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27. Mai 2013 1 27 /05 /Mai /2013 21:50

Nach dem Beschluss des Bundestages zur Einrichtung eines Opferfonds für Heimopfer der Erziehungshilfe in den zweieinhalb Nachkriegsjahrzehnten wurden im gesamten Bundesgebiet und zuletzt auch in den neuen Bundesländern sogenannte Anlaufstellen eingerichtet. Dort können sich Opfer melden und Anträge auf Sachleistungen als sogenannte „Kompensation des erlittenen Unrechtes“ und sogenannte „Rentenersatzleistungen“ beantragen. Seit Aufnahme der Arbeit in den Anlaufstellen kommt es immer wieder zu Beschwerden von Opfern, die sich schlecht behandelt, erneut gedemütigt und „über den Tisch gezogen“ fühlen. Diese Beschwerden häufen sich und es kann schon nicht mehr von Einzelfällen geschrieben werden.

 

In Reaktion auf den Beitrag „Bundesregierung feiert Akzeptanz des Opferfonds für ehemalige Heimkinder“ von Helmut Jacob in der Readers-Edition

http://www.readers-edition.de/2013/05/24/bundesregierung-feiert-akzeptanz-des-opferfonds-fur-ehemalige-heimkinder/

berichtet „Akinom“ in seinem Leserbrief vom 24. Mai 2013 über Erfahrungen bei der Umsetzung des Heimopferfonds. Hier mit seiner Genehmigung der volle Wortlaut des Leserbriefes:

Es sind im Westen nur 108 Mio. EUR für die ehemaligen Heiminder!

Das perfide ist, dass man als ehemaliges Heimkind, um ein paar EUR aus dem Fonds zu bekommen, kämpfen muss wie ein Berserker! Viele haben nicht mehr die Kraft dazu, sterben vor der Auszahlung oder erkranken überdurchschnittlich oft an Krebs!

Doch das interessiert niemanden. Es geht hier nicht um die „Eliteschüler“ aus den Internaten. Es sind die Menschen, die heute auf Grund ihrer Biografien in der untersten Schicht der Gesellschaft leben müssen, von den reichen Kirchen und dem reichsten Staat in Europa im Stich gelassen, nachdem sie diese Menschen als Kinder ausgenutzt, ausgebeutet, misshandelt und jegliche Bildung verweigert haben!

Oft dauert es über ein Jahr, nachdem man sich bis auf die “Unterhose” ausziehen musste, bis überhaupt der Antrag bearbeitet wurde. Viele Heimkinder werden retraumatisiert, durchleben wieder all die Qualen aus ihrer Kindheit. „Niedrigschwellig nachweisen“ empfahl der Runde Tisch, die Realität in den Anlaufstellen interessiert das nicht im Geringsten. „Vorgaben vom Lenkungsausschuss“ bekommt man als pampige Antwort bei Nachfragen.

Wurde der Antrag endlich angenommen, kann man gut und gerne wieder eine Ewigkeit warten, bis dann die Almosen aus dem Fonds überwiesen werden. Denn mehr als Almosen, für das unvorstellbare Leid und die Zwangsarbeit, ohne je einen Pfennig dafür gesehen zu haben und oft schon vor dem 14. Lebensjahr bis hin zur Heimentlassung, sind es für das einzelne ehemalige Heimkind nicht!!!

In einigen Anlaufstellen, wo man einen Antrag stellen kann, werden die ehemaligen Heimkinder gedemütigt und beleidigt, von Menschen, die nicht einen Hauch von Ahnung haben, mit welcher Perversion die Kinder misshandelt, gedemütigt, gebrochen und oft sexuell missbraucht wurden! Man war nicht mehr wert als ein asozialer Bastard für die Erzieher/Innen, Nonnen und Pater.

Unwerte Subjekte dieser Gesellschaft, die nach dem Krieg bis in die 80zigr Jahre hinein wie Kriminelle eingesperrt waren, keine anständige Schulbildung bekommen haben, Freiwild für Sadisten, die im Krieg oft noch in den KZ-Lagen Aufseher waren, oder „Erzieher“ in Kinderheimen angelernt haben.

Wir waren keine Kriminellen! Als Heimeinweisung genügte schon, dass man unehelich geboren wurde, längere Haare hatte oder Musik von den Beatles oder Elvis mochte. Ein Anruf beim Jugendamt von einem „lieben“ Nachbarn, mit dem Hinweis „Verwahrlosung“ reichte, um vom Jugendamt ohne jegliche Voranmeldung abgeholt zu werden und meist nicht mehr vor Erreichung der Volljährigkeit aus den „Besserungsanstalten“ entlassen wurde!

Ab da waren wir Freiwild, Geächtete, Rechtlose – jeder durfte ungestraft mit dem Finger auf uns zeigen: “Ihhhh schau mal – eines dieser Heimkinder!” Oft wurde man dafür von anderen Kindern verprügelt, es gab niemanden, der eingeschritten wäre – “Ist doch NUR ein Heimkind!”

Wir waren jedoch für die Kirchen und den Staat eine lukrative Einnahmequelle und kostenlose Arbeitskräfte! Heute speist man uns für all das erlittene Leid mit ein paar EUR ab, obwohl die geschätzten 800.000 Heimkinder nach dem Krieg bis in die 80ziger Jahre hinein Milliarden für Kirche und den Deutschen Staat erwirtschaftet haben!

Drei ehemaligen Heimkindern, die als „Statisten“ ohne wirkliches Mitspracherecht am Runden Tisch mit Antje Vollmar teilnahmen, wurde gedroht, wenn sie die 120 Millionen für 800.000 ehemalige Heimkinder nicht akzeptieren würden, gäbe es nicht einen einzigen Pfennig!

Aus diesen 120 Millionen EUR werden jedoch die Anlaufstellen, satte Gehälter, Miete und Fortbildungskurse für Mitarbeiter in den Anlaufstellen ectr. bezahlt, sodass in Wahrheit nur 108 Millionen EUR für die ehemaligen Heimkinder übrig bleibt!

DAS ist die Realität!!!

Runder Tisch Heimerziehung, Opferfonds, Erziehungsheim, Katholische Kirche, Evangelische Kirche, Diakonie, Caritas, Heimopfer, Sexueller Missbrauch, Gewalt, Kinderheim, Jugendheim

 

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Published by Helmut Jacob
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