschaftler. Ihrem umsichtigen Beharren auf Aufklärung und ihrer transparenten Arbeit im Internet ist die vorliegende Untersuchung zu verdanken, aber auch dem vor wenigen Jahren erfolgten Personalwechsel an der Spitze der Stiftung. Hier wurde in vorbildlicher Weise Vergangenheit aufgearbeitet. Bei ähnlichen Einrichtungen steht das noch aus, und wahrscheinlich benötigen wir auch dort einen Personalwechsel an der Spitze für die Einsicht, daß die Interessen der Institution weniger wichtig sind als daß geschundenen Kindern Gerechtigkeit widerfährt.

»Der geheime Lehrplan des Johanna-Helenen-Heims zielte auf das „Erzeugen von permanenter Angst“. Auch wenn nicht ständig geschlagen wurde, war das Grundgefühl der Kinder im Johanna-Helenen-Heim eine allumfassende Angst, das Gefühl, der Willkür der Schwestern und Lehrerinnen hilflos ausgeliefert zu sein, das Bewusstsein, dass es kein Entrinnen gab. «

Nun aber will die Evangelische Stiftung Volmarstein ein neues Heim nach einem mißhandelten Heimkind nennen. Dies ist die höchste Anerkennung, die auf symbolischer Ebene möglich ist. Was noch aussteht sind Entschädigungen. Insbesondere wird man der Angst der ehemaligen Heimkinder begegnen müssen, die mit der Aussicht auf erneute Heimunterbringung in Alten- bzw. Pflegeheimen verbunden ist. Die Schatten der Vergangenheit reichen bis in die Zukunft.

Die Untersuchung von Schmuhl/Winkler gehört unbedingt in die Pädagogik-Ausbildung angehender Erzieherinnen und Jugendamtsmitarbeiterinnen und in die Ausbildung des Personals von Alten- und Pflegeheimen. Auch sollte in jeder Heim-Bibliothek ein Exemplar stehen, zugänglich für das Heimpersonal und für die Heimbewohner, die zum Glück keine Insassen mehr sind, auch wenn diese Institutionen nie ganz den Charakter von totalen Institutionen verlieren werden.


Aus Anlaß dieser Rezension sei eine weitere angefügt.

So unterschiedlich beide Bücher sind, so geht es in beiden um Menschen mit Behinderung. Auch dieses Buch mag man nicht aus der Hand legen, bevor man es durchgelesen hat. Bei der Untersuchung von Schmuhl/Winkler liegt das an der verstörenden Wirkung des Grauens, hier ist es der bezaubernde Charme eines Menschen, der uns rätselhaft ist und bleibt, und der seine Umwelt in komische Verwirrungen stürzt. Die Identifikation mit den Personen trägt bis zum Schluß des Buches.


Marie-Aude Murail, Simpel, Frankfurt am Main, Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2010, 4. Auflage

Das Buch war mir schon sympathisch bevor ich es lesen konnte. Meine Frau ist Romanistin und hatte mir begeistert davon erzählt. Nun ist es nicht nur übersetzt, sondern erhielt auch 2008 den „Deutschen Jugendliteraturpreis“.

Simpel

»Red doch nicht mit Leuten, die du nicht kennst«, schimpfte Colbert. Dann gab er sich einen Ruck und wandte sich an den Mann mit dem Hund:»Entschuldigen Sie, er ist geistig behindert.« »Ein I d i o t«, korrigierte ihn der andere und betonte dabei jede einzelne Silbe.

Der andere, das ist Simpel, 22 Jahre alt – und er ist gar nicht so simpel, wie er heißt.

Colbert, sein Bruder hat ihn aus dem Heim geholt, aus Malicroix. Damit beginnen die Schwierigkeiten. Denn Colbert, 17 Jahre alt, will an einem Pariser Elitegymnasium sein Abschlußjahr machen und geht nun mit seinem nur dem Alter nach großen Bruder auf Wohnungssuche. Simpel ist zusammen mit seinem Stofftier, Monsieur Hasehase, ein Risiko. Schon die erste Wohnungsbesichtigung scheitert, denn die Maklerin ist hell entsetzt. Mehr Glück haben die beiden beim Casting in der WG, auf die Colbert dank einer Kleinanzeige im Supermarkt gestoßen ist. Doch es klappt, und nun wird es spannend. Wie bringt Colbert seinen Schulalltag, sein erwachendes Interesse für Mädchen und den unberechenbaren Bruder unter einen Hut? Wie lange toleriert die studentische Wohngemeinschaft, selber in gewisse Partnerschaftsprobleme untereinander verstrickt, einen Simpel, der im Dialog mit seinem Monsieur Hasehase Chaos stiftet? Vor ihm sind auch keine technischen Geräte sicher, weil er in ihnen ein Männchen, ein Mänzel, sucht. Und Handys sackt er einfach ein.

Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode. Die Ratschläge von Monsieur Hasehase verkomplizieren die Handlung, machen sie streckenweise zur Komödie und treiben sie voran. Das alles ist gut verflochten mit den Ereignissen in der WG und Colberts Irrungen auf pubertären Pfaden. Dabei lernen wir eine ganz reizende Familie mit maghrebinischem Hintergrund kennen, die überhaupt keine Probleme mit Simpels Skurrilitäten hat.

Doch die Situation spitzt sich zu. Simpel bedient auch das Telefon der WG, wenn er allein ist. Das hat überraschende Folgen. So versetzt er die Eltern eines anderen WG-Bewohners in Aufruhr und veranlaßt sie zu einem überstürzten Besuch. Simpel schafft es auch in aller Naivität, die Dame vom Jugendamt zu täuschen. Das führt zu einem reizenden Verwechslungsspiel.

Doch schließlich wird die Belastung zu groß. Simpels Vater setzt sich durch: Ab nach Malicroix, ins Heim! Schließlich soll sich Colbert nicht überfordern. Er habe doch sein eigenes Leben zu leben, wie er, der Vater, mit seiner neuen Frau.

»Im Heim legte Simpel sein Stofftier auf das Kopfkissen, dann holte er seine Kinderschere. „Machst du mir wieder die Augen kaputt?“ – „Du sollst das nicht sehen.“ – „Ja, aber wie weine ich dann?“ fragte Monsieur Hasehase«. Simpel löst das Problem auf seine Weise. Während er in der WG bereits schmerzlich vermißt wird, versetzt er das Heim in Aufruhr, geht bei vollem Heim-Alarm schick gekleidet an der Rezeption vorbei und haut ab. Zurück in Paris findet er sich nicht zurecht. Zwei Prostituierte gabeln ihn auf. Sie merken recht bald, mit wem sie es zu tun haben. »Das ist doch ein Idiot«. – »Geistig behindert«, korrigiert Simpel. Auf der Suche nach Geld in seinen Taschen stoßen die Prostituierten auf den Notzettel mit der Handy-Nummer seines Bruders.

Nun ja, Ende gut alles gut: Simpel und Colbert bleiben in der WG, Monsieur Hasehase wird aus dem Müllschlucker gerettet, Colbert weiß nun, welches Mädchen er wirklich liebt und die Partnerschaftsverhältnisse der anderen WG-Bewohner sind auch geklärt.

Es wäre zutiefst unbefriedigend gewesen, wenn dieses bezaubernde Buch kein sympathisches Ende gefunden hätte. Die Autorin schafft es, Empathie für eine Menschengruppe zu wecken, der wir aus Unsicherheit lieber aus dem Weg gehen, weil Menschen mit geistiger Behinderung uns verunsichern, denn wir halten sie für unberechenbar. Wer selber einen „Simpel“ daheim hat, wird bei manchen Episoden zustimmend schmunzeln, besonders wenn Simpel mit schlafwandlerischer Sicherheit unerwartet-richtige Kommentare gibt. Man ist aber trotzdem dankbar, daß der eigene Simpel nicht in Begleitung eines Chaos-Hasen daherkommt. Doch die Beglückung, die von solchen Menschen ausgehen kann, finde ich bei Simpel wieder.

Ein Wort sei noch der Jugendamtsmitarbeiterin gewidmet. Natürlich empfindet man als Leser Schadenfreude, wenn sie von Simpel an der Nase herumgeführt wird. Doch man kann ihr keinen Vorwurf machen. Sie verhält sich professionell und macht eigentlich keine Fehler. Was der „öffentlichen Fürsorge“ abgeht, wird nicht nur an Simpel deutlich, der sich ihr entzieht, sondern auch darin, daß sie wohl nie wird verstehen können, daß professionelle Fürsorge zur Karikatur wird vor der Liebe eines Bruders, der seinen Simpel trotz aller Schwierigkeiten, die so ein Simpel mit sich bringt, aus dem Heim holt.

Auch wir lieben unseren Simpel.

Rezensiert von

Dierk Schäfer

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Published by Helmut Jacob
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