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29. März 2011 2 29 /03 /März /2011 15:00

„Bitte schlag mich nicht!“ – Opferrente als Investition gegen die Angst

 

„USA: Jesuiten entschädigen Missbrauchsopfer“, so die Schlagzeile auf der Internetplattform „Die Presse.com“.

http://diepresse.com/home/panorama/religion/645016/USA_Jesuiten-entschaedigen-Missbrauchsopfer-?_vl_backlink=/home/panorama/religion/index.do

Im Bericht wird geschrieben, daß die Jesuiten in den USA ihren etwa 500 Opfern 118 Mio. Euro Entschädigung zahlen wollen. Für jedes Opfer ist dies statistisch ein Betrag in Höhe von 236.000 €. Geht man von einer Restlebenszeit von 15 Jahren aus (was nicht in allen Fällen zutreffen wird), weil die meisten Opfer über 60 sind, steht jedem 15.733€ jährlich, bzw. 1.311€ monatlich zur Verfügung.

Die ehemaligen Heimkinder in der Bundesrepublik Deutschland fordern eine Opferrente von monatlich 300€, also 1.000€ weniger. Andere wollen eine einmalige Entschädigung von 54.000€. Auch sie gehen davon aus, daß sie davon etwa 15 Jahre zehren. Teilt man diese Forderung durch 15 Jahre und jedes Jahr durch 12 Monate, kommt man wieder auf 300€. Die ehemaligen behinderten Heimkinder von Volmarstein fordern 400 €. Sie meinen, daß ihre Aufwendungen behinderungsbedingt teurer sind als die Nichtbehinderter.

Im Laufe der vergangenen 5 Jahre haben viele Opfer erkannt, daß sie vor der Schwelle des Altenheims stehen. Sie werden nicht umhinkommen, sie eines Tages zu übertreten. Davor haben sie Angst. „Eher springe ich von der Brücke, als daß ich nochmal ein Heim betrete!“, sagte eine behinderte Frau schon zu Beginn ihrer Auseinandersetzung mit ihrer Kindheit im Heim. Bei anderen sitzt die Angst unterschwelliger, manche wollen an diesen Schritt nicht denken.

Dreihundert Euro Opferrente bis zum Lebensende. Das kann die Lebensqualität im Heim verbessern. 300€ ist nämlich täglich 10€. Wer dies Geld hat und seinem Pfleger mit einem dankbaren Händedruck zuschiebt, wird sich seine Gunst erhalten. Er müßte weniger in die Gefahr kommen, einmal zu sagen: „Bitte schlag mich nicht!“. Die Ängste sind berechtigt. Es gibt Gewalt in Altenheimen. Mit Sicherheit nicht in allen. Aber keiner weiß, in wievielen. Aber auch das: Nichtbeachten oder die schroffe Zurechtweisung oder „Haben wir den heute schon Pipi gemacht?“, oder die 24-Stunden-Windel ist Gewalt an alten Menschen. Der/die eine oder andere Alte wird diese Gewalt mehr oder weniger als solche empfinden.

In unserem gelegentlich gestörten Rechtssystem gibt es Richter, die den Justiz-Oscar verdient haben. Dazu gehören die Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Säcker, Schmidt, Dr. RothkegeI, Dr. Franke und Prof. Dr. Berlit. In einem Fall, in dem eine Landesbehörde das zuvor gezahlte Pflegegeld nach dem Bundessozialhilfegesetz mit Verweis auf Zahlungen durch die Pflegeversicherung vollends streichen wollte, haben die Richter weise  und vorausschauend geurteilt: „Es verstehe sich, daß ein Pflegebedürftiger, der sich zur Sicherstellung seines pflegerischen Bedarfs für das so genannte ”Arbeitgeber-Modell” nach § 69 c Abs. 4 Satz 2 BSHG entschieden habe, nicht darauf beschränkt werden könne, seinen ”Arbeitnehmern” stets nur den ”tariflichen” Lohn” zukommen zu lassen, sondern daß es immer wieder Situationen geben werde, in denen dem Pflegeempfänger eine darüber hinausgehende materielle Anerkennung für die Hilfe angemessen erscheinen müsse; ...“.

http://www.forsea.de/tipps/Urteile/050.shtml

Will heißen: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.

 

Heimkinder, Opferentschädigung, Wiedergutmachung, Runder Tisch Heimerziehung, Opferrente, Katholische Kirche, Evangelische Kirche

 

 

 

 

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Published by Helmut Jacob
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