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16. Januar 2009 5 16 /01 /Januar /2009 00:22

Die Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, hat sich für die Misshandlung von Kindern und Jugendlichen in Heimen der Evangelischen Kirche entschuldigt. In der Sendung „Menschen und Schlagzeilen“ im NDR Fernsehen (14. Januar) sagte sie: „Ich kann öffentlichen sagen, dass ich mich entschuldige, aber ich würde mehr noch sagen, ich schäme mich dafür, dass in unseren Heimen so etwas vor sich gegangen ist und Kinder wirklich auch gebrochen wurden in ihrem Willen und ihre Würde derart verletzt wurde.“

http://www.presseecho.de/fortsetzung%20politik/PR352981.htm

Kommentar

Richtig sensationell ist diese Entschuldigung nicht. Die Formulierung: „Ich kann öffentlichen sagen, dass ich mich entschuldige, …“ bekommt erst einen glaubwürdigen Anstrich durch die Fortsetzung des Zitats: „… ich würde mehr noch sagen, ich schäme mich dafür, …“. Der Ausdruck von Scham ist klar eine Steigerung der Absicht einer Entschuldigung. So kleinkariert müssen wir Heimkinder sein, weil uns schon viele pflaumenweiche Stellungnahmen zu Verbrechen an Kleinkindern, Schulkindern und Jugendlichen als aufrichtige Entschuldigungen wie Sauerbier angedreht wurden. Gerade in diesen Tagen gilt es, wachsam zu sein und jedes Wort zu überprüfen. An der Umsetzung des Beschlusses des Petitionsauschusses und des Bundestages durch das Familienministerium erkennen wir schon jetzt, dass wir wieder über den Tisch gezogen werden sollen. Der Bock soll zum Gärtner gemacht werden und den Runden Tisch gestalten, die Zahl der Verbrechensopfer drastisch reduziert werden. Und der Opferfond soll ganz verschwinden.

So ist auch Bischöfin Käßmann aufgefordert, ihrer Entschuldigung und Scham Taten folgen zu lassen. Ihre eingeschränkten Argumente für eine Entschädigung, die nur für jene geleistet werden soll, die „… heute in Notsituationen sind …“, beinhaltet die Notwendigkeit jedes einzelnen Opfers, sich erneut zu erklären, sprich, die Hose fallen zu lassen und damit ihr Martyrium noch einmal zu durchleben.

Opferhilfe muss schnell und unkompliziert geschehen. Es muss eine Grundrente geben, so wie sie das Opferentschädigungsgesetz vorsieht. Damit sie gewährt werden kann, muss dieses OEG schleunigst überarbeitet werden. Denn für Opfer vor 1976 gibt es in dieser Fassung nichts. Und die psychischen Wracks haben auch nichts zu erwarten.

Helmut Jacob
15.01.09

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Published by Helmut Jacob
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