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9. Februar 2009 1 09 /02 /Februar /2009 19:16

Als Jugendlicher wurde Wolfgang Focke in evangelischen Kinderheimen zur Arbeit gezwungen, verprügelt und sexuell missbraucht. Jetzt kämpft der Rentner für eine Entschädigung
http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/herr-focke-will-wiedergutmachung/

Kommentar:

Angesichts der Verbrechen an den Heimkindern, die in nunmehr 3 Jahren Aufarbeitung ans Tageslicht gekommen sind, den Opfern eine Entschädigung abzusprechen oder dieses zu versuchen, zeugt von einer moralischen Verlotterung, die den Gegner von Entschädigungen selbst ins Abseits stellt. Diese Verluderung dokumentiert sich schon in vielen Bereichen. Bänker werden mit Geld zugefüttert; - man braucht gar nicht lange nachzugrübeln, dass mit diesen Finanzspritzen zahlreiche Einlagen abgesichert werden sollen, die nicht den Weg nach Lichtenstein oder in die Schweiz geschafft haben. Dafür hat man für HartzIV-Mütter gerade mal 100€ Schulgeld übrig. Im übrigen bestätigt sich der Verdacht, dass wirklich alles unternommen wird, dieses Problem, das aufmüpfige ehemalige Heimbewohner den Kirchen, staatlichen Aufsichtsbehörden und der Politik aufgetischt haben, einfach biologisch zu lösen. Es wird so lange schwadroniert, bis die Zielgruppe nicht mehr vorhanden ist. Allein die gesundbeterische Behauptung, es seien alles nur bedauerliche Einzelfälle, die keine Systematik erkennen ließen, ist heute nur noch eine Boshaftigkeit. So ist klar zu erkennen, dass es in etlichen Heimen eine Ausnahme war, wenn einzelne Betreuer/innen "gut" zu ihren Schützlingen waren. Sie selbst wurden oft gemobbt.

An der Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels unseres Landes aktualisieren sich die moralischen Wertmaßstäbe dieser Gesellschaft.

Helmut Jacob

06.02.09

 

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Published by Helmut Jacob
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Kommentare

Bernhard Leihe 04/30/2009 17:11

Sieht man von den Ausnahmen ab, waren Heime - insbesondere der konfessionellen Richtung - systematische Folteranstalten, inj denen Kinder auf unbeschreibliche Weise depraviert und für's Leben zerstört wurden. Ich war von Geburt an in katholischen Heimen und kann aus eigener Erfahrung berichten, das alle hier auf dieser Seite beschriebenen Foltermethoden tägliche Praxis war. Ganz besonders Ordensangehörige, wie Nonnen, erlebten in diesen Heimen eine Renaissance der mittelalterlichen Inquisition. Ich wurde in den 18 Jahren meiner Heimzeit (von 1951 bis 1969) mindestens 16 Jahre lang in einer totalen Angststarre versetzt, ausgelöst durch Jahre lange Isolation, täglicher körperlicher und seelischer Misshandlungen, Entwürdigung und Entmenschlichung. Mir wurde regelrecht die "Widerlichkeit" meiner kindlichen Existenz eingeprügelt. Und das alles in Gottes Namen.

gez.: Leihe