Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
17. Februar 2009 2 17 /02 /Februar /2009 22:37

Diese Frage stellt sich mir seit einigen Wochen, seit ich beobachte, wie denn nun der Runde Tisch besetzt werden soll. Zunächst ist einmal festzustellen, dass es seitens des Petitionsausschusses wohl keine Informationen mehr darüber gibt, weil er seine Arbeit beendet hat. Als nächstes muss resümiert werden, dass etliche Anfragen an das Bundesfamilienministerium, an die drei bisher in Frage gekommenen Organisationen, die diesen Tisch bisher organisierten sollten, unbeantwortet blieben. Selbst auf eine Anfrage bei der Tischvorsitzenden Antje Vollmer, erfolgte keine Reaktion.

 

Auch in den Printmedien und in den Online-Ausgaben dieser Printmedien sind konkrete Aussagen über die Besetzung des Tisches nicht zu finden. Allerdings scheint die Teilnehmerzahl auf 20 Personen begrenzt zu sein. Es kristallisiert sich heraus, dass drei Personen des Vereins Ehemaliger Heimkinder am Tisch sitzen sollen.

 

Wie kommt es zu dieser Zahl? Keiner weiß Genaues. Erlaubt muss aber die Frage sein, ob der Verein Ehemaliger Heimkinder überhaupt befugt ist, die Interessen aller Heimopfer zu vertreten und erlaubt sein muss auch die Frage, ob er überhaupt gewillt ist, die Interessen aller Heimopfer zu vertreten.

 

Bis vor etwa einem halben Jahr war die Homepage dieses Vereins tot. Es kam nichts Neues hinzu. Insbesondere hat die Homepage in keinster Weise anderen Heimopfern geholfen, für ihre eigene Aufarbeitung Nutzen daraus zu ziehen. Die Gespräche zwischen dem Verein Ehemaliger Heimkinder und irgendwelchen Regierungsstellen blieben im Dunkeln. Die Öffentlichkeit hat davon mehr oder weniger nichts erfahren.

 

Es sollen permanent interne Querelen stattgefunden haben, was zur Folge hatte, dass ein neuer Vorstand gewählt wurde. Über die Anzahl der Vereinsmitglieder sind keine Auskünfte zu erhalten. Die Homepage gibt diesbezüglich auch nichts her. Als Beobachter der Szene habe ich die Vermutung, dass es sich hierbei eher um einen kleinen Verein handelt, der ein in sich geschlossenes System ist und auch nicht groß daran interessiert ist, mit anderen Heimopfervereinigungen zu kooperieren.

 

Auch heute ist diese Homepage eine eher tröpfelnde Informationsquelle. Andere Homepages, die sich mit der Aufarbeitung der Heimgeschichte beschäftigen, sind bedeutend informativer und werden diesbezüglich immer aktualisiert.

 

Beispielhaft ist die Homepage von EMaK (Erwachsene misshandelt als Kinder). Auch auf einer Homepage, die sich mit Gewalt an behinderten Kleinkindern und Schulkindern befasst, ist eine Seite „Blick über den Tellerrand“ eingerichtet, auf der alle Fundstücke aus dem Internet zusammengetragen werden.

 

Wenn also die Teilnehmerzahl des Runden Tisches auf 20 Personen begrenzt ist, ist es keineswegs zu akzeptieren, dass ein einziger Verein quasi monopolistisch die Vertretung aller Heimkinder übernimmt. Einige Diskutanten im Forum des Diakonischen Werkes Deutschland haben bereits sofort nach der abschließenden Sitzung des Petitionsausschusses am 26.11.2008 den Antrag gestellt, die Herren Professor Manfred Kappeler und Dipl.-Pädagoge und Psychologe Dierk Schäfer zum Runden Tisch einzuberufen. Weil zwischendurch immer wieder das Gerücht gestreut wurde, dass Professor Kappeler bereits zum Tisch dazugehört, haben sich die Bemühungen auf den Psychologen Dierk Schäfer beschränkt. Beide Personen genießen höchstes Ansehen und höchstes Vertrauen in der Gruppe der Heimopfer. Sie haben mutig das formuliert, woran andere meinen, noch jahrelang herumforschen zu müssen. Nämlich, dass es Gewalt und Verbrechen in den Heimen gegeben und wie Prof. Kappeler geäußert hat: „Die Ausnahme war es vielmehr, wenn Erzieher vom Zwangssystem abwichen.“ Dies ist auch inzwischen überall zu beobachten: Allein die Homepage der Freien Arbeitsgruppe JHH 2006 (FAG JHH 2006) dokumentiert, dass in der Tat die Gewalt eindeutig im Vordergrund gestanden hat.

 

Beide aufrechte Personen sprechen sich auch nicht mehr nur für eine Entschuldigung aus, sondern beispielsweise Dierk Schäfer formuliert hierzu: „Eine kirchliche Bitte um Vergebung würde um so glaubhafter, wenn die Kirchen  zusammen mit den staatlichen Instanzen einen Opferfond finanzieren, aus dem dann die erforderlichen Psychotherapien bezahlt werden können, die den traumatisierten Heimkindern helfen, mit ihrer Vergangenheit fertig zu werden.“

 

Sind es solche und ähnlich mutige Äußerungen der Herren Kappeler und Schäfer, die sie vom Runden Tisch aussperren? Will der Runde Tisch oder wollen die Initiatoren dieses Tisches so viel Kritik nun doch nicht hören? Dient diese Kritik nicht eher dem Ansinnen der Opfer, immer wieder nach einem Opferfond zu schreien? Steht dieses Geschrei nicht dem Ansinnen der Familienministerin, der Kirchen und staatlichen Rechtsnachfolgern im Wege, am liebsten solche Forderungen im Nirwana verschwinden zu lassen? Wenn dies so ist, dann geschieht durch die Aussperrung dieser honorigen Opfervertreter eine weitere Misshandlung der Opfer! Dann dokumentieren jene, die über die Zusammensetzung des Runden Tisches zu entscheiden haben, dass sie die Opfer nicht ernst nehmen, dass sie nicht mit den Opfern agieren wollen, sondern über ihre Köpfe hinweg. Dies lässt für das Ergebnis des Runden Tischs nichts Gutes erwarten.

 

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe-AGJ ist aufgefordert, jeden Verdacht auszuräumen, dass diese Runde-Tisch-Nummer nur ein Schauspiel ist, über das mehr oder weniger sporadisch berichtet wird, um ungeduldige Gemüter zu beruhigen und bei dem das Endergebnis längst abgekartete Sache ist.

 

Schließlich haben immer weniger Heimopfer die Hoffnung, dass sie neben einer Entschuldigung wenigstens keine Angst mehr vor dem Alter haben müssen vor einem weiteren Heimaufenthalt, nämlich einem Altersheimaufenthalt, während dem sich unter anderen Vorzeichen die Erlebnisse aus Kindheit und Jugend wiederholen könnten.

 

Dass diese Bedenken berechtigt sind, beweisen die vielen Skandale aus den Altenheimen dieser Republik. Übrigens sind auch diese Skandale - und es ist wichtig, dies zu betonen - nur die Spitze des Eisberges. Mir persönlich ist bis heute kein Altenheim bekannt, das menschenwürdig mit allen Bewohnern umgeht.
17. 02. 2009

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Helmut Jacob
Kommentiere diesen Post

Kommentare