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6. Februar 2010 6 06 /02 /Februar /2010 17:05
Gibt es sie immer noch, die Deutsche Kinderhilfe in Berlin? Ein Verein, der in der ersten Zeile jedes Browsers frech dreist behauptet „Die Stimme für Kinder“ zu sein.

 Im Zusammenhang mit den Verbrechen an Säuglingen, Kleinkindern und auch an Schulkindern hat ihre Stimme völlig versagt, ist sie nämlich abgetaucht, quasi in einen vierjährigen Sommer-Winter-Schlaf verfallen. Jedenfalls ist nichts darüber bekannt, daß sie sich auch nur einmal mit dieser Thematik befaßt haben könnte.

 So ist es höchste Zeit, der wieder erwachten Kinderhilfe mitzuteilen, was inzwischen passiert ist. Da hat ein Spiegeljournalist Ende 2005 unter anderem aufgedeckt, daß unter kirchlichen und staatlichen Dächern unzählige Kinder und Jugendliche zusammengeschlagen, vergewaltigt, zwangsgestopft wie polnische Weihnachtsgänse, aufeinandergehetzt und zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden.

 Dies alles geschah in den drei Nachkriegsjahrzehnten und passiert auch heute noch, wenn auch nicht mehr in dem beschriebenen Ausmaß. Es wird höchste Zeit, daß „Die Stimme der Kinder“ sich endlich einmal mit diesen Verbrechen befaßt und sich schleunigst auf die Seite der Opfer stellt! Denn sonst ist fraglich, weshalb sich dieser Verein den Namen „Deutsche Kinderhilfe“ überhaupt zugelegt hat und ob er den Gemeinnützigen-Status überhaupt verdient.

Im Zusammenhang mit den Verbrechen unter den Dächern des Jesuitenordens ist die Deutsche Kinderhilfe doch noch aus der Versenkung ans Tageslicht gekommen. Presseerklärung vom 04.02.2010: „Instrumentalisierung der Betroffenen? Zur Ankündigung eines Berliner Rechtsanwalts, Sammelklage in den USA einzureichen“.

In dieser meint sie allerdings, die Opfer belehren zu müssen. So rät sie davon ab, eine Sammelklage in den USA anzustreben und prognostiziert eine „ausgesprochen bedenkliche und für viele Betroffene negative Entwicklung“. Immerhin habe sich der Jesuitenorden doch selbst an die Öffentlichkeit gewagt und die Tat anerkannt. Die Kids würden jetzt sagen: „Die raffen auch gar nichts!“ So scheint es, denn sonst müßte „Die Stimme der Kinder“ völlig erbost angeprangert haben, daß einzelne Jesuiten schon vor Jahrzehnten Dreck am Stecken hatten und dieser von Vorgesetzten unter den Teppich gekehrt wurde.

 Weiter führt der Verein aus: „Die Vorgehensweise des Juristen ist kontraproduktiv und gefährdet aus juristischen Gründen eine offene Debatte.“ Ist es noch Schlafentzug, Dummheit oder schon Bosheit, daß die Kinderhilfe ignoriert, daß seit vier Jahren eine offene Debatte systematisch boykottiert wird?

 Bis zum heutigen Tage haben es die Kirchen und staatliche Rechtsnachfolger damaliger Aufsichtsorgane nicht geschafft, offen über die Verbrechen unter ihren Dächern zu sprechen. Immer nur haben sie reagiert, anstatt zu agieren. Zunächst haben sie die Opfer mit juristischen Schritten bedroht, danach haben sie jahrelang von Einzelfällen schwadroniert. Bis sich jene, die per Bergpredigt verdonnert wurden, ihre Mitmenschen zu lieben und ganz besonders die Kinder, dann zu der Äußerung vorkämpfen konnten, daß doch gehäufte Einzelfälle vorliegen. Ernstzunehmende Entschuldigungen an die Opfer stehen bis zum heutigen Tage aus. Lediglich die Verantwortlichen in Volmarstein lassen ihrer Entschuldigung Taten der Wiedergutmachung folgen und werden damit für die Opfer glaubwürdig.

 Statt dessen treten sie alle auf jede Bremse, die ihnen unter die Füße kommt, um ja nicht das Thema „Opferentschädigung“ anpacken zu müssen.

 „Die Deutsche Kinderhilfe appelliert an die Betroffenen, sich nicht zum Spielball juristischer Auseinandersetzungen machen zu lassen“, meint „Die Stimme für Kinder“ und läßt gleich die Katze aus dem Sack: „Eine Verkürzung darauf, wo die höchsten Schadensersatzansprüche durchgesetzt werden können – eine „Amerikanisierung“ des Verfahrens – wird es jedoch den vielen Betroffenen erschweren, die erfahrenen Verletzungen endlich bekannt zu machen.“

 Es ist kaum zu fassen, für wie blöd der Verein seine Mitmenschen hält. Fast täglich ist das Bestreben aller in der Aufarbeitung der Verbrechen in den Heimen eingebundenen Rechtsnachfolger zu erkennen, den Schaden so klein wie möglich zu reden und jegliche Schadensforderungen weit von sich zu weisen. Zwar hat der Zwischenbericht des Runden Tisches inzwischen die Möglichkeit eine Opferentschädigung ins Spiel gebracht, auf der Pressekonferenz dazu sind allerdings beispielsweise von den Vertretern der Regierung deutliche Vorbehalte gemacht worden. Selbst die Tischvorsitzende, Antje Vollmer, versucht offensichtlich, ein bestimmtes Terrain abzustecken. Höher, als die Schadensleistungen an die jüdischen Zwangsarbeiter, könne sie sich eine Entschädigung an die Heimopfer nicht vorstellen. Dabei hat sie natürlich die ihr vor ein paar Monaten per Protest zugetragenen Hinweise verschlabbert, daß neben der durchschnittlichen Entschädigungssumme von etwa 2700 Euro in zahlreichen Fällen weit höhere Summen ausgezahlt und sogar monatliche Opferrenten geleistet werden. Dies alles ist ihr bekannt. Nicht zuletzt hier findet eine Manipulation zum Nachteil der mißhandelten Kinder, Jungen, Mädchen und Jugendlichen statt.

 Unter diesem Blickwinkel muß die Ablehnung von Sammelklagen in den USA seitens der Kinderhilfe ebenfalls als Manipulationsversuch gedeutet werden. Begründend anzuhängen, dies würde „den vielen Betroffenen erschweren, die erfahrenen Verletzungen endlich bekannt zu machen“, kann nur von einem Verein kommen, der wirklich die letzten Jahre völlig verpennt hat.

 Die erfahrenen Verletzungen sind vielfältig dokumentiert. Sie sind im Internet zu finden, sie sind in Büchern zu finden. Sie sind auf Homepages von Opfern zu finden.

 "Die Stimme für Kinder“, die laut ihrer Homepage „offiziell als Organisation die Interessen gegenüber dem Bundestag oder der Bundesregierung vertritt“, schadet den Kindern, die zu Opfern geworden sind. Würde sie ihrem Namen gerecht werden, stände sie seit vier Jahren eindeutig auf der Seite der mißhandelten Kinder und würde mit ihnen darum kämpfen, höchstmögliche Entschädigungen und Opferrenten zu bewirken.

 Wenn die Kinderhilfe zum Schluß die Hoffnung ausdrückt „daß nur wenige Opfer diesen Weg gehen“, gemeint ist der Weg der Sammelklage in den USA, kann ich nur hoffen, daß niemand auf die Roßtäuschereien der Kinderhilfe hereinfällt und sich jedes Opfer des Jesuitenordens der Sammelklage anschließt, wenn es nicht umgehende und umfangreiche Wiedergutmachung erhält.

 

http://www.kinderhilfe.de/presse/2010/02/1904.php

http://www.gewalt-im-jhh.de/

http://www.emak.org/news/news_index.htm

http://dierkschaefer.wordpress.com/

http://www.saeuglingsheim-archiv.de/

http://www.veh-ev.info/

http://www.heimkinder-ueberlebende.org/

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Published by Helmut Jacob
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