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3. Mai 2009 7 03 /05 /Mai /2009 00:33
Dierk Schäfer zur Frage, warum die Behindertenhilfe vom Runden Tisch nicht behandelt wird:

Und nun ganz neu die Frage der in Heimen untergebrachten behinderten Kinder. Ganz neu natürlich nicht. Schon lange beschäftigt ein Arbeitskreis ehemaliger Heimkinder sich und die für die Heimkinderfrage „zuständigen“ amtlichen Ansprechpartner mit den „Gewalttaten und Verbrechen im Johanna-Helenen-Heim, der damaligen Orthopädischen Heil-, Lehr- und Pflegeanstalten Volmarstein (heute: Evangelische Stiftung Volmarstein) in den 50er und 60er Jahren“. Es gibt auch eine wissenschaftliche Untersuchung der Historiker Dr. Ulrike Winkler und Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl. Beide sprechen davon, daß sie einen Blick in das „Herz der Finsternis“ getan haben. Es lohnt sich, bei Joseph Conrad im gleichnamigen Buch nachzulesen, wie er „das Grauen“ beschreibt, das sind die letzten Worte seines Romans.
Seit langem informieren die ehemaligen Heimkinder vom Johanna-Helenen-Heim über ihre Schicksale auch Frau Vollmer. Am 21. April schließlich bekommen sie vom Büro des Runden Tisches als Antwort, der Runde Tisch sei gar nicht zuständig, er habe seinen Auftrag nämlich nur für Heimunterbringungen als Jugendhilfe-Maßnahme. Eine rein formal-juristische Antwort nach so langer Zeit.

Es gibt zwei Erklärungsmöglichkeiten.
Die eine heißt Hinhaltetaktik und Aushungern.
Die andere, banale, heißt: Der Runde Tisch kam mit einem Geburtsschaden zur Welt (s. http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/runder-tisch-bericht-ds.pdf, Seite 2 f). Er ist immer noch nicht richtig in die Puschen gekommen. Darum wurde auf die Mails der Freien Arbeitsgruppe JHH nicht eher reagiert. Es gibt ja beim Runden Tisch anscheinend auch immer noch keinen Ansprechpartner, der hinreichend kompetent wäre, die Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder verständnisvoll entgegenzunehmen, sowie es auch weiterhin an der nötigen Transparenz der Arbeitsweise des Runden Tisch mangelt. Dieser „verspäteten Institution“ scheint jedes Fingerspitzengefühl abzugehen für den Umgang mit traumatisierten Menschen, die hoch-vulnerabel sind. Man scheint „business as usual“ zu machen, in gut bürokratischer Manier eins nach dem anderen und unter Beachtung der Zuständigkeiten.
Wäre ich ehemaliges Heimkind und in Unkenntnis amtlichen (Ver-)Waltens, würde ich dahinter auch einen böswilligen Masterplan vermuten.
Da ich jedoch biographisch nicht vorbelastet bin, neige ich dazu, Unverständnis und nicht etwa Eigeninteresse hinter diesen Dingen zu vermuten.
Der Runde Tisch kann mithelfen, diese doch etwas exkulpierende Sichtweise zu unterstützen:
   1. Mehr Transparenz!
   2. Verbindliche Zielsetzungen für plausibel nachgewiesene Mißstände in den Heimen!
   3. Ausdehnung der Untersuchungen des Runden Tisches auf alle „totalen Institutionen“, in denen Kinder im fraglichen Zeitraum untergebracht waren! Es gibt keinen sachlichen Grund, Heime für behinderte Kinder vom Verfahren völlig auszunehmen, auch wenn der rechtliche Hintergrund für Behindertenheime ein anderer war als für die Heime im Bereich Jugendhilfe.
Wenn der Runde Tisch sich nicht den begründeten Einwänden gegen sein Prozedere stellt, nährt er die Verschwörungstheorien.
Wenn der Runde Tisch sich nicht den begründeten Einwänden gegen sein Prozedere stellt, muß man den Petitionsausschuß über diesen Mißstand informieren!

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Published by Helmut Jacob
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