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28. Juni 2012 4 28 /06 /Juni /2012 16:18

Zur Kritik der Kirchen am Urteil gegen eine Beschneidung

„Das Kölner Landgericht hatte in seiner am Dienstag [26.06.2012] veröffentlichten Entscheidung die Auffassung vertreten, eine Beschneidung aus religiösen Gründen sei strafbar. Sie sei auch nicht durch die Einwilligung der Eltern gerechtfertigt, da sie nicht dem Wohl des Kindes entspreche. Der Körper des Kindes werde durch die in Islam und Judentum verbreitete Beschneidung ‚dauerhaft und irreparabel verändert’“.

Dieses Urteil wurde von Vertretungen der Muslime, Juden und Christen kritisiert. Heinrich Mussinghoff, Aachener Bischoff, empfindet es als "äußerst befremdlich, weil es der grundgesetzlich geschützten Religionsfreiheit der Eltern und ihrem Erziehungsrecht in keiner Weise gerecht wird". Hans Ulrich Anke, Präsident des Kirchenamtes der EKD in einer Stellungnahme: „Die Religionsfreiheit und das elterliche Erziehungsrecht seien unzureichend gegen das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit abgewogen worden ... Die Entscheidung bedürfe deshalb der Korrektur, um in Deutschland Rechtssicherheit zu schaffen.“

Meine Meinung

Hans Ulrich Anke ist ein Heuchler. Wenn er die Religionsfreiheit und das elterliche Erziehungsrecht gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit, eingeschränkt sieht, vergisst er doch glatt, was seine Kirche und die der Konkurrenz im Rahmen der Religionsfreiheit alles verbrochen hat.

Da wurden Kinder und junge Menschen zusammengetreten, mit Toten in Leichenhallen gesperrt, zur Zwangsarbeit gepeitscht oder per Hund gehetzt, nikotinsüchtig gemacht, anal, oral und anderweitig sexuell vergewaltigt, rund um die Uhr verängstigt, in Klabausen eingesperrt, Trommelfelle zertrümmert, Knochen gebrochen, zwangsgefüttert, durch Essensentzug bestraft, einfach vergessen und vernachlässigt. Im Rahmen der Religionsfreiheit hat man sich nicht einmal gescheut, sich an den Hilflosesten der Gesellschaft, an behinderte Klein- und Schulkinder, zu vergreifen. Zudem besaß man noch die Frechheit, dies mit einem Griff in die Schreckenskiste des Alten Testaments zu rechtfertigen.

Ex-Leiter der Evangelischen Stiftung Volmarstein, Pastor Ernst Springer (verstorben), gab den Opfern seiner Einrichtung erst einmal Religionsunterricht. In seiner unsäglichen „Volmarsteiner Erklärung“ zu den Verbrechen im Johanna-Helenen-Heim in den zweieinhalb Nachkriegsjahrzehnten zieht er in seinem „Anhang Bibelstellen ‚züchtigen’“ vom Leder:

Offenbarung 3, 19

„Welche ich liebhabe, die weise ich zurecht und züchtige sie“.

Sprüche 13,1 „Ein weiser Sohn liebt Zucht... “ (Luther: lässt sich vom Vater züchtigen)

Sprüche 13, 24 „Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn beizeiten“.

Sprüche 19, 18 „Züchtige deinen Sohn, solange Hoffnung da ist, aber lass dich nicht hinreißen, ihn zu töten.“

Psalm 94, 12 „Wohl dem, den du, Herr, in Zucht nimmst und lehrst ihn durch das Gesetz" (Luther: Wohl dem, den du, Herr, züchtigst....)

Hebr. 12, 6: „Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt".

Wer so viel Dreck unter dem Dach der Evangelischen Kirche und der Diakonie zu verarbeiten hat, wer sich weigert, die Verwüstungen unter kirchlicher Trägerschaft nachhaltig zu reparieren, sollte nicht über Religionsfreiheit in Verbindung mit Misshandlungen schwadronieren, schon gar nicht, wenn seine Kirche im Schulterschluss mit der katholischen die Opfer über den Runden Tisch gezogen und ihnen damit die selbstverständliche Wiedergutmachung vorenthalten hat.

Das einzige, was beschnitten werden muss, ist die Macht der Kirchen. Sie haben in Sachen Heimkinder Machtmissbrauch betrieben. Ihr Umgang mit dieser Thematik ist ein moralisches Verbrechen, unter dem die Opfer erneut leiden.

Dieser Machtmissbrauch setzt sich auch heute fort. Beispielsweise in der Pflege Alter, Kranker und Gebrechlicher sollen 1-Euro-Jobber und aus der Wirtschaft entlassene Hilfskräfte eingesetzt werden. Der Gewalt an diesen Hilflosen sind weitere Türen geöffnet. Bereits vor 60 Jahren haben unqualifizierte Kräfte großen Schaden angerichtet. Wo bleibt der Marsch der höchsten Kirchenvertreter, Schneider und Zollitsch vornweg, durch das Brandenburger Tor gegen solche Dämlichkeiten? Hier und da sind einige Protestnötchen zu vernehmen. Allerdings wird die Macht der Kirchen nicht für den Faustschlag auf den Tisch von Politikern eingesetzt, der nötig ist, damit solche Überlegungen weggefegt werden.

Nein, die sogenannten Volkskirchen haben ihren Anspruch als moralische Instanz verwirkt. Jede Äußerung wird daran gemessen, welche moralischen Maßstäbe sie an sich selbst legen.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bischofskonferenz-kritisiert-beschneidungsurteil-a-841280.html

http://religion.orf.at/projekt03/news/1206/ne120628_beschneidung.html

http://gewalt-im-jhh.de/Volmarsteiner_Erklarung_von_Er/ESV_10.jpg

Evangelische Kirche Deutschland, EKD, Katholische Kirche, Urteil zu Beschneidung, Heimkinder, Gewalt, sexueller Missbrauch, Runder Tisch Heimerziehung

 

Dierk Schaefers Blog

Beschneidung? – Ist doch nur ein kleiner Schnitt!

Posted in Kinderrechte, Menschenrechte, Politik, Theologie by dierkschaefer on 28. Juni 2012

Menschenrechte oder Religionsfreiheit?

Bevor jemand den Link anklickt, sollte er/sie wissen, was dort zu sehen ist:

Eine Beschneidung.

Wer sexuelle Gewalt erfahren hat, sollte sich das lieber nicht anschauen und anhören.

Wer sensibel ist, sollte es sich gut überlegen. Das Geschrei des Kleinkindes ist fürchterlich – nur gefühllose Barbaren können dabei ruhig bleiben. Bei der Betäubung fällt das Geschrei weg – der Schmerz kommt nach Abklingen der Narkose. (Wie man die Beschneidung als Kriegslist einsetzen kann, ist in 1. Mose, Kap. 34 ab Vers 25 zu lesen.)

Wer der Meinung ist, die Religionsfreiheit und das Bestimmungsrecht der Eltern über ihre Kinder habe Vorrang vor menschenrechtlichen Bedenken, muß sich das Video anschauen, Sensibilität hin oder her.

Sadisten und Kinderpornographen werden sich das Video genüßlich reinziehen.

http://www.gesundheitssite.com/beschneidung-video

Zur Problematik von Religion, Sitte und Regelbefolgung:

Es wird eingewandt, die Beschneidung von Jungen sei für die jüdische Religion konstitutiv. Das gilt aber für die gesamte Mosaische Gesetzgebung, die zum Glück inzwischen weitgehend zivilisiert wurde, entweder durch trickreiche Umgehung der Regeln, so die „Sabbat-Aufzüge“ [http://www.shortnews.de/id/279427/Wegen-dem-Sabbat-mussen-Aufzuge-in-Israel-automatisiert-werden]oder ganz einfach durch Nichtbefolgung.

Wo käme der Staat Israel auch hin, wenn er die Strafvorschriften z. B. aus dem dritten Buch Mose, Kapitel 20 befolgen würde? Hier ein paar Beispiele: 20.9 Wenn irgend jemand seinem Vater oder seiner Mutter flucht, muß er getötet werden; … 20.10 … wenn ein Mann Ehebruch treibt mit der Frau seines Nächsten, müssen der Ehebrecher und die Ehebrecherin getötet werden.

Da gibt es noch mehr Gesetze, die für einen gewaltigen Aderlaß in Israel sorgen würden.

Mit der Scharia steht es nicht besser – aber auch deren Hadd-Strafen [http://de.wikipedia.org/wiki/Hadd-Strafe] werden kaum angewendet.

Religionen wie auch Staaten müssen sich nach den Menschenrechten richten – doch das ist ein beschwerlicher Weg bis dorthin.

 

PS: Man kann die Beschneidung auch künstlerisch veredeln:

http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/4422172072/

 

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Published by Helmut Jacob
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