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20. November 2011 7 20 /11 /November /2011 15:00

„Der Bochumer Pfarrer Thomas Wessel von der Christuskirche, kann zwar die Betroffnen verstehen, verteidigt aber die Preisvergabe. Am runden Tisch habe es „absurde Forderungen“ der Opfer gegeben. Für Vollmer sei es nicht leicht gewesen einen Konsens zu erzielen.“

Zitiert aus:

http://www.radiobochum.de/Lokalnachrichten.592+M5dcf34c0b7a.0.html?&L=0&no_cache=1&sword_list[0]=thomas&sword_list[1]=wessel

 

Dazu Leserbriefe, die nicht verloren gehen dürfen und darum an dieser Stelle wiedergegeben werden:

 

rolf breitfeld (18.11.2011 16:53)

Information für alle die nicht am Runden Tisch teilgenommen haben. Der Runde Tisch war Kasperle-Theater. Versicherungen würden über diese Art der Schadensregulierung vor Neid erblassen. Sie sollten sich alle schämen. Schon bei meiner ersten Teilnahme im Januar 2010 merkte ich dass hier etwas nicht stimmt. Frau Vollmer wollte die Tatbestände Zwangsarbeit und Isolationshaft nicht gelten lassen. Da nutzte mir auch der Hinweis auf das Grundgesetz nichts. Professor Schrapper benutzt in seiner wissenschaftlichen Aufarbeitung des Landesfürsorgeheim Glückstadt doch diese Worte. Warum wurde dies im Endbericht ignoriert? Nun gut, dachte ich mir, wenn dieser Staat sein Gesicht wahren will und am Ende für die Heimkinder ein annehmbares Ergebnis herauskommt soll es mir recht sein. Bei der Abstimmung für den Zwischenbericht wurde ich von Frau Vollmer ausgetrickst. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingearbeitet, wollte aber das Ergebnis nicht mittragen. In einer Pause sagte ich dies der Frau Vollmer und sagte ihr auch dass ich mich aufgrund dessen der Stimme enthalten werde. Frau Vollmer hätte mir als erfahrene Politikerin sagen müssen dass dann das Ergebnis als einstimmig gilt. Hat sie aber nicht.....ausgetrickst. Ohne diese Trickserei hätte es schon beim Zwischenbericht keine Einstimmigkeit gegeben denn ich war als Vertreter der Frau Fleth zu diesem Zeitpunkt stimmberechtigt. Die restliche Zeit verbrachte ich am Runden Tisch als nicht stimmberechtigter aufmerksamer Zuhörer. Mich stört vor allem welche Gehirnakrobatik betrieben wurde um uns glauben zu machen dass alle unsere Ansprüche verjährt sind. Allein weil es so oft wiederholt wurde glaube ich es nicht. Am vorletzten Tag versuchten wir den sogen. Hammelsprung und weigerten uns den Saal zu betreten. Frau Fleth, Frau Djurovic und Herr Wiegand betraten dann den Saal um kurz unsere Forderungen zu verlesen und dann die Mitglieder des Runden Tisches die unsere Forderungen unterstützen zu uns heraus zu bitten. Leider hielten sie sich nicht an das Drehbuch und ließen sich auf eine 45 minütige Diskussion ein während wir Stellvertreter draussen warteten. Als sie herauskamen folgten ihnen mehrere Mitglieder des Runden Tisches, uA. Frau Vollmer und Frau Rupprecht. Ich kann mich noch genau an die Worte der Frau Rupprecht erinnern: " Wenn sie nicht reingehen platzt der Runde Tisch und es gibt garnichts". Sie hat somit in der 114. Sitzung des Bundestages eindeutig die Unwahrheit gesagt. Als die anderen Heimkinder den Saal betraten bin ich mitgegangen, nicht aus Überzeugung, aber ich wollte bis zum Ende als Zeuge dabei sein. Bei der Abstimmung zum Endbericht konnten die stimmberechtigten Heimkinder dem aufgebauten Druck nicht standhalten und haben zugestimmt. Sofort danach ließ Frau Vollmer die nicht stimmberechtigten Vertreter ebenfalls abstimmen, wohl um das Ergebnis nach oben hin abzurunden. Ich habe ausdrücklich mit NEIN gestimmt. Welchen Sinn macht eine Abstimmung wenn das Ergebnis anschließend, weil nicht passend, im Endbericht verschwiegen wird ? Ich mahne noch mal alle hier Anwesenden: Wer das Ergebnis des Runden Tisches mit trägt macht sich auch mit schuldig. Rolf Breitfeld 030/7824805

 

Felix-Werner Winnig (18.11.2011 15:52)

Herr Wessel spricht von „absurden Forderungen“ der Opfer. – Wie oft muß ich mich als Betroffener noch weiter verhöhnen und beleidigen lassen? Und das ausgerechnet von einem Vertreter und einer Vertreterin (Vollmer) die für mich die Nachfolger einer kriminellen Vereinigung sind. Die evangelische Kirche und ihre Helfershelfer haben mich fast zwei Jahre wie einen Sklaven gehalten und zur Zwangsarbeit getrieben. Ich hatte mein 14. Lebensjahr beendet und musste –ohne ausreichende Bekleidung- im Winter 2 Meter tiefe Entwässerungsgräben im Akkord ausheben. Auf díe Bitte nach wärmerer Kleidung wurde mir entgegenet: „Winnig, arbeite Dich warm“. Nie werde ich diese und andere abscheuliche Verhaltensweisen von diesen „ christlichen Brüdern“ vergessen. Wurde die Norm erfüllt, gab es bis zu 1,80 DM pro Woche „Lohn“. Damit durfte ich mir, wenn ich nicht im „schwarzem Buch“ stand (wo Minuspunkte für Verfehlungen eingetragen wurde), Karamellbonbons kaufen. (Bei 3 Minuspunkten wurde der „Einkauf“ gestrichen. Verfehlungen waren u.a.: unkorrektes Bettenbauen: 1 Minuspunkt) Als mein Fluchtversuch durch Kapos vereitelt wurde, schlug mich der Helfershelfer „Bruder“ Brandt zusammen. Die Folgen sind noch heute sichtbar ! Als weitere Demütigung musste ich wochenlang Stiefel aus Holz tragen, mit denen wegen des hohen Eigengewichtes eine weitere Flucht aber auch die Erfüllung der Zwangsnorm unmöglich war. Eine sehr wirksame Demütigung war auch die Anrede mit dem Nachnamen. Ich höre schon den Aufschrei, wenn ich das Tragen dieser Holzschuhe und der abgerissenen, unzureichenden Bekleidung mit dem sichtbaren Tragen des Judensterns vergleiche, aber ich empfinde es so ! – Die Scham und der Hohn, den ich ertragen habe, kann niemand nachvollziehen. Zur „Besinnung“ wurde ich tagelang in Einzelhaft gehalten, deren Fenster aus Glasbausteinen bestand. Sonntags gab es als Zwangsveranstaltung den gruppendynamischen Kirchgang. Wenn überhaupt jemand wagte, daran nicht teilzunehmen zu wollen, wurde er dahin geprügelt oder er verschwand für Tage in den „Besinnungsraum“. Verantwortlicher Vorstand für diese für mich kriminelle Vereinigung („Anstalt Freistatt“) war Herr Lehmann. Und – man ahnt es schon – ein Pastor der Evangelischen Kirche. In den letzten Wochen habe ich viele „Diskussionsbeiträge“ von dem Pastor Thomas Wessel gelesen. Die darin enthaltene Überheblichkeit wird für mich nur noch von seiner Arroganz übertroffen. Als ich damals hörte, dass die Pastorin Vollmer die Moderation des „Runden Tisches“ in der Heimkinderangelegenheit übernehmen sollte, war es für mich klar, dass sie vornehmlich ihre Aufgabe dahingehend sehen würde, ihre Kirche vor Anklagen (eine Krähe hackt doch der anderen keine Augen aus) und seien diese noch so berechtigt- zu schützen. Der Begriff „Moderation“ erhielt auch bald eine neue Bedeutung: Vollmer bezeichnete sich selbst machtbeflissen nach kurzer Zeit als Vorsitzende. Demokratisches Gedankengut, wie Herr Wessel es für seine „Kirche“ in Anspruch nimmt, wurde kurzer Hand eliminiert . Ihr Paladin Wessel reiht sich da geschmeidig ein. Seine „Diskussionsbeiträge“ sprechen eine nur zu eindeutige Sprache. Herrn Wessel kann ich nur entgegenen: Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte (Zitat vom Maler Max Liebermann, der mit diesem Ausruf seine Abscheu gegen die Machtergreifung der Nationalsozialisten ausdrückte)

 

MeaCulpa 12

 

Heidi Dettinger (18.11.2011 12:42)

Ist ja interessant... Absurd nennt der Herr Pastor die Forderungen, welche die Opfer kirchlicher Heimkinderhöllen stellen. Was ist denn NICHT absurd als Entschädigung für eine zerbrochene Biografie? Für geraubte Schul- und Berufsbildungschancen? Was darf es denn sein für geschundene Seelen, gefolterte Körper, gesplitterte Knochen und ausgebrannte Hoden? Welche Forderung würde der Herr Pfarrer denn als genehm ansehen? Aber vielleicht weiß er einfach nicht, wovon er redet... Hat er schon mal sein eigenes Erbrochenes (oder auch das von anderen, da waren die "Erzieher", Nonnen, Brüder, Diakonissen nicht unbedingt so eigen) vom Boden auflutschen müssen? Oder tagelang in einer Besenkammer gekauert, oder auf kaltem Flur die ganze Nacht gestanden? Um es mal deutlich zu machen: Der Verein ehemaliger Heimkinder e.V. fordert -> eine Opferrente von 300 Euro monatlich oder wahlweise 54.000 Euro Einmalzahlung -> für ehemalige Heimkinder mit Behinderung 400 Euro monatlich oder wahlweise 72.000 Euro -> für Überlebende mit besonders schwerer Schädigung die Möglichkeit, eine höhere Summe einzuklagen Absurd? Zum Vergleich: In Irland werden ehemalige Heimkinder mit durchschnittlich 69.000 Euro entschädigt. In den USA bekommen Missbrauchsopfer Entschädigungen in Millionenhöhe zugesprochen. Und in der Bundesrepublik Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt? Es gibt keine Entschädigung! Es soll - irgendwann mal - Hilfeleistungen geben. Und zwar nur für die unter uns, die bedürftig sind. Sachleistungen. Vielleicht eine Brille? Oder einen Rollstuhl? Oder einen Stützstrumpf? Eine Therapie womöglich? DAS ist es, was Frau Vollmer "ausgehandelt" hat. Und das ist es, was untrennbar mit ihrem Namen verbunden bleiben wird. Und nun wird diese Frau, die es so trefflich verstanden hat, die ehemaligen Heimkinder über den Runden Tisch zu ziehen, mit einem Preis ausgezeichnet. U.A. dafür... Übrigens: der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Das ist mindestens 10x soviel, wie eines der Opfer DER Organisation, die selbigen verleiht, jemals bekommen wird. Nicht etwa als Entschädigung - als Sachleistung. Bei Hilfsbedürftigkeit. Absurd? Unbedingt! Heidi Dettinger VEH e.V.

 

MeaCulpa 6

 

Zwischenruf:

14 Tage etwa hatte der evangelische Theologe Thomas Wessel Zeit, sich über die Verbrechen an hilflosen Säuglingen, Kleinkindern, Schulkindern - noch wehrloseren körperbehinderten Säuglingen und Kindern - und Jugendlichen in den drei Nachkriegsjahrzehnten zu informieren. Er muss mehrmals das Gefühl bekommen haben, in die Hölle zu blicken. Wenn nicht, hat er eben nicht genug gelesen. Als normaler, mitfühlender Mensch, ist man schockiert ob dieser vielen hundert Berichte, die Zeugnis von der Verkommenheit mancher Menschen und Institutionen ablegen. Einem normalen, mitfühlenden Menschen drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Wieviel Kraft und ungeheure Überwindung mussten die Opfer aufbringen, wieviel Schmerz muss es ihnen bereitet haben, ihre versaute Kindheit und Jugend auf Papier oder auf den Bildschirm zu dokumentieren? Wie viele große und kleine Retraumatisierungen mussten bewältigt werden, nur, weil es drängte, dass diese Schweinereien endlich ausgesprochen werden?

 

Thomas Wessel ist nicht nur „normaler“ Mensch. Er ist gleichzeitig Theologe. Er hat die christliche Nächstenliebe zu verkünden und er hat Sprachrohr der „Mühseligen und Beladenen“ zu sein; so wie sein Chef am Kreuz immer auch Sprachrohr für die „Aussätzigen“, die Zöllner und die Huren war. Er hat neben den Schwachen zu stehen, so wie Christus seine Wege immer wieder zu Kranken gefunden hat. Er hat sich für die einzusetzen, die Unrecht und Leid erfahren haben. Als Theologe müsste er intensiver die Prozesse der Aufarbeitung tausendfacher Verbrechen an Runden Tischen und in den Foren studieren, bevor er sein theologisches Mundwerk in Gang setzt. Wenn er dies getan hätte, würde ihm die Bemerkung von den „absurden Forderungen“ im Halse stecken bleiben. Sind sie ihm nicht. Er hat sich erdreistet, seinen theologischen Müll bei einem Radiosender zu entsorgen. Als „theologischen Müll“ muss ich seinen Auswurf bezeichnen, weil die Meinung eines „normalen“ Menschen mit theologischer Bildung immer auch als Meinung eines Pastors verstanden wird. Dieser dahergebrabbelte Quatsch ist noch unüberlegt dazu. Wessel sollte einmal die „absurden Forderungen“ durch die Anzahl der Opfer teilen, die allein die Kirchen auf dem Gewissen haben. Schnell käme er dahinter, dass diese kaum über die Leistungen hinaus gingen, die beispielsweise aus dem Opferentschädigungsgesetz erwachsen würden, wenn es nicht die Einschränkung der Entschädigung vor 1976 vorsehen würde. Seine Formulierung ist auch aus dem Grunde Quatsch, weil Wessel längst erfahren haben müsste, dass hunderte Milliarden in die Rachen von Spekulationsbanken geschmissen werden und die Forderungen der Heimopfer geradezu ein Klimpergeld dagegen sind.

Habe ich Wessels unmögliche Kommentare in seinem Blog bisher als Äußerungen eines wilden Theologen betrachtet, eines Heißsporns, so muss ich ihm nun jede theologische Kompetenz absprechen. Da wiederum ist er in guter Gesellschaft: mit Antje Vollmer.

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Published by Helmut Jacob
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